Kapitalkrise: Ideenschwund im Silicon Valley

Von , San Francisco

Unternehmen vertagen die Tech-Revolution, Risikoinvestoren werden konservativ: Die Rezession fördert innovationsfeindliche Strukturen im Silicon Valley. Experten fürchten nun eine anhaltende Ideenkrise - und einen globalen Bedeutungsverlust des Kreativ-Königreichs.

San Francisco - Vor gut einem Jahr war das Solartech-Start-up Ausra bereit für den großen Durchbruch. Hunderte Millionen Dollar Investorengeld wollte das Unternehmen sammeln, einen Park an Solarkraftwerken bauen - und an die Börse gehen.

Dann kam die Rezession und Ausras Visionen zerplatzten. Der Börsengang ist vom Tisch. Das Start-up-Unternehmen verkauft derzeit Einzelteile an Kraftwerke, anstatt selbst welche zu bauen - und gut ein Zehntel der 108 Angestellten wurden gefeuert.

Luftaufnahme des Silicon Valley: Rares Risikokapital
Corbis

Luftaufnahme des Silicon Valley: Rares Risikokapital

Geschichten wie diese gibt es derzeit reichlich im Silicon Valley. Die Weltwirtschaftskrise hat Amerikas Kreativ-Königreich hart getroffen. Die Absätze innovativer Produkte gehen zurück, Börsengänge rücken in weite Ferne - und das Kapital für kühne Geschäftsideen ist rar. Tatsächlich hat die wohl schlimmste Wirtschaftskrise seit 1929 im Silicon Valley schon jetzt einen deutlichen Strukturwandel bewirkt.

Das Engagement sogenannter Venture Capitalists (siehe Infobox) beschränkt sich zurzeit vor allem auf Start-ups, die möglichst wenig Geld verbrennen und möglichst schnell schwarze Zahlen schreiben. Ambitionierte, langfristig angelegte Geschäftsideen bekommen dieser Tage kaum noch Kapital - dabei haben vor allem solche Projekte das Potential, neue Märkte entstehen zu lassen.

"Im Silicon Valley schrumpfen die Visionen", moniert Judy Estrin, selbst Gründerin von sieben Start-ups und Verfasserin eines Buchs über die Mutlosigkeit der Investoren in Amerikas Ideenschmiede.* "Gefördert wird oft nur noch die Verbesserung bestehender Technologien. Das Risiko, bedeutende neue Projekte zu finanzieren, gehen immer weniger Investoren ein." Dieser Mentalitätswandel habe sich schon länger abgezeichnet - und mit dem Ausbruch der Weltwirtschaftskrise im Herbst 2008 noch verschärft.

Steve Hamm, Silicon-Valley-Reporter der "Business Week", hält es sogar für möglich, dass der aktuelle Mentalitätswandel Amerikas Kreativzentrum nachhaltig beschädigt. "Sollten Unternehmer und Venture Capitalists nicht bald wieder ambitionierte Projekte in Angriff nehmen, wird die Bedeutung des Silicon Valleys und der Tech-Industrie schrumpfen", schreibt er.

Mark Cannice, Wirtschaftsprofessor an der Universität San Francisco, hält dieses Szenario für übertrieben. Zwar bringt er regelmäßig einen Index heraus, der die Zuversicht der Risikokapitalgeber im Silicon Valley misst. Das Barometer ist seit Anfang 2009 bereits zum fünften Mal in Folge auf einen neuen Tiefstwert gestürzt. An einen Bedeutungsschwund will Cannice dennoch nicht glauben.

"Das Silicon Valley ist einer der größten Akkumulatoren von Risikokapital", sagt er. Gründer fänden hier spezielle Universitätskurse, günstige Bankkredite und Kapitalgeber mit genug Branchenexpertise, um die aktuelle Krise zu meistern. "Ein solches Ökosystem zieht Kreative aus aller Welt an. Es wird seine Innovativkraft nicht verlieren."

