Kampf um Airbus-Werke Glos droht EADS mit Entzug von Rüstungsaufträgen

Die Bundesregierung macht Druck im Airbus-Streit. Um Tausende Jobs zu retten und die Schließung von deutschen Werken zu verhindern, droht Wirtschaftsminister Glos der EADS-Konzernspitze: Sollten die Manager deutsche Standorte benachteiligen, würden dem Konzern Rüstungsaufträge entzogen.


Berlin – Der Fall Airbus ist zum Politikum geworden und der Ton so scharf wie selten, wenn es um das Gebaren von Unternehmen in Deutschland geht: "Wir bestehen darauf, dass Deutschland als Hochtechnologie-Standort von Airbus - insbesondere im Rumpfbau - bestehen bleibt", erklärte Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) jetzt der "Bild am Sonntag". Sollte das nicht der Fall sein, so müsste Deutschland seine Rüstungsaufträge beim Luft- und Raumfahrtkonzern EADS Chart zeigen überprüfen. "Den jetzt geplanten Abbau von Arbeitsplätzen und Hochtechnologie in Deutschland lassen wir uns unter keinen Umständen gefallen."

Banner beim Aktionstag von Airbus-Mitarbeitern in Hamburg (am Freitag): Merkel will sich jetzt mit EADS-Chef Gallois treffen - bevor es zu spät ist
DPA

Banner beim Aktionstag von Airbus-Mitarbeitern in Hamburg (am Freitag): Merkel will sich jetzt mit EADS-Chef Gallois treffen - bevor es zu spät ist

Nach SPIEGEL-Informationen will sich auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) aktiv in die Auseinandersetzung einmischen. Sie plant ein Treffen mit dem EADS-Co-Chef Louis Gallois, um über die Zukunft des Flugzeugbauers zu verhandeln. Dass der Fall nun Chefsache ist, wundert kaum: Die Lieferverzögerungen beim A380 haben Airbus in die tiefste Krise der Unternehmensgeschichte gestürzt, und die Deutschen fürchten, aus dieser als die großen Verlierer hervorzugehen. Der deutsche Airbus-Betriebsrat beschreibt wahre Horrorszenarien: Durch das von der EADS-Führung geplante Sanierungsprogamm "Power 8" seien über 10.000 Jobs in Gefahr, außerdem plane die Konzernspitze den Abzug sämtlicher wichtigen Schlüsseltechnologien aus Deutschland. Mehrere deutsche Standorte sollten außerdem verkauft werden.

Seit Wochen schalten sich deshalb Politiker höchster Rangstufe ungewöhnlich lautstark in die Auseinandersetzung ein. Unter intensiver Mitarbeit Berlins wurde ein Konsortium geschmiedet, das einen 7,5-prozentigen Anteil an EADS übernehmen soll, das DaimlerChrysler Chart zeigen zum Verkauf stellen will. Neben verschiedenen Banken gehören zu der Investorengruppe auch Bundesländer – so beteiligt sich etwa Hamburg zu zehn Prozent an dem Aktienpaket.

Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) forderte in der "BamS" jetzt außerdem eine Kapitalerhöhung bei Airbus, um die Krise in den Griff zu bekommen. "Es dürfen jetzt nicht aus finanzieller Not heraus Entscheidungen getroffen werden, sondern wir müssen das fehlende Geld ins Unternehmen bringen." Das gehe nur über eine Kapitalerhöhung aller Eigner.

Studie: Deutsche Werke sind produktiver

Die Airbus-Belegschaft bangt unterdessen weiter. Bei einem bundesweiten Protesttag hatten am Freitag Zehntausende ihrer Wut Luft gemacht. Erst am 20. Februar will EADS-Co-Chef Gallois die Inhalte von "Power 8" vorstellen – bis dahin können auch die Mitarbeiter über die Zukunft der deutschen Werke spekulieren. Gestern allerdings berichtet der "Focus" über eine interne Studie, die die deutsche Mannschaft etwas beruhigen dürfte: Demnach seien die deutschen Standorte - mit Ausnahme des Werks in Buxtehude - produktiver als die französischen. Die Werke in Hamburg und Bremen zählten demnach sogar zu den besten im Konzern, lediglich das britische Werk in Broughton schneide noch besser ab.

Das Bremer Werk erhielt mit seinen 3400 Beschäftigten demnach gleich in mehreren Bereichen Bestnoten: Die Disziplin der Mitarbeiter sei den Prüfern zufolge vorbildlich, ebenso die Organisation der Arbeitsbereiche. Im Vergleich müsste in Bremen am seltensten die Produktion wegen technischer Probleme gestoppt werden. Im Hamburger Werk halten die Beschäftigten dem Bericht zufolge bei der Rumpfproduktion die zeitlichen Vorgaben am genauesten ein, die Abläufe bei der Endmontage seien zudem besonders gut abgestimmt. Die Studie solle als Basis für "Power 8" dienen, hieß es weiter. Für den Bericht hätten zwei unabhängige Teams in Gallois Auftrag sämtliche 18 Standorte in Europa zehn Tage lang unter die Lupe genommen.

Die Ergebnisse stehen im scharfen Kontrast zu denen einer anderen Studie der Unternehmensberatung Stratorg, die von den französischen Gewerkschaften in Auftrag gegeben worden war und zuletzt für erheblichen Wirbel gesorgt hatte. Sie besagte, dass Airbus France schon erheblich mehr zur Produktivitätssteigerung beigetragen habe als Airbus Deutschland. In Frankreich seien schon 55 Prozent der Entwicklung und 45 Prozent der Fertigung ausgegliedert, davon drei Viertel an Firmen im Ausland. In Deutschland werde dagegen auch Zulieferarbeit im Lande gehalten. Anders als die Deutschen hätten die Franzosen zudem wegen "Power 8" schon mit dem Abbau von zehn Prozent der Verwaltungsstellen begonnen.

ase/dpa/ddp



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