Irak US-Armee beginnt mit der Öl-Förderung

Fünf Wochen nach Kriegsbeginn hat die US-Armee erstmals begonnen, wieder Öl im Irak zu fördern. Bevor die Ressourcen des Landes voll genutzt werden können, sind aber Investitionen in zweistelliger Milliardenhöhe nötig.


US-Soldat in Öl-Raffinerie bei Kirkuk: Irakische Helfer arbeiten bisher unentgeltlich
AP

US-Soldat in Öl-Raffinerie bei Kirkuk: Irakische Helfer arbeiten bisher unentgeltlich

Basra - Ein technisches Korps der US-Armee hat die erste von zehn Förderanlagen auf dem Rumeila-Feld im Südirak wieder in Betrieb genommen. Das berichtete US-Brigadegeneral Robert Crear am Donnerstag in Basra. "Wir schätzen, dass es noch 6 bis 15 Wochen dauert, um eine Produktion zwischen 400.000 und 800.000 Barrel (je 159 Liter) pro Tag zu erreichen." Hilfe bekam das Armeekorps vom US-Unternehmen Kellogg Brown & Root (KBR) und mehr als tausend irakischen Ölarbeitern. KBR ist ein Ableger des Halliburton-Konzerns, der früher vom US-Vizepräsidenten Dick Cheney geführt wurde.

Die Förder-Aufgabe hätte nicht so schnell gelöst werden können, wenn nicht die irakischen Arbeiter der Southern Oil Company so schnell zu ihren Arbeitsplätzen zurückgekehrt wären, sagt Korps-Sprecher Steve Wright. "Ihr Wissen über die Förderanlagen und das System war unschätzbar."

Mehr als tausend Iraker sind nach Befragungen, sowie einem Sicherheitscheck wieder eingestellt worden - sie arbeiten zunächst unentgeltlich. Brigadegeneral Crear spricht bei den Löhnen von einer komplizierten Angelegenheit, weil alle Guthaben der Irakischen Zentralbank seit Kriegsbeginn eingefroren seien. Damit ist noch unklar, wann und wie die Arbeiter bezahlt werden.

Zu Zeiten des Regimes von Saddam Hussein verdienten die Beschäftigten in der Ölindustrie zwischen 25 und 60 US-Dollar im Monat. Die Einkommen lagen damit zwischen fünf und zwölf Mal höher als die von durchschnittlichen Staatsangestellten.

Nicht nur die Bezahlung der Arbeiter ist derzeit offen, sondern auch der legale Rahmen, in dem das Öl überhaupt gefördert wird. Zurzeit gibt es im Uno-Sicherheitsrat ein diplomatisches Gerangel über eine Neuauflage des Programms "Öl für Lebensmittel".

Die Förderung auf dem Rumeila-Feld ist von den US-Soldaten und irakischen Mitarbeitern gleichermaßen gefeiert worden. Über eine 26 Kilometer lange Leitung wird es in Richtung Nordosten über al-Subair nach Basra gepumpt. Die Raffinerie von Basra war am 22. März geschlossen worden. Sie hat eine Kapazität von 140.000 Barrel pro Tag.

Als nächstes gelte es, das nördliche Ölfeld bei Kirkuk zu aktivieren, sagt General Crear. Nächste Woche will er die Anlagen in Augenschein nehmen. In besten Zeiten wurden dort um die 900.000 Barrel gefördert.

Die möglichen Öleinnahmen des Irak spielen eine Schlüsselrolle, wenn über die Kosten für den Wiederaufbau des Landes gesprochen wird. Zeitweise wurden aus der US-Regierung Überlegungen bekannt, nach denen sich die Kriegsfolgen überwiegend oder sogar vollständig aus dem Ölreichtum des Irak finanzieren ließen. Diese Idee halten die meisten Ölexperten für eine Illusion.

Mit 15,1 Milliarden Tonnen verfügt der Irak zwar über die drittgrößten Ölreserven der Welt nach Saudi-Arabien und Kanada, doch war sein Beitrag zur weltweiten Ölversorgung in den vergangenen Jahren bescheiden. Unter den Bedingungen des Embargos durfte der Irak nur begrenzt Öl ausführen und konnte keine Investitionen in die Anlagen mehr vornehmen. Zuletzt produzierte das Land mit maroder Fördertechnik gut zwei Millionen Barrel pro Tag (bpd), etwa halb so viel wie vor zwölf Jahren. Selbst diese Förderleistung ist kurzfristig nicht mehr erreichbar.

"Das Land wird mindestens fünf Jahre brauchen, um wieder die gleiche Menge Öl zu fördern wie vor der Invasion Kuweits", sagt Klaus Matthies vom Hamburgischen Weltwirtschaftsarchiv (HWWA). Um dieses Ziel zu erreichen, müssten gewaltige Mittel in den Aufbau der Industrie gesteckt werden.

"Vor dem Hintergrund riesiger Reserven ist der Irak das am wenigsten explorierte Ölland im Nahen Osten", schreibt der Hamburger Energie-Informationsdienst EID. Die Schätzungen für das notwendige Investitionsvolumen variieren und reichen von 30 bis 90 Milliarden US-Dollar in den kommenden Jahren, je nachdem, wie schnell und wie weit die Ölproduktion ausgebaut werden soll. Experte Matthies: "Es wird auf jeden Fall sehr teuer."



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