Kapitalismus-Debatte Manager räumen Fehler im System ein

In der von Franz Müntefering angestoßenen Kapitalismus-Debatte bemühen sich die kritisierten Spitzenmanager um eine neue Sachlichkeit. In der Schärfe weisen sie die Angriffe des SPD-Chefs zwar zurück, sie räumen aber auch Verwerfungen im System ein.


TUI-Chef Frenzel: Kapital-Spekulation nimmt überhand
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TUI-Chef Frenzel: Kapital-Spekulation nimmt überhand

Berlin - Es gebe tatsächlich im gegenwärtigen System einige Verwerfungen, sagte TUI-Chef Michael Frenzel in einer Umfrage des "Handelsblatts". "Etwa, dass die Kapital-Spekulation überhand nimmt. Dass sich Börsenbewegungen abkoppeln von der physischen Unternehmensentwicklung", sagte Frenzel. Er mahnte aber zugleich: "Aus der sehr pauschalen Unternehmenskritik wird eine nicht gerechtfertigte pauschale Systemkritik." Ähnlich äußerte sich MAN-Chef Hakan Samuelsson.

BASF-Chef Jürgen Hambrecht rief Müntefering dazu auf, auf eine sachliche Ebene zurückzukehren. "Es geht nicht darum, wer demnächst die Wahl gewinnt. Es geht um die Antwort auf die schlichte Frage: Wie wollen wir in Deutschland leben?"

Auslöser der Kapitalismus-Debatte war die von Müntefering vorgebrachte Kritik am Verhalten deutscher Firmen und internationaler Finanzinvestoren, die keine Rücksicht auf Arbeitnehmer und den Standort nähmen. Der SPD-Vorsitzende hatte unter anderem Private-Equity-Firmen und Hedgefonds mit Heuschreckenschwärmen verglichen, die alles leer fräßen und danach weiterzögen. Müntefering räumte mittlerweile ein, dass dieser Vergleich sehr deutlich und drastisch gewesen ist. Aber es sei gut, dass die Debatte so intensiv geführt werde.



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