Euro-Krise: Ackermann fordert griechischen Schuldenschnitt 

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Er will die Vision eines geeinten Europas retten - und Griechenland einen Teil der Hilfskredite erlassen. In der SPIEGEL-Gesprächsreihe "Montag an der Spitze" plädiert der ehemalige Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann für einen weiteren Schuldenschnitt - und warnt vor den Folgen eines Euro-Austritts.

dapd

Hamburg - Vor lauter Verve wäre ihm beinahe ein Wort entfahren, das schon seinem Vorvorgänger Hilmar Kopper zum Verhängnis geworden war. "Selbst wenn Griechenland noch einmal 20 Milliarden Euro braucht", sagt Josef Ackermann, "das sind …" - dann bricht er den Satz ab. Was er meint ist: Das sind Peanuts - Kleinigkeiten. Doch das Wort ist für aktive und ehemalige Deutsche-Bank-Chefs verboten, seit Kopper damit vor 18 Jahren die Schäden kleinredete, die den Handwerkern bei einer großen Immobilienpleite entstanden waren.

Ackermann will ohnehin lieber nach vorne schauen. Bei der von SPIEGEL und Körber-Stiftung veranstalteten Gesprächsreihe "Der Montag an der Spitze" hält der ehemalige Top-Banker ein flammendes Plädoyer für die Euro-Rettung. Wenn Europa nicht einheitlich auftrete, habe es "nicht mehr viel zu sagen auf der Welt", sagt Ackermann. Man müsse deshalb "alles tun, damit diese Idee Europas, diese Vision erhalten bleibt".

Ein Auseinanderbrechen der Euro-Zone würde die Wirtschaft des ganzen Kontinents womöglich über Jahrzehnte schwächen, warnt Ackermann, der heute dem Verwaltungsrat der Versicherungsgruppe Zurich vorsteht. "Wir würden finanziell viel mehr verlieren als bei jeder anderen Variante." Allein ein Austritt Griechenlands "würde uns mehrere hundert Milliarden Euro kosten". Hinzu käme die Ansteckungsgefahr für andere Länder der Euro-Zone.

Deshalb müssten die starken Länder den schwächeren weiter "Hilfe zur Selbsthilfe" leisten. Es gehe vor allem darum, die Staaten wettbewerbsfähiger zu machen. Gerade im Falle Griechenlands müsse man jedoch auch die Schuldentragfähigkeit verbessern.

"Der politische Wille zur Euro-Rettung ist stärker geworden"

Aus diesem Grund befürwortet Ackermann auch einen weiteren Schuldenschnitt für Griechenland. Die 106 Milliarden Euro, die die privaten Gläubiger dem Land zu Jahresbeginn erlassen hatten, reichten wohl nicht aus, sagte der ehemalige Top-Banker, der damals noch an den Verhandlungen beteiligt war. Im Grunde wisse jeder, dass das Verhältnis der Schulden zum Bruttosozialprodukt in Griechenland nicht tragfähig seien. "Man kann das jetzt nur weiter herauszögern."

Am Wochenende hat der SPIEGEL gemeldet, dass die Vertreter der sogenannten Troika, die die Reformfortschritte in Griechenland überwachen sollen, einen Schuldenschnitt der öffentlichen Gläubiger vorgeschlagen haben. Sollte es so kommen, würde auch Deutschland erstmals seit Beginn der Krise wirklich Geld verlieren, weil ein Teil der vergebenen Hilfskredite nicht zurückbezahlt würde. Die Bundesregierung wehrt sich deshalb mit Macht gegen ein solches Szenario.

Insgesamt sieht der ehemalige Deutsche-Bank-Chef Fortschritte bei der Lösung der Euro-Krise. Der politische Wille, die Euro-Zone zu erhalten, sei heute "stärker als das noch vor einem Jahr der Fall war", sagt Ackermann. Damals sei er als Schweizer bei Konferenzen oft der Einzige gewesen, der gesagt habe, dass die Währungsunion bestehen bleibe.

Im vergangenen Winter habe die Finanzwelt kurz vor einer ähnlichen Situation gestanden wie im Herbst 2008, als in den USA die Investmentbank Lehman Brothers zusammengebrochen war und in Deutschland die Hypo Real Estate über Nacht mit Steuergeldern gerettet werden musste. Nur die Hilfe der Europäischen Zentralbank (EZB) habe diesmal ähnlich Schlimmes verhindert.

