John K. Galbraith Der große Widerpart der Neoliberalen ist tot

Er beriet Franklin Roosevelt und John F. Kennedy, schrieb 33 Bücher, darunter den Klassiker "Gesellschaft im Überfluss": John Kenneth Galbraith gehörte zu den einflussreichsten Ökonomen des vergangenen Jahrhunderts. Nun ist der große Verteidiger des Sozialstaats im Alter von 97 Jahren gestorben.


"Privilegierte Menschen werden stets ihre völlige Auslöschung riskieren, bevor sie irgend einen bedeutenden Teil ihrer Vorteile abgeben."                            J. K. Galbraith


New York - Wie sein Sohn mitteilte, starb John Kenneth Galbraith in einem Krankenhaus in Cambridge im US-Bundesstaat Massachusetts eines natürlichen Todes.

Der Sozialkritiker und Präsidentenberater, der auch als Romancier und Diplomat reüssierte, war einer der meistgelesenen Wirtschaftsautoren. Mit seiner Kritik an der Konsumgesellschaft wurde Galbraith einem größeren Publikum bekannt.

Galbraith in seinem Haus in Cambridge (1998): Einer der letzten großen Keynesianer
REUTERS

Galbraith in seinem Haus in Cambridge (1998): Einer der letzten großen Keynesianer

Galbraith wurde am 15. Oktober 1908 in Iona Station in der kanadischen Provinz Ontario geboren. Nach Aufnahme seines wirtschaftswissenschaftlichen Studiums am Ontario Agricultural College 1931 wechselte er nach Kalifornien, wo er 1934 an der renommierten Universität Berkeley promovierte. 1937 nahm er die US-Staatsbürgerschaft an und lehrte später an der Eliteuniversität Harvard.

Der vom großen Börsenkrach 1929 geprägte Ökonom galt politisch als linksliberal - und anders als viele Anhänger dieser Strömung wehrte er sich nie gegen diese Klassifizierung. "Es gibt keine Hoffnung für die Liberalen, wenn sie nur versuchen, die Konservativen zu imitieren - und auch keine Funktion", schrieb er noch 1992.

Lob auf die Rolle des Staates

In den fünfziger Jahren entwickelte er seine Theorie zur Preiskontrolle. In seinem Buch "American Capitalism" kritisierte er, dass der Nachkriegsboom in den USA nicht auf richtiger sondern falscher Preis- und Lohnpolitik beruhe. Die Armen hätten nun einmal keine Lobby, befand Galbraith.

In seinem Hauptwerk "The affluent society" thematisiert er die Flut an privaten materiellen Gütern und forderte einen aktiven Staat in der Sozialpolitik. Es reiche nicht aus, wenn in einer Gesellschaft individueller Reichtum erlangt werden könne: Der Staat müsse für öffentliche Bedürfnisse wie Straßen und Schulen sorgen. Zum Gleichgewicht der Kräfte in der Wirtschaft seien auch Gewerkschaften notwendig. Schon 1958 warnte Galbraith vor den Folgen des Wirtschaftswachstums für die Umwelt.

Galbraith gehörte dem Beraterstab der demokratischen Präsidenten Franklin D. Roosevelt und John F. Kennedy an. Unter Roosevelt war er mit Inflationskontrolle betraut. Nach dem Zweiten Weltkrieg beriet er die Verwaltungen in den besetzten Ländern Deutschland und Japan. Kennedy ernannte den Querdenker später zum Botschafter in Indien, wo Galbraith von 1961 bis 1963 US-Interessen vertrat.

Mehrere von Galbraith geprägte Begriffe, wie etwa Überflussgesellschaft und Gegenmacht hielten Einzug in die Alltagssprache.

itz/AFP/AP/Reuters/dpa/wikipedia.org



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