Justiz-Affäre Pricewaterhouse droht Lizenzentzug in Russland

Die Wirtschaftsprüfer von PricewaterhouseCoopers müssen sich womöglich aus Russland zurückziehen. Ein Moskauer Gericht hat dem Unternehmen grobe Verstöße vorgeworfen. PwC hatte für den zerschlagenen Ölkonzern Jukos gearbeitet, dessen ehemaliger Chef Chodorkowski in Haft sitzt.


Moskau - Russischen Zeitungsberichten zufolge droht der westlichen Wirtschaftsprüfungsgesellschaft nun ein Lizenzentzug. Das Moskauer Schiedsgericht legte PricewaterhouseCoopers (PwC) zur Last, Jukos Beihilfe zur Steuerhinterziehung geleistet zu haben, berichtet die Tageszeitung "Kommersant". Der Gerichtsbeschluss könnte das Finanzministerium in Moskau veranlassen, die am 20. Mai ablaufende PwC-Lizenz nicht zu verlängern.

Steuerhinterziehung war seinerzeit der offizielle Grund für die Verurteilung von Ex-Jukos Chef Michail Chodorkowski. Sein Unternehmen Jukos wurde mittlerweile zerschlagen, vor allem staatliche Firmen haben die Reste erhalten. Kreml-Kritiker hatten den Prozess gegen Chodorkowski als Farce bezeichnet.

Unter den Spätfolgen könnte nun auch PwC leiden. Mitte Dezember 2006 hatte die russische Steuerbehörde eine Klage gegen die russische Tochter PwC Audit eingereicht. Darin wird das Wirtschaftsprüfungsunternehmen beschuldigt, 2002 bis 2004 wissentlich falsche Berichte erstellt zu haben. Fehler seien nur Jukos-intern gemeldet worden, nicht aber in offiziellen Berichten erschienen, hieß es. PwC wies die Anschuldigungen zurück.

Die Vorgänge um PwC waren auch Gesprächsthema von US-Außenministerin Condoleezza Rice mit ihrem Kollegen Sergej Lawrow sowie den Finanzministern beider Länder. Die amerikanische Seite warnte bei einem Lizenzentzug vor einem "herben Schlag" für Russland selbst. PwC prüft in Russland Bücher von Unternehmen, die knapp 50 Prozent der Wirtschaftskraft stellten, hieß es. "Russische Firmen, die einen Börsengang planen, werden mit erheblichen Problemen konfrontiert sein", schrieb der "Kommersant".

PwC Audit prüft Bücher mehrerer großer russischer Unternehmen, darunter des Gaskonzerns Gasprom, des Mischkonzerns Alfa-Group, des Autowerks Kamaz und des Stromversorgers EES Rossii.

wal/dpa-AFX



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