Ackermann plädiert für eine schärfere Bankenregulierung

In der Diskussion mit SPIEGEL-Chefredakteur Georg Mascolo spricht Ackermann auch über die Fehler, die die Banken in der Vergangenheit gemacht hätten. Es habe in Teilen eine Geldkultur gegeben, die "primär der Maximierung der eigenen Vergütung" gedient habe. Der Dienst an der Realwirtschaft sei "zu kurz gekommen", sagt Ackermann. Bis 2007 sei auch er "Teil dieser Kultur" gewesen. Danach habe er diesen Kurs allerdings "schnell korrigiert".

Ackermanns Amtszeit als Deutsche-Bank-Chef war im Mai 2012 ausgelaufen. Seitdem führt das Duo Jürgen Fitschen und Anshu Jain das größte Geldhaus des Landes.

Nun rechtfertigt der Ex-Banker die frühere Geschäftspolitik und den Ausbau des umstrittenen Investmentbankings mit dem Renditedruck der Finanzmärkte und den hochgesteckten eigenen Zielen. "Wenn wir es nicht gemacht hätten, wären wir nicht die Bank geworden, die wir werden wollten", sagt er. Dahinter stecke auch seine "Liebe zu Deutschland". Er habe sich damals gesagt: "Deutschland verdient eine größere Bank."

Um zu verhindern, dass sich die alten Fehler wiederholen, ist laut Ackermann auch der Staat gefordert. "Wir brauchen einen Ordnungsrahmen, der solche Dinge in Zukunft unmöglich macht", sagt Ackermann - und plädiert damit für eine schärfere Regulierung der Branche. Doch das sind Probleme, mit denen sich nun seine Nachfolger auseinandersetzen müssen.

