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Jura kurios: Wem gehört eigentlich Geld?

Der Person, die es rechtmäßig erhalten hat

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Euro-Scheine: Die Europäische Zentralbank ist nicht Eigentümerin

Das ist richtig. Bevor Sie die juristische Erklärung lesen, noch ein Hinweis: Ein Dieb erlangt kein Eigentum an gestohlenen Geldscheinen. Erst wenn er das Geld ausgibt und der Empfänger nicht weiß, dass es sich um Diebesgut handelt, ist der gutgläubige Empfänger Eigentümer der Geldscheine.

Sie taucht in Taschen alter Kleidungsstücke auf, hinter Sofas, in selten geöffneten Schubladen und in den Seitentaschen unserer Koffer: die gute alte D-Mark. Noch mehr als zehn Milliarden Geldscheine und Münzen der Deutschen Mark sind in Umlauf. Hin und wieder gibt es Sonderaktionen in Kaufhäusern, während der man das alte Geld noch ausgeben kann. Aber gehört es uns überhaupt noch? Und was gilt eigentlich beim Euro?

2002 sind die ersten Euro-Scheine und Münzen in Umlauf gekommen. Die Europäische Zentralbank (EZB) hütet die gemeinsame europäische Währung. Ihre Hauptaufgabe ist es, die Kaufkraft des Euro und somit die Preisstabilität im Euroraum zu gewährleisten.

Die EZB stellt aber das Geld nicht selbst her, sondern beauftragt damit einzelne Unternehmen, beispielsweise die Bundesdruckerei. Die Scheine und Münzen gehören zunächst der Druckerei. Dann finden sie über die Landes- und 16 Geschäftsbanken den Weg zu uns. Damit eine Bank Scheine und Münzen erhält, muss sie im Gegenzug eine Schuldverschreibung geben.

Wenn das Geld dann über Bankschalter oder Automaten in Umlauf gebracht wird, erwirbt der Bankkunde das Eigentum an den Scheinen oder Münzen. Für Geldscheine oder Hartgeld gilt also nichts anderes als für andere Sachen auch. Anders ist das bei dem Geld auf dem Konto. Hier haben wir gar kein Eigentum an bestimmten Münzen oder Scheinen, sondern lediglich das Recht, von der Bank die Auszahlung eines bestimmten Betrages zu verlangen. Erst mit Auszahlung erwerben wir das Eigentum an den spezifischen Scheinen.

Weil uns das Geld gehört und nicht dem Staat, ist es in Deutschland auch erlaubt, Geld zu zerstören, das einem selbst gehört. Man darf auch nach Belieben auf Geldscheine schreiben oder lustige Gesichter darauf malen. Wenn dem Staat das Geld gehören würde, wäre das umfangreiche Bemalen von Geld eine Sachbeschädigung. In anderen Staaten ist das Verändern von Banknoten strafbar, etwa in den USA. Bei uns aber gilt: Ob Euro oder D-Mark - die Münzen und Scheine in der Hand des Bürgers gehören nicht dem Staat, sondern dem Bürger selbst.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 33 Beiträge
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Poisen82, 23.10.2010
Man lernt immer wieder etwas neues, ich hätte gedacht der Besitzer des Geldes besitzt das Recht am repräsentativen Wert des Geldscheins und nicht den Geldschein selbst. Ebenso dachte ich das verbrennen von Geld eine (nicht geahndete)Straftat sei.
2. ...gut-schlecht
eikfier 23.10.2010
Zitat von sysopDas ist meins! Schon Kinder erheben früh Anspruch auf Besitz. Doch bei vielen Dingen wissen selbst Erwachsene nicht, wem sie eigentlich gehören.*Das fängt schon beim Geld an, das wir alle im Portemonnaie haben.* http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,724287,00.html
...diesen Artikel halte ich für eine typische gut-schlechte journalistische Arbeit, weil wir ohne diese Arbeiten (leider?) nicht mehr gut leben könnten: "gut", weil informativ und vom Produzenten meines Vertrauens. "schlecht", weil nun wieder die bemalten Geldscheine überall auftauchen werden. Kurz nach der DM-Wende gab´s meiner Erinnerung nach schon mal so´ne kleinere Mal- und Schreibe-aktionswelle...?!
3. Journalistische Kuriosität
adesat 23.10.2010
Dieser ...Artikel?... verwirrt mich. Hat da auch alles geklappt bei der Einstellung oder ist da ein Fehler aufgetreten? War es das jetzt? Wem gehört das Geld? Nun, zumindest stellt der Spiegel da eine interessante Frage. Dass er sie nicht beantworten kann und will überrascht nicht. ..."Damit eine Bank Scheine und Münzen erhält, muss sie im Gegenzug eine Schuldverschreibung geben".... Da könnte man einsteigen und das Thema verfolgen, hin zu der Quelle der Schuld, dem Gläubiger sozusagen. Aber diese Geschichte ist ein paar Nummern zu groß für den Spiegel und auch diametral entgegen seiner BILDungsaufgaben. Es lohnt sich sich etwas Zeit zu nehmen und die Frage nach dem Besitz des Geldes dem www zu stellen. Aber Achtung: Ihr Weltbild könnte irreparablen Schaden erleiden.
4. Kurios?
cdyna 23.10.2010
Warum ist das jetzt eine juristische Kuriosität? Kurios ist doch eher, wenn "meine" Sachen gerade nicht in meinem Eigentum stehen. bsp. Personalausweis...
5. Entscheidender Hintergrund
apfelspross 23.10.2010
Viel wichtiger ist doch die Frage ? Wer kontrolliert das meiste Geld, z.B. den Dollar und über den unbegrenzten Dollar/Euroumtausch indirekt den Euro ? Die FED gehört zu ca. 50 % der FED New York, die wiederum hauptsächlich New Yorker Großbanken und damit deren Aktionären gehört. So wandert mit Hilfe des Zinses-zinssystems (In jedem Produkt steckt z.T. ein erheblicher Zinsanteil !) und durch den unbegrenzten Umtausch Euro/Yen gegen Dollar das Geld unaufhörlich von unten zu der überschaubaren Anzahl der Fed-Aktionären da oben. Geniales System ... für die da oben
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Zu den Autoren

Christian Rauda (l.) ist Fachanwalt für Gewerblichen Rechtsschutz sowie für Urheber- und Medienrecht und Partner der Medienrechtskanzlei Graef. Jochen Zenthöfer ist Prokurist eines Software- und Medienunternehmens und freier Journalist.


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