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Kampfansage: BHF verklagt Hypo Real Estate auf Schadensersatz

Die Geschäftspolitik der Hypo Real Estate versetzt nicht nur Privatanleger in Rage. Auch Banken fühlen sich von dem angeschlagenen Hypothekenfinanzierer hinters Licht geführt. Jetzt ziehen zwei Kreditinstitute vor Gericht - ein Novum in der jüngsten Geschichte.

München - Sie fühlen sich bewusst falsch informiert: Die Tochtergesellschaft FSK der BHF-Bank sowie die österreichische Fondsgesellschaft 3Banken Generali Investment wollen den Münchner Hypothekenfinanzierer Hypo Real Estate (HRE) verklagen. Die Finanzinstitute begründen ihren Schadensersatzanspruch damit, dass die ehemalige HRE-Führung im vergangenen Jahr die schlechte Geschäftslage wiederholt verschleiert habe. Das berichtet die "Süddeutsche Zeitung" (SZ).

Hypo-Real-Estate-Filiale in Berlin: Womöglich geltendes Recht verletzt
REUTERS

Hypo-Real-Estate-Filiale in Berlin: Womöglich geltendes Recht verletzt

Das Landgericht München I bestätigte den Bericht. Über die Höhe der geforderten Entschädigungen sei nichts bekannt, ebenso wenig, ob es sich um Sammelklagen handele. Beide Institute wollten die Angelegenheit nicht kommentieren. Bislang sieht sich die HRE in erster Linie Klagen von Privatanlegern gegenüber.

Der Schritt der BHF-Tochter und der Fondsgesellschaft wäre ein Novum in der jüngsten Geschichte. Normalerweise suchen Banken in Streitfällen eher eine Einigung abseits der Öffentlichkeit und nicht in einem aufsehenerregenden Verfahren vor Gericht. Die Finanzkrise habe nun die Klagebereitschaft von Großinvestoren erhöht, zitiert die "SZ" einen Brancheninsider. Nicht ausgeschlossen sei, dass weitere Institute nun folgen.

Ein von dem Blatt befragter Banker verweist allerdings auf die Kehrseite der Medaille: "Die wollen in der Öffentlichkeit nicht als jemand dastehen, der die falsche Aktie gekauft hat, obwohl bei der HRE womöglich geltendes Recht verletzt wurde."

Die HRE war im vergangenen Herbst in Zahlungsschwierigkeiten geraten, nachdem es ihrer irische Tochtergesellschaft nicht gelungen war, Anschlussfinanzierungen für langfristige Immobilienkredite zu bekommen. Die Bundesregierung musste schließlich mit mehr als hundert Milliarden Euro einspringen, um eine Insolvenz des Immobilienfinanzierers zu verhindern.

Da die HRE als systemrelevant gilt, wird seit Wochen über eine Rettung durch Staatsbeteiligung diskutiert. Die Bank soll nun noch einmal frisches Kapital erhalten, in Finanzkreisen heißt es, sie benötige bis zu zehn Milliarden Euro.

Die BHF betreut über ihre Tochtergesellschaft Frankfurter Service Kapitalanlage (FSK) sogenannte Spezialfonds für institutionelle Investoren wie Pensionskassen und Versicherer sowie Produkte der hauseigenen Fondsgruppe Frankfurt Trust.

Der Preis für das HRE-Aktie ist seit letztem Jahr von 24 Euro auf 80 Cent gefallen. Erst vor kurzem hat die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz angekündigt, rechtliche Schritte gegen die Ex-Manager der HRE einzuleiten. Voraussetzung sei aber, dass die Untersuchung der Staatsanwaltschaft den Verdacht der Marktmanipulation erhärte.

mik

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