Skandalbanker Milliardenzocker Kerviel aus Haft entlassen

Er verspielte Milliarden - nun kommt Skandalbanker Jérôme Kerviel schon nach fünf Monaten aus dem Gefängnis. Mit einer Einschränkung: Der 37-Jährige trägt eine elektronische Fußfessel.

REUTERS

Paris - Jérôme Kerviel ist raus aus dem Gefängnis und will wieder "ein normales Leben führen", wie der Ex-Börsenhändler am Montag sagte. Nach insgesamt rund 150 Tagen in Haft war der wegen seiner Milliardenspekulationen verurteilte französische Skandalbanker am Morgen aus der Haft entlassen worden. Kerviel verließ das Gefängnis in Fleury-Mérogis im Süden von Paris in Begleitung seines Anwalts. Ihm sollte umgehend eine elektronische Fußfessel angelegt werden, die Bedingung für die vorzeitige Haftentlassung. "Ich bin superfroh, heute rauszukommen", sagte Kerviel zu wartenden Journalisten.

Kerviel hatte vor sechs Jahren mit seinen Finanzspekulationen die französische Großbank Société Générale fast in den Ruin getrieben, er soll seinem Arbeitgeber einen Verlust von 4,9 Milliarden Euro eingebrockt haben. Wegen Untreue, Dokumentenfälschung und Manipulation von Computerdaten wurde er zu drei Jahren Haft verurteilt, zwei weitere wurden zur Bewährung ausgesetzt. Seine Haftstrafe trat er Mitte Mai an, nachdem er 2008 bereits 41 Tage in Untersuchungshaft gesessen hatte.

Am Donnerstag gab das Berufungsgericht von Paris einem Antrag von Kerviels Anwalt statt, den 37-Jährigen mit einer elektronischen Fußfessel aus der Haft zu entlassen. Kerviel muss unter der Woche die Nächte in seiner Wohnung verbringen, darf diese aber zwischen 7 Uhr und 20.30 Uhr verlassen. Am Wochenende gibt es keine Beschränkungen.

Kerviel wird als Berater in einem Software-Beratungsunternehmen arbeiten. Die Fußfessel wird er voraussichtlich bis Juni 2015 tragen müssen. "Das ist immer noch besser, als in einer neun Quadratmeter großen Zelle eingesperrt zu sein", sagte Kerviel.

Die juristischen Auseinandersetzungen um Kerviel sind indes noch lange nicht vorbei: Frankreichs Oberster Gerichtshof bestätigte zwar im März die Haftstrafe, hob aber das gegen ihn verhängte Schadensersatzurteil über 4,9 Milliarden Euro auf. Der Schadensersatz wird nun vor dem Berufungsgericht von Versailles bei Paris neu verhandelt. Kerviel bestreitet, dass er der Société Générale mit seinen Finanzspekulationen einen Verlust von 4,9 Milliarden Euro bescherte.

Der Fall gilt als Symbol für die Auswüchse der Finanzwelt. Kerviel räumte zwar eine Teilschuld ein, stellte sich aber zugleich als Opfer des Systems dar. Unterstützung erhielt er von bekannten Linkspolitikern wie Jean-Luc Mélenchon von der Linkspartei und Eva Joly von den Grünen.

yes/AFP/dpa



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insgesamt 17 Beiträge
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Seite 1
Shoxus 08.09.2014
1.
Der Typ ist doch nur das Bauernopfer. Von daher absolut ok das er rauskommt. Die wahren Schuldigen machen doch genauso weiter wie vorher. Wenn nicht sogar noch schlimmer.
static2206 08.09.2014
2. Ob das so ne gute Idee war
im Gefängnis war er wohl sicherer.
Finsternis 08.09.2014
3. 5 Milliarden - 3 Jahre Haft - Nach 5 Monate frei
5 Milliarden - 3 Jahre Haft - 5 Monate frei, klingt doch super. Erinnert mich so spontan an den Fall von U.H.
LK1 08.09.2014
4. Vermutlich...
...soll man sich nun über die ungerecht kurze Haftzeit aufregen. Kann ich aber nicht, so lange nicht die Konstrukteure der Häuser-, Banken- und Staatskrisen in Politik und Wirtschaft vor den Kadi gezogen wurden. Da sieht der Rechtsstaat keinen Handlungsbedarf. Von daher ist der Ablauf der Kerviel-Posse wohl systemisch folgerichtig.
Hesekiel 08.09.2014
5.
Den besten Humor beweist SPONs "das koennte Sie auch interessieren": Unter dem Artikel zu einem Mann, der 4,9 Milliarden Dollar verspekuliert und dafuer 150 Tage gesessen hat der link zu einem Raubkopierer, der fuer das Abfilmen eines (1!) Filmes zu drei Jahren verurteilt wurde.
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