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ISDN-Anschlüsse: Telekom droht Kunden mit Kündigung

Es ist ein ungewöhnliches Mittel der Kundenbindung: Die Telekom will die Verträge von ISDN-Kunden ohne deren Einverständnis kündigen - weil der Konzern die eigenen Tarife neu strukturieren will. Die Kunden, so das Unternehmen, könnten ja auf "attraktivere" Varianten umsteigen.

Berlin - Es war ein ungewöhnlicher Brief, der vielen Kunden der Deutschen Telekom Chart zeigen in den vergangenen Tagen ins Haus flatterte: Schriftlich wurden sie von dem Unternehmen über die Beendigung ihrer ISDN-Anschlussverträge "Standard" und "Komfort" zum Spätsommer beziehungsweise Herbst dieses Jahres informiert. Das berichtet die "Welt" in ihrer Online-Ausgabe.

Logo der Telekom: Günstigere Tarife bleiben unerwähnt
DDP

Logo der Telekom: Günstigere Tarife bleiben unerwähnt

Die Kündigungsandrohung mache gleichzeitig klar, dass damit auch der Internet-Zugang sowie "alle weiteren an diesem Anschluss zugebuchten Leistungen und Produkte" betroffen seien. "Manche Verbraucher sahen sich bereits direkt mit einer Kündigung zum 30. Juni 2009 konfrontiert", schreibt die Zeitung weiter.

Konzern will Produktvarianten loswerden

Die offizielle Begründung der Telekom: Es gebe inzwischen attraktivere Produktvarianten, daher würden die betreffenden ISDN-Anschlüsse aus dem Angebot genommen. Man empfehle daher einen Wechsel auf das DSL/Telefon-Komplettpaket "Call & SurfComfort" mit Doppel-Flatrate fürs Internet-Surfen und Telefonieren im deutschen Festnetz. Laut "Welt" bleiben allerdings günstigere Tarife unerwähnt. "Und erst auf den zweiten Blick wird klar, dass der angebotene 'Comfort'-Tarif 24 monatelang nicht gekündigt werden kann."

Hintergrund der Aktion sei, dass der Ex-Monopolist seine Vielzahl von Produktvarianten und Alttarife aus den vergangenen Jahren loswerden und übersichtlicher strukturieren will, um Kosten zu sparen. Auf dem stark umkämpften Telekommunikationsmarkt sei die Telekom aber auch ins Hintertreffen geraten, das Unternehmen wolle verhindern, dass Kunden zur meist günstigeren Konkurrenz abwanderten. Deshalb wolle man die Kunden durch lang laufende Verträge binden, die einen Wechsel oft über Jahre verhinderten. "Gleichzeitig wird versucht, das Zubuchen günstiger Alternativangebote bei DSL und Internet bis hin zu Preselection und Call-by-Call auszuhebeln", sagte Jürgen Grützner, Geschäftsführer des Verbands der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten (VATM) der "Welt".

Kritik an dem Vorgehen kam auch von der Konkurrenz: Die Kundenschreiben seien "Panikmache" und "Irreführung", sagte Oliver Rockstein, Geschäftsführer von Tele2, der Zeitung. "Die Telekom täuscht den Kunden vor, dass sie sich unbedingt melden müssen, bevor ihre ISDN-Anschlüsse angeblich eingestellt werden." Damit umgehe die Telekom die neuen Verbraucherschutzregeln, nach denen sie selbst keine unverlangten Werbeanrufe mehr tätigen dürfe.

Einstweilige Verfügung von Tele2

Bei der Telekom gibt man sich ob der Kritik gelassen: Zwar räumte Marc Sausen, Sprecher von T-Home, der Festnetztochter der Deutschen Telekom, mögliche missverständliche Formulierungen ein, stellt aber klar, dass kein ISDN-Kunde in einen längerfristigen Vertag wechseln muss. Jeder könne in den aktuell vermarkteten Tarif "CallPlus Universal" wechseln. Dieser koste mit einer monatlichen Grundgebühr von 26,95 Euro nur wenige Cent mehr als der alte ISDN-Tarif und habe lediglich eine Laufzeit von einem Monat. "Ebenfalls bleiben alle extern zugebuchten Leistungen davon unberührt", betont Sausen. Laut "Welt" hat Tele2 trotzdem eine einstweilige Verfügung erwirkt, nachdem die Telekom ihr Schreiben in der jetzigen Form nicht mehr versenden darf.

sam

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