Islambanken Mit Allahs Hilfe durch die Krise

Weltweit kämpft die Bankenbranche mit den Folgen des Finanzbebens - doch ein Sektor ist auf Wachstumskurs: Islambanken, die Geschäfte nach den Regeln der Scharia betreiben, expandieren. Sie füllen die Lücken, die große Institute durch ihren Rückzug aufreißen.


London - Den vergangenen September hat David Testa in schlechter Erinnerung. "Wir hatten eine große Emission auf dem Markt, die überzeichnet gewesen wäre, dann kollabierte Lehman Brothers", erzählt der CEO der Gatehouse Bank in London. Die Panikreaktion der Märkte führte dazu, dass der Deal abgeblasen wurde - wie Tausende andere auch. Die Pleite der US-Investmentbank ließ fast niemanden im Londoner Finanzdistrikt ungeschoren.

Islamic Bank in London: "Keine Giftpapiere in den Bilanzen"
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Islamic Bank in London: "Keine Giftpapiere in den Bilanzen"

"Kein Zweifel, die Finanzkrise hat uns auch getroffen, weil westliche Banken sich zurückgezogen haben", sagt Testa. Und doch: Der Mittvierziger verströmt eine Zuversicht, die in Bankenkreisen derzeit eher selten ist. "Wir stellen Leute ein", sagt er grinsend. Gatehouse ist eine von fünf Londoner Islambanken - und das erweist sich in der Krise als Wettbewerbsvorteil.

"Islambanken haben keine Giftpapiere in ihren Bilanzen, weil der Koran sie verbietet", erklärt Rodney Wilson, Professor für Islamfinanz an der englischen Durham University. Stattdessen finanzieren sie sich hauptsächlich durch die Einlagen ihrer Kunden und haben daher nicht die Abschreibungsprobleme anderer Banken. Was früher als umsatzhemmende Schrulle belächelt wurde, trifft heute den Geist der Zeit.

In einigen Zirkeln werden die konservativen Investmentprinzipien der Koranbanker schon zum Modell für die gesamte Finanzbranche erhoben. Selbst der Vatikan, nicht gerade für übertriebene Nähe zum Islam bekannt, empfahl den westlichen Casinobankern Anschauungsunterricht bei den glaubensorientierten Kollegen.

Krise weckt Interesse an Scharia-Banking

Islambanken halten sich beim Investieren an die Grundregeln der Scharia, des islamischen Rechts. Es ist Geldmachen unter erschwerten Bedingungen: Zinsen und der Handel mit virtuellen Werten sind verboten, exzessive Schulden und Spekulation tabu. Bei sämtlichen Transaktionen müssen deshalb greifbare Werte wie Immobilien, Edelmetalle oder sonstige Waren den Besitzer wechseln. Der Kunde kann dann als Gewinn eine reale Wertsteigerung verbuchen - statt der verbotenen Zinsen. Das macht das Geschäft zwar komplizierter und in der Regel teurer, aber eben auch weniger riskant.

Die Krise könnte dem lange misstrauisch beäugten Sektor nun zum Durchbruch verhelfen. "Die traditionellen Werte der islamischen Banken werden attraktiver für westliche Anleger, die einen sicheren Hafen im aktuellen Finanzsturm suchen", schreibt die Unternehmensberatung Arthur D. Little in einer neuen Studie. Auch bei den Ausstellern von Wertpapieren nimmt das Interesse zu, weil andere Geldquellen versiegt sind. "Viele Emittenten sind bereit, die zusätzliche Meile zu gehen und sich den Scharia-Regeln zu beugen, um an Kapital zu kommen in einem Markt, in dem konventionelle Banken die Finanzierung eingestellt haben", sagt Testa.

Seine Gatehouse Bank ist ein Start-Up, erst seit vergangenem April im Geschäft. Das Eigenkapital ist mit 50 Millionen Pfund bescheiden, im ersten Jahr hat die Boutique-Investmentbank auch noch keinen Gewinn gemacht. Doch in der Krise tun sich neue Gelegenheiten auf. Die Alternativbanken, die nicht durch Giftpapiere belastet sind, können in die Lücken vorstoßen, die durch die Zurückhaltung der überschuldeten Großbanken entstehen. Es sei ein "guter Moment" für die Branche, sagt Testa: "Die meisten Islambanken sind auf Wachstumskurs."

Tatsächlich hat die zwei Jahre alte Bank of London and the Middle East (BLME) ihre Bilanzsumme im vergangenen Jahr von 297 Millionen auf 872 Millionen Pfund fast verdreifacht. Der Gewinn vor Steuern stieg von 330.000 auf 4,4 Millionen Pfund.