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1. Herr Ackermann hat...
Hupert 29.10.2012
Zitat von sysopEr will die Vision eines geeinten Europas retten - und Griechenland einen Teil der Hilfskredite erlassen. In der SPIEGEL-Gesprächsreihe "Montag an der Spitze" plädiert der ehemalige Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann für einen weiteren Schuldenschnitt - und warnt vor den Folgen eines Euro-Austritts. Josef Ackermann fordert Schuldenschnitt für Griechenland - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/josef-ackermann-fordert-schuldenschnitt-fuer-griechenland-a-864145.html)
garnichts zu "fordern"... es sind Typen wie dieser die an der ganzen Misere Schuld sind und nebenbei noch so reich dabei geworden sind das es vorsichtig gesagt unanständig ist. Soll er doch den ersten Schritt gehen und mit seinem kompletten Privatvermögen haften.
2. Fummelstaat, Finger weg
spontifex 29.10.2012
Zitat von sysopEr will die Vision eines geeinten Europas retten - und Griechenland einen Teil der Hilfskredite erlassen. In der SPIEGEL-Gesprächsreihe "Montag an der Spitze" plädiert der ehemalige Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann für einen weiteren Schuldenschnitt - und warnt vor den Folgen eines Euro-Austritts. Josef Ackermann fordert Schuldenschnitt für Griechenland - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/josef-ackermann-fordert-schuldenschnitt-fuer-griechenland-a-864145.html)
Ahja, der Seppi (http://cdn2.spiegel.de/images/image-418691-galleryV9-wphy.jpg) läßt wie üblich die Finger (http://forum.spiegel.de/f5/bonus-trotz-staatshilfe-7903-38.html#post4108693) sprechen. Wahrscheinlich hat er mit Mutti schon abgemacht, dass sie zur Belohnung wieder 'ne schnittige Party im BKA (http://forum.spiegel.de/f4/bundestagswahl-wie-bewerten-sie-das-finale-8645-11.html#post4314119) für ihn und seine Gang schmeisst. Und natürlich gibt's auch wieder 'nen Bonus von 10 Mio.
3. Na da hat es aber einer kapiert
petsy157 29.10.2012
Zitat von Hupertgarnichts zu "fordern"... es sind Typen wie dieser die an der ganzen Misere Schuld sind und nebenbei noch so reich dabei geworden sind das es vorsichtig gesagt unanständig ist. Soll er doch den ersten Schritt gehen und mit seinem kompletten Privatvermögen haften.
Seit wann ist denn die Deutsche Bank für die Schulden anderer Länder verantwortlich. Er Persönlich schon garnicht, er ist Schweizer!!!! Reich ist er durch seine Arbeit auch nicht geworten, Vermögend wäre passender und unanständig ist das durch Arbeit verdientes Geld nicht. Er hat recht mit seiner Aussage, Europa hat die Griechen aufgenommen und hat ganz gut davon profitiert. Durch die Fehler in Brüssel der Vergangenheit ist jetzt eben eine Situation entstanden, die wie in jeder normalen Firma ausgestanden werden muss und zwar von allen Teilnehmern. Rosinen picken und dann Tschüß, diese Logig versteht kein Mensch, aber scheinbar denkt der kleine Michel hier anders. Ist ja auch nicht seine Welt.
4.
Hafenschiff 29.10.2012
Zitat von sysopEr will die Vision eines geeinten Europas retten - und Griechenland einen Teil der Hilfskredite erlassen. In der SPIEGEL-Gesprächsreihe "Montag an der Spitze" plädiert der ehemalige Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann für einen weiteren Schuldenschnitt
Das ist ja witzig. Als die Privatbanken Europas und der Welt noch Hauptanteilseigner griechischer Schuldverschreibungen waren, da war es für die Banken und auch für Ackermann selbst der größte Fehler, der größte Sündenfall und der absolute GAU, wenn Griechenland einen Schuldenschnitt machen würde und somit die Zockerbanken auf einem Teil ihrer Forderungen sitzen bleiben und selbst haften. Jetzt, wo mittlerweile mit Mithilfe der durchlobbyisierten Politik fast sämtliche griechischen Schuldverschreibungen und somit auch deren Ausfallrisiken von den internationalen Privatbanken auf öffentliche Banken, die EZB und die europäischen Steuerzahler verlagert und die privaten Zockerbanken sozusagen aus ihrer Haftung entlassen wurden, ist in Herr Ackermanns Augen der große Schuldenschnitt plötzlich das erste Mittel der Wahl.
5. Titel:EUROPA?
kdshp 29.10.2012
Zitat von sysopEr will die Vision eines geeinten Europas retten - und Griechenland einen Teil der Hilfskredite erlassen. In der SPIEGEL-Gesprächsreihe "Montag an der Spitze" plädiert der ehemalige Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann für einen weiteren Schuldenschnitt - und warnt vor den Folgen eines Euro-Austritts. Josef Ackermann fordert Schuldenschnitt für Griechenland - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/josef-ackermann-fordert-schuldenschnitt-fuer-griechenland-a-864145.html)
Wenn Europa nicht einheitlich auftrete, habe es "nicht mehr viel zu sagen auf der Welt", sagt Ackermann. (aus dem artikel) Hallo, das ist DAS entscheidene DENN es wird nie EIN europa geben was dieses ganze chaos jetzt ganz deutlich zeigt. Ich meine das das ALTE europa viel stärker war denn es war flexibler und einzelen länder wie D konnten global handeln/regaieren. Dieses EUROPA blockiert uns nur und macht uns schwächer DIE anderen in der welt lachen doch über DIESES europa.
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Zur Person
  • DPA
    Josef Ackermann, Jahrgang 1948, war bis Mai 2012 zehn Jahre lang Chef der Deutschen Bank und wurde danach Verwaltungsratspräsident der Schweizer Versicherungsgruppe Zurich. In seiner Zeit bei der Deutschen Bank wurde Ackermann zu einem der wichtigsten Vertreter der deutschen Wirtschaft. Auch bei der Bewältigung der Finanzkrise in den Jahren 2007 und 2008 spielte er eine Schlüsselrolle.
Zur Person
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    Georg Mascolo, 48, arbeitete ab 1988 für SPIEGEL TV und wechselte 1992 als stellvertretender Leiter des Berliner Büros zum Nachrichten-Magazin. Danach wurde er Leiter des Deutschland-Ressorts in Hamburg, bis er 2004 als politischer Korrespondent für den SPIEGEL aus Washington berichtete. Ab Juli 2007 leitete er mit Dirk Kurbjuweit das Hauptstadtbüro in Berlin. Seit Februar 2008 ist er gemeinsam mit Mathias Müller von Blumencron Chefredakteur beim SPIEGEL.

    Seit Februar 2011 sind die Zuständigkeiten in der Doppelspitze neu verteilt: Mathias Müller von Blumencron hat die Alleinverantwortung aller digitalen Angebote unter der Marke SPIEGEL, einschließlich SPIEGEL ONLINE übernommen, Georg Mascolo die Alleinverantwortung für das Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL.


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