Kapitalbedarf Porsche-Eigentümer suchen Großinvestor

Porsche hat offenbar größere Finanzierungsprobleme als bislang bekannt. Nach Informationen des manager magazin können die Eigentümerfamilien die Übernahme des VW-Konzerns wohl nicht mehr aus eigener Kraft stemmen. Geplant ist nun eine Kapitalerhöhung - und die Suche nach einem Großinvestor.


Hamburg - Der Autobauer Porsche Chart zeigen braucht offenbar frisches Kapital. Nach Informationen des manager magazin können die Eigentümerfamilien Piëch und Porsche die Übernahme des Wolfsburger VW-Konzerns wohl nicht mehr aus eigener Kraft schaffen. Deshalb planen sie eine Kapitalerhöhung und suchen nach einem Großinvestor. Damit wären die Finanzierungsprobleme des Stuttgarter Sportwagenherstellers größer als bisher bekannt.

Porsche-Werk in Leipzig: Der Aktienkurs gab nach der Meldung nach
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Porsche-Werk in Leipzig: Der Aktienkurs gab nach der Meldung nach

Das manager magazin beruft sich auf Quellen aus dem Porsche-Aufsichtsrat. Ein Porsche-Sprecher wollte sich zum Einstieg eines Investors nicht äußern und verwies auf die Eigentümerfamilien. "Eine Kapitalerhöhung ist theoretisch möglich. Es gibt dafür aber keine Beschlüsse", fügte er hinzu. "Porsche braucht frisches Kapital. Wir verhandeln derzeit mit Banken über 2,5 Milliarden Euro. Die Gespräche dauern an", sagte der Sprecher weiter. Die Börse reagierte mit einem Kursrutsch, nach Bekanntgabe der Nachricht fiel die Porsche-Aktie zunächst mehr als zwei Prozent ins Minus.

Laut manager magazin hat es bereits Gespräche mit potentiellen Investoren aus dem arabischen Raum gegeben. Die Suche nach frischem Kapital sei notwendig geworden, weil die Porsche-Kreditgeber die Zinsen stark angehoben hätten. Der Versuch von Porsche, deshalb einen Gewinnabführungsvertrag bei Volkswagen durchzusetzen, sei unter anderem am Widerstand von Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff gescheitert.

Clanchef Ferdinand Piëch sagte demnach auf der letzten Aufsichtsratssitzung der Porsche Automobil Holding SE am 15. April, der Vertrag lasse sich gegenwärtig in Wolfsburg nicht verkaufen.

Mit einem Gewinnabführungsvertrag hätte Porsche den Zugriff auf den VW-Cash-Flow gehabt. Niedersachen hält eine Sperrminorität von 20 Prozent an Volkswagen - und nutzt sie offenbar, um die Pläne der Porsche-Eigentümerfamilien zu durchkreuzen.

Nun wird innerhalb der Porsche-Führung diskutiert, Porsche und VW zu einer neuen Holding zu verschmelzen. Die Folge wäre wohl, dass Porsche nicht mehr die Mehrheit an dem gemeinsamen Unternehmen hätte. Porsche und VW arbeiteten mit Hochdruck an der neuen Unternehmensstruktur, berichtet das manager magazin. Der Porsche-Sprecher sagte dazu: "Es gibt mehrere Möglichkeiten, die wir aber nicht kommentieren."

Die Position von Porsche-Finanzvorstand Holger Härter, Architekt der Übernahme, gilt unterdessen als stark geschwächt. Er könnte vor der Ablösung stehen, schreibt das Wirtschaftsblatt und zitiert einen Wegbegleiter Härters: "Die Familien sind von ihm enttäuscht." Porsche wollte dies nicht kommentieren.

Ein Mitglied des Porsche-Aufsichtsrats hatte zuvor dem SPIEGEL gesagt: "Die Lage ist ernst. Richtig ernst." Schuld sind die Kredite, die Porsche für die VW-Übernehme aufnehmen musste. Aktuell beläuft sich die Verschuldung auf neun Milliarden Euro.

Allein in den ersten sechs Monaten des laufenden Geschäftsjahres stieg die Verschuldung um sechs Milliarden Euro, weil Porsche seinen VW-Anteil auf 50,8 Prozent erhöhte. Nach SPIEGEL-Informationen dürften allein die Kreditzinsen bei rund 600 Millionen Euro im Jahr liegen.

Am Mittwochmorgen hatte das "Handelsblatt" gemeldet, dass Porsche und die VW-Tochter Audi enger zusammenarbeiten könnten. Der Sportwagenbauer profitiert demnach von Zugeständnissen des VW-Betriebsrats. Die Stuttgarter sollen künftig leichter Elektronikkomponenten und Motoren von Volkswagens Audi beziehen können, berichtet die Zeitung unter Berufung auf Aufsichtsratskreise.

wal

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