Jubiläum 50 Jahre Lufthansa

Ein neues Flughafen-Terminal, Limousinen-Service direkt bis zur Maschine oder Zubringer-Flüge mit Privat-Jets: Die Lufthansa baut 50 Jahre nach ihrer Wieder-Gründung besonders die Angebote für ihre zahlungskräftigsten Kunden aus. Die Anfänge des Unternehmens gehen bis 1926 zurück.


Stewardessen 1955: Unverheiratet und höchstens 35 Jahre alt
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Stewardessen 1955: Unverheiratet und höchstens 35 Jahre alt

Frankfurt/Main - Die US-Fluggesellschaft PanAm begrüßte den Konkurrenten freundlich: "Hallo Lufthansa", hieß es am 1. April 1955 in einer von der PanAm geschalteten Anzeige. "In der Reihe der Weltfluggesellschaften heißen wir das 'neue' alte Mitglied willkommen." Die Gründung der Luft Hansa - damals wurde der Name der Fluggesellschaft noch so geschrieben - geht eigentlich auf das Jahr 1926 zurück.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Unternehmen abgewickelt, später neugegründet. Heute - 50 Jahre nach Wiederaufnahme des Linienflugverkehrs - zählt die Lufthansa zu den größten Airlines der Welt.

Aus der damaligen Zeit sind das Logo und die Hausfarben Gelb und Blau übrig geblieben. Den 'Kranich' brachte die Deutsche Aero Lloyd (DAL) ein, die Farben die Junkers Luftverkehr AG. Beide Unternehmen gründeten am 6. Januar 1926 in Berlin die Deutsche Luft Hansa. Das Startkapital soll 50.000 Reichsmark betragen haben.

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Mit einem Flug von Berlin (Tempelhof) nach Zürich nahm die Luft Hansa am 6. April 1926 den Linienflugverkehr auf. Bald folgten weitere Strecken. Der Fluggesellschaft standen zunächst 162 Flugzeuge zur Verfügung. 1928 wurde der erste Steward in Dienst genommen, der den Fluggästen auf der Reise Getränke und einen Imbiss servierte. 1939 verfügte die Airline über ein Streckennetz unter anderem bis Bangkok und Santiago de Chile. Mehr als 250.000 Fluggäste wurden im Jahr 1938 transportiert.

Der Zweite Weltkrieg setzte dem ein Ende: Der Kriegsluftverkehr beschränkte sich auf wenige Länder. Die Fluggesellschaft wurde zu militärischen Transportflügen und technischen Einsätzen verpflichtet. 1945 wurde der Flugbetrieb komplett eingestellt. Der letzte Flug fand am 22. April 1945 auf der Strecke Berlin - Warnemünde statt.

1951 ernannte der damalige Verkehrsminister Christoph Seebohm den ehemaligen Verkehrsleiter der alten Lufthansa, Hans M. Bongers, zum offiziellen Berater in Fragen des künftigen Luftverkehrs. Das "Büro Bongers" in Köln bereitete die Neugründung der Fluggesellschaft vor. Am 6. Januar 1953 wurde die Aktiengesellschaft für Luftverkehrsbedarf (Luftag) ins Leben gerufen, aus der am 6. August 1954 die Deutsche Lufthansa AG wurde.

Übungskurse für Piloten

Zur Vorbereitung der Wiederaufnahme des Flugverkehrs hatten bereits im November 1953 Nachschulungen für deutsche Piloten und Flugingenieure begonnen. Die ersten Flugkapitäne der Lufthansa mussten zuerst noch als Flugschüler mit englischen und amerikanischen Fluglehrern fliegen, bevor sie den Kommandantensitz in einer Maschine der Airline einnehmen durften. Als erstes Flugzeug wurde die Convair CV 340 in Betrieb genommen; Langstreckenflüge übernahm später die Lockheed Super Constellation.

1960 begann mit dem ersten Einsatz einer Boeing 707 der Düsenflugverkehr der Lufthansa. Die letzten Propellerflugzeuge - Maschinen des Typs Vickers Viscount - wurden 1971 aus dem Flugbetrieb genommen. Als erste europäische Fluggesellschaft flog die Lufthansa ab 1970 die Langstrecken mit der Boeing 747.

Unterdessen war das Streckennetz umfassend ausgebaut worden. Sechs Wochen nach Wiederaufnahme des innerdeutschen Flugverkehrs wurde am 15. Mai 1955 die Linie nach Madrid eröffnet, einen Tag später folgte London, kurz darauf Paris. Am 8. Juni 1955 fand der erste Nordatlantikflug - Ziel New York - statt. Wenige Jahre später starteten die ersten Linienflüge in Richtung Asien und Afrika.

Heute bietet die Lufthansa wöchentlich mehr als 6200 Hin- und Rückflüge zu und von 176 Zielen in 74 Ländern an.

In den vergangenen Monaten hat das frühere Staatsunternehmen vor allem am obersten Segment gearbeitet. Besonders stolz sind die Lufthanseaten auf das neue First-Class-Terminal am Frankfurter Flughafen, das im vergangenen Dezember eröffnet wurde. Während sich Economy-Fluggäste oft in einer Reihe anstellen, die sich durch eine ganze Abflughalle zieht, werden die Erste-Klasse-Gäste in einem abgetrennten Gebäude von einem persönlichen Betreuer empfangen. Nach der Sicherheitskontrolle können es sich die Passagiere auf 1800 Quadratmeter bequem machen. "Das neue Terminal ist eher ein Luxushotel als eine Lounge", sagt Lufthansa- Sprecherin Amelie Lorenz.

Kulinarisch bietet das neue Terminal einen Vorgeschmack auf den Flug: Für die Küche ist dieselbe Firma verantwortlich, die auch VIP-Gäste bei der Formel 1 bewirtet. Der Luxus hat seinen Preis: Ein First-Class-Ticket von Frankfurt nach New York kostet 6.200 Euro, nach Tokio sogar 10.100 Euro.

Schon in den fünfziger Jahren flog in der damaligen Senator-Klasse ein Koch mit, der die Speisen frisch zubereitete. Die Markenzeichen waren Bier vom Fass, Westfälischer Schinken und Doornkaat. Inzwischen wird nicht mehr an Bord gekocht, doch die Lufthansa beauftragt alle zwei Monate einen Restaurantkoch, der Gerichte für die First Class entwirft.

Susanne Gabriel, Thomas Seythal, AP



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