Amazon-Chef Jeff Bezos wirft "National Enquirer" Erpressung vor

In einem Brief behauptet Jeff Bezos, das Boulevardblatt "National Enquirer" habe ihm damit gedroht, intime Privatfotos zu veröffentlichen. Dahinter stecke der Chef des "Enquirer"-Verlags - ein guter Bekannter von Donald Trump.

Jeff Bezos (März 2017)
REUTERS

Jeff Bezos (März 2017)


Amazon-Chef Jeff Bezos hat dem US-Boulevardblatt "National Enquirer" Erpressung mit übelsten Methoden vorgeworfen. In einem offenen Brief erklärte der Unternehmer, das Blatt habe mit der Veröffentlichung intimer Privatfotos von ihm gedroht, falls er die von ihm initiierte Untersuchung gegen die Zeitschrift nicht einstellen sollte.

Bezos beschuldigte den Chef des "Enquirer"-Verlags American Media Inc. (AMI), David Pecker, hinter dem Erpressungsversuch zu stehen. Pecker ist ein guter Bekannter von US-Präsident Donald Trump - und der halte ihn "fälschlicherweise für seinen Feind", schrieb Bezos in seinem Brief. Das liege daran, dass er Eigentümer der "Washington Post" sei: "Es ist unvermeidlich, dass gewisse mächtige Menschen - über die in der 'Washington Post' berichtet wird - fälschlicherweise darauf schließen, dass ich ihr Feind bin."

Hintergrund ist Bezos' Trennung von seiner Ehefrau MacKenzie und sein Verhältnis mit einer anderen Frau. Das Ehepaar hatte im vergangenen Monat bekanntgegeben, dass es sich scheiden lassen will. Wenig später machte der "National Enquirer" die Affäre des Amazon-Chefs mit Lauren Sanchez öffentlich und verbreitete dabei unter anderem Textnachrichten und Fotos von ihm.

Bezos ließ nach eigenen Angaben untersuchen, wie das Blatt an dieses Material gelangt war. Er erklärte, Mittelsmänner von Pecker hätten ihn daraufhin aufgefordert, dies zu unterlassen. Man habe ihm gesagt, wenn er dies nicht tue, würde der Verleger schlüpfrige Fotos von ihm und seiner Geliebten öffentlich machen. Statt sich der Erpressung zu beugen, habe er sich entschlossen, die Drohungen publik zu machen, schrieb Bezos in dem auf dem Portal "Medium" veröffentlichten Brief.

"Sie sagten, sie hätten mehr Textnachrichten und Fotos, die sie veröffentlichen würden, wenn wir unsere Untersuchung nicht einstellen würden", schrieb der Unternehmer. Dazu stellte er E-Mails, die nach seiner Darstellung aus dem Hause von AMI stammen. In einer Nachricht wird beispielsweise detailliert beschrieben, um welche zehn intimen Fotos es sich handelt, darunter sind demnach beispielsweise Nackt-Selfies.

Bezos, 54, ist der Gründer und Vorstandschef des US-Internetriesen Amazon und Eigentümer der "Washington Post". Laut "Forbes" ist Bezos derzeit der reichste Mensch der Welt. Das US-Magazin schätzte sein privates Vermögen zuletzt auf rund 136,9 Milliarden Dollar, das sind umgerechnet etwa 118,8 Milliarden Euro.

aar/dpa

insgesamt 33 Beiträge
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maphry 08.02.2019
1. Das erinnert an News of the World
Wer sich an News of the World in UK erinnert, die sich mit Hilfe von Privatdetektiven in Telephone von Verbrechensopfern gehackt hatten, weiss was so ein Skandal auslösen kann. In UK wurden neue Presseregeln geschaffen (teils heftig umstritten) und das Murdoch-Blatt musste dicht machen.
ihawk 08.02.2019
2. Privatrechte
Jeff Bezos wird juristisch zu verhindern wissen, dass intime Privatfotos veröffentlicht werden. Gerade in den USA kann das nicht genehmigte Veröffentlichen von Privatfotos sehr teuer werden.
jaka778 08.02.2019
3. Lektion in Mut
...die Stellungnahme in der Post sollten alle die lesen, deren Angst vor Gesichtsverlust sie zu allem möglichen Irrsinn treibt. Nicht nur als Unternehmer verdient dieser Mann jeden Respekt. Mir würde kein zweiter einfallen, der bereit wäre so weit zu gehen.
theos001 08.02.2019
4.
Ich finde er ist da noch reichlich entspannt. Er könnte den Laden auch einfach aufkaufen und samt Inhalt Einäschern lassen. Das Blatt ist nicht gerade für akurates arbeiten bekannt, es wäre demnach kein großer Verlust.
jkbremen 08.02.2019
5. Abgesehen davon
dass Jeff Bezos hier richtig vorgeht indem er zum Gegenangriff auf die Schmutzfinken übergeht, sollte er daraus lernen wie wichtig Datenschutz ist und dass auch seine Firma Amazon nicht so aggressiv Daten ihrer Kunden sammeln sollte. Die ganze Sammelei von Daten über Privatpersonen ist unanständig und letztlich schädlich, weil niemand völligen Datenschutz garantieren kann.
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