IWF-Kredit Argentinien setzt Schuldentilgung aus

Erstmals ist das hoch verschuldete Argentinien auch bei seinen Verpflichtungen gegenüber dem Internationalen Währungsfonds in Verzug geraten. Die Regierung des neuen Präsidenten Néstor Kirchner ließ den Zeitpunkt der Überweisung von annähernd drei Milliarden Dollar verstreichen.


Setzte Schuldentilgung aus: Argentiniens Präsident Néstor Kirchner
REUTERS

Setzte Schuldentilgung aus: Argentiniens Präsident Néstor Kirchner

Buenos Aires - Zur Begründung hieß es in Buenos Aires, ohne eine vorherige Einigung mit dem IWF über einen neuen Kredit in gleicher Höhe werde die Rate nicht bezahlt. Der Betrag entspricht fast einem Viertel der Devisenreserven der Zentralbank.

Die Verhandlungen mit dem Fonds über ein neues mittelfristiges Kreditabkommen zur Begleichung alter Schulden gingen unterdessen weiter.

Den Schuldendienst bei privaten Gläubigern hatte das mit insgesamt fast 170 Milliarden Dollar verschuldete Land bereits Anfang 2002 eingestellt. Die Regierung hat es bisher abgelehnt, einen Haushaltsüberschuss von 4,0 Prozent für das kommende Jahr zuzusagen. Dieses Geld soll für die Bedienung der Schulden bei privaten Gläubigern zur Verfügung stehen. Auch die vom IWF angemahnte Erhöhung von Wasser-, Gas-, Strom- und Telefongebühren der privatisierten Unternehmen stand einer Einigung nach Presseberichten weiter im Wege. Die Preise sind derzeit eingefroren.

"Die argentinische Regierung und der IWF haben ihre Verhandlungen über ein Refinanzierungsabkommen mit den multilateralen Kreditorganisationen (IWF, Weltbank und Inter-Amerikanische Entwicklungsbank) noch nicht abgeschlossen", hieß es in einer Erklärung des Büros des Kabinettschefs. Die Regierung in Buenos Aires hatte bereits zuvor angekündigt, nicht die Devisenreserven für die Tilgung der drei Milliarden Dollar beim IWF anzutasten.

Kabinettschef Alberto Fernandez sagte, die Regierung habe sich ein rascheres Ergebnis gewünscht, jedoch "gibt es manchmal Verzögerungen, aber wir sind gelassen." Volkswirte gehen davon aus, dass ein Abkommen in den kommenden Tagen oder Wochen erreicht wird. Kurzfristig sei der Schuldenverzug nicht sehr bedeutend.

Bei den Gesprächen mit dem Fonds geht es um eine Tilgungsstreckung für Schulden über 12,5 Milliarden Dollar, die innerhalb der nächsten drei Jahre fällig werden. Durch den erneuten Zahlungsverzug wird es für die argentinische Wirtschaft nach dem Zusammenbruch Anfang vergangenen Jahres vermutlich noch schwieriger, Zugang zu den Weltmärkten zu finden.

Bereits im vergangenen Jahr hatte Argentinien wegen der schweren Finanzkrise sämtliche Schuldendienste auf Verbindlichkeiten im Volumen von 95 Milliarden Dollar bei privaten Kreditgebern weltweit eingestellt.



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