Im Vergleich zu den Milliardenbilanzen der traditionellen Banken sind solche Zahlen Peanuts. Doch das Wachstum lässt die Platzhirsche aufhorchen. Citibank, Deutsche Bank, HSBC - sie alle unterhalten kapitalstarke Scharia-Abteilungen, um die Geldquellen am Persischen Golf anzuzapfen.



insgesamt 111 Beiträge
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peterworldwide 30.04.2009
1.
Zitat von sysopIslambanken, die nach den Regeln der Scharia arbeiten, verzeichnen in der Wirtschaftskrise einen Boom. Was machen die Institute besser als andere Banken? Taugen sie als Gegenmodell zum westlichen Kapitalismus?
Man sollte Kapitalismus durch Egoismus ersetzen. Dann finden sich hier sicherlich viele (noch immer egoistische) Antworten. Die Islambanken verfolgen eine voellig andere Idee, welche dem christlichen Glauben zur Ehre gereichen wuerde. Aber der Vatikan selbst verfolgt ja eine voellig andere Strategie, als er gar predigt. Und geht dabei ueber Leichen...
Gockeline 30.04.2009
2. Es ist ihnen verboten solche Geschäfte zu machen wie unsere
Hier hält der Gäauben die Hand über das Eigentum der Bürger. Genauso wie in sehr kleinen Banken die nach altem Muster arbeiten.Wohin die Bankenwelt geschlittert ist mit ihren erfundenen Spekulation wissen wir.
PaulNeu, 30.04.2009
3.
Zitat von peterworldwideMan sollte Kapitalismus durch Egoismus ersetzen. Dann finden sich hier sicherlich viele (noch immer egoistische) Antworten. Die Islambanken verfolgen eine voellig andere Idee, welche dem christlichen Glauben zur Ehre gereichen wuerde. Aber der Vatikan selbst verfolgt ja eine voellig andere Strategie, als er gar predigt. Und geht dabei ueber Leichen...
Da müsste man mal definieren, was Islamic Banking bedeutet. Da ist das Zinsverbot zu nennen oder auch Spekulationsverbot. Letzteres ist ohnehin nicht so einfach zu definieren, ich kann auch mit Unternehmen und Mietshäusern spekulieren. Das Zinsverbot wird ersetzt durch Beteiligungsfinanzierung (private equity) oder Anlage in Investmentzertifikate, statt Zinsen also Gewinne. Umsonst gibt auch ein Moslem seine Kröten nicht her. Mit Susuk-Anleihen wird das Zinsverbot umgangen. Ausdrücklich erlaubt der Koran jedoch die Verteilung von Gewinnen. Daher werden die Zinszahlungen durch religionsverträgliche Gewinngutschriften ersetzt. Oder es wird eine Anleihe begeben, deren Mittel in Investitionen gegen Gewinnbeteiligung gesteckt werden, am Ende der Laufzeit erhält der Anleger den um Gewinne erhöhten Anlagebetrag zurück. Letztlich eine gewinnabhängige Verzinsung. Die Anlage fließt dann in westliche Unternehmen, die durch kapitalistisches Banking finanziert werden. Was den Christen im Mittelalter die Juden waren zur Umgehung des Zinsverbotes, das sind die Christen für die reichen Moslems, ohne der kapitalistischen Wirtschaftsweise könnten die frommen Moslems ihre riesigen Geldvermögen nicht korangetreu anlegen. Da würden auch die vielen Hotels nicht helfen, denn die leben auch vom christlichen Tourismus. Wie Islamic Holdings die frommen Anlegen ebenso abzockt wie Banken mit Lehmann Zertifikaten, haben Moslems in Deutschland genug zu spüren bekommen. http://www.welt.de/print-welt/article224716/Betrug_im_Namen_Allahs.html 25 Milliarden Betrug durch fromme Anlageberater.
TommIT, 02.05.2009
4. Echt geil
wird man dann bei der Einreise in die USA oder schon vorher bis auf die Urinkristalle im Nierenstein durchleuchtet, wenn man dort ein Konto hat? Welch absurde Geschehnisse die Worte fpür die der Normalbürger die Unterhose auf dem Fluhafen ausziehen darf, plötzlich an Lippen hängen, die vorher noch einen Nacktscanner forderten. Verbiete die Scharia auch die Gelder so anzulegen, dass einige 'Leute' in Krisengebieten davon profitieren. Unser fettester Ölexporteur wird ja schon länger von denselben alimentiert, die am Flughafen die 'Blankziehertrigger' beschäftigen. So hat man eben die Finger in jedem Geschäft.
silenced 02.05.2009
5. Ach ja ...
Im grunde ist das, wovon diese "islamischen Banken" Abstand halten: Zins, Spekulation, virtueller Schwachfug. Also all jenes, was das "westliche Bankensystem" kaputtgemacht hat weil man begonnen hat aus "Gar Nichts" vielfach "Noch Mehr" zu machen. Kurz: Da standen keine realen Werte mehr dahinter. Nicht zu vergessen: Das ultimative Böse: der Zins ! Das wirklich verwerfliche war/ist: Am Ende merkten die Finanzmenschen: ""Verdammt, unser "virtuelles" Zeug ist ja wirklich nur "virtuell" und wir haben "Nichts", aber nun haben wir dieses "Nichts" komplett verloren, was nun ?"" Und genau dieses "Nichts" hat diese "Krise" verursacht, den im Grunde größten Bankraub aller Zeiten, "Nichts" verlieren aber sich in "Realen Werten" auszahlen lassen. GENIAL ! Aber da kann man Beweisen und Reden soviel man will, es wird sich nichts ändern. Und die wirklich verantwortlichen sitzen immernoch in ihren Sesseln und kassieren dicke Boni.
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