Irak-Kriegskosten: Bush pumpt den Kongress an

Von Tom Hillenbrand

Die USA benötigen für den Fall eines Irak-Kriegs zusätzliche Haushaltsmittel von bis zu 95 Milliarden Dollar. Bisher hatte die Regierung von Präsident George W. Bush behauptet, der Krieg werde vermutlich nur 60 Milliarden Dollar kosten.

George Bush mit US-Truppen: Kostenprognose flugs um 50 Prozent angehoben
REUTERS

George Bush mit US-Truppen: Kostenprognose flugs um 50 Prozent angehoben

New York - Das Geld will US-Präsident George W. Bush in Kürze beim Kongress anfordern. Derzeit würden entsprechende Entwürfe für einen Nachtragshaushalt erarbeitet, berichtet das "Wall Street Journal" unter Berufung auf Regierungskreise. Mit dem Geld sollten die Kosten für die Kriegsführung, die Kriegsfolgen sowie neue Ausgaben im Antiterrorkampf gedeckt werden.

Die Gesamtkosten könnten dem Bericht zufolge auf 60 Milliarden Dollar begrenzt bleiben. Dies sei aber davon abhängig, wie lange der Krieg dauere, mit welchen Beträgen sich die Verbündeten beteiligten und welche Schäden die irakische Armee verursache.

Milliarden oder Billionen?

Bis heute hat die US-Regierung keine genauen Informationen über die möglichen Kriegskosten veröffentlicht. Der Finanzchef des Weißen Hauses, Mitchell Daniels, gab zwar vor einiger Zeit die Kosten eines Irak-Feldzugs mit 50 bis 60 Milliarden Dollar an. Die Zahl beinhaltet allerdings nur die Mittel für die Militäroperation. Kosten für den Wiederaufbau des Irak oder friedenserhaltende Maßnahmen nach dem Ende des Kriegs sind nicht mit einberechnet.

Wirtschaftsexperten halten die von Mitchell genannte Zahl für unrealistisch. Der Yale-Ökonom William Nordhaus, der eine Studie zu den Kriegskosten erstellt hat, rechnet im - aus US-Sicht - günstigsten Fall mit Kosten in Höhe von 99 Milliarden Dollar. Sollte es jedoch zu einem längeren, schwierigen Krieg kommen, hält Nordhaus Kosten von bis zu 1924 Milliarden Dollar für möglich.

Das Öl soll es richten

US-Regierungskreisen zufolge könnten Erlöse aus den Ölvorkommen Iraks zum Wiederaufbau des Landes verwendet und damit die Kriegsfolgekosten gesenkt werden, berichtet das "Journal". Der Irak verfügt nach Saudi-Arabien über die zweitgrößten bekannten Erdölreserven der Welt. Diese Prognose dürfte sich allerdings nur erfüllen, wenn die Ölindustrie des Irak einen Krieg halbwegs unbeschadet übersteht.

Selbst wenn dies der Fall wäre, müsste der wichtigste Industriezweig des Landes wohl zunächst modernisiert und in Stand gesetzt werden. Auch ist unklar, ob ein Irak ohne Saddam Hussein Mitglied der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) bliebe. Da das Kartell Förderquoten für ihre Mitglieder festlegt, könnte der Irak unter Umständen nicht so viele Barrels auf den Markt pumpen, wie er möchte.

Der britische Irak-Spezialist Toby Dodge von der Universität Warwick hält die Hoffnungen, dass ein internationales Aufbauprogramm nach einem Irak-Krieg der Wirtschaft größere Impulse liefern werde, ohnehin für überzogen: "Am Ende des Krieges liegt kein Goldschatz."

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