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Forum - Kreativ-Krise im Silicon Valley?
insgesamt 6 Beiträge
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1. Blödsinn!
Well-educated Gigolo, 25.03.2009
Zitat von sysopStartups verschieben revolutionäre Projekte, Kapitalgeber investieren konservativ. Stürzt die Finanzkrise das Silicon Valley in die Kreativ-Krise?
Mit Verlaub, das ist Blödsinn. Was haben die Hanseln aus dem Valley denn bisher revolutionäres erfunden? Auf Location-Based-Services und Web 2.0 Gefrickel können 80% der Weltbevölkerung verzichten. Und auf die dazugehörigen Turbo-Rendite-geilen Investoren ebenfalls. Abgesehen davon, daß ein Avatar (Männchen auf dem Bildshirm z.B. bei Word of Warcraft, Second Life) mehr Strom verbraucht als ein Brasilianer (http://www.theinquirer.de/2006/12/06/brauchen_die_secondlifeavatare.html, http://www.welt.de/webwelt/article1203605/Das_Internet_ist_der_wahre_Klimakiller.html), sollten zukunftssichernde Erfndungen gefördert werden, wie effiziente Meerwasserentsalzung, alternative billige Stromerzeugung und Lösungen für autarke Lebensmittelherstellung. Dagegen ist der Valley-Schrott Mumpitz! Scrollt man heute hier in SPON man weiter runter, findet man die Antworten, wie echte Erfindungen gemacht werden: http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,614828,00.html
2. genau Well-educated Gigolo
qwertyu 25.03.2009
Wer braucht schon Dinge wie den den Mikroprozessor (Intel 4004) oder den PC (Apple I) - auch den ganzen neuen Schnickschnack von Firmen wie HP, Netscape, Sun , Silicon Graphics oder Google verwendent kaum jemand.
3. so sieht's aus.
Well-educated Gigolo, 25.03.2009
Brauchen ist relativ, hehe... "Auf über eine Milliarde schätzt das Beratungsunternehmen Gartner die Zahl der installierten Personalcomputer auf der Welt. Über die Hälfte (58 Prozent) davon laufen in den Industrieländern, also Nordamerika, Westeuropa und Japan, die etwa 15 Prozent der Weltbevölkerung stellen" http://www.heise.de/newsticker/Analysten-Weltweit-mehr-als-eine-Milliarde-PCs--/meldung/109847 15 Prozent sind gerade an der Grenze des vernachlässigbaren! Im Globalen Massstab. Mal Scherz beiseite, ob man etwas nutzt ober ob es nützlich ist, ist ein Unterschied. XBOX-Spielen wird jedenfalls den Hunger und Durst nicht bekämpfen. In den Jahren, wo das Wetter Kapriolen schlägt und weltweit Ernten vernichtet, Dürren produziert, werden wir aus den selbstsüchstigen Industrieländern froh sein, wenn wir Lösungen parat hätten (wie o.g), die jedem an fast jedem Ort der Erde ein vernünftiges Überleben sichern. Auch aus Selbstsucht, weil sonst die Einwanderungswellen zu massiven Problemen führen werden. Nichts gegen technische Entwicklung - aber der Fokus muss mal wieder neu ausgerichtet werden. P.S.: Der Link oben war falsch: GEmeint war dieser hier: http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,612600,00.html
4. Nö, wie üblich in eine Kreativ-Erneuerung
Peter Kunze 25.03.2009
Zitat von sysopStartups verschieben revolutionäre Projekte, Kapitalgeber investieren konservativ. Stürzt die Finanzkrise das Silicon Valley in die Kreativ-Krise?
Tach, Das Valley wurde schon öfters totgesagt jedoch sollte man dabei bedenken, dass es seit der HP-Garage 1934 alle Finanz- und Wirtschaftskrisen überstanden hat. Meine Erfahrung nach 5 Jahren in Santa Clara sagen mir, dass es nicht zentral um den Spitzenplatz in der aktuellen Hype-Industrie geht (z.B. Web 2.0) geht. Viel wichtiger ist schlicht und einfach die Tatsache, dass faktisch jeder Hersteller von MINT-Technologie auf diesem Planeten im Valley den Hauptsitz, die Forschungsabteilung oder zumindest die US-Handelsniederlassung betreibt. Dies bewirkt eine kreative Vernetzung für den Ingenieur, welcher im Radius von 30 Meilen unbürokratisch Antworten zu praktisch jeder Frage um irgendein technisches Produkt findet. Dieser Umstand macht das Valley zum eigentlichen Forschungsparadies und wird es auch für Zukunftstechnologien so beibehalten. Bye Peter
5.
MarkH, 25.03.2009
Zitat von sysopStartups verschieben revolutionäre Projekte, Kapitalgeber investieren konservativ. Stürzt die Finanzkrise das Silicon Valley in die Kreativ-Krise?
Pfff...also das ist schon reichlich krank Irgendeinen Sinn muss das Ganze eben haben. Irgendwann wird sich herausstellen,dass die US-Thinktanks ursprünglich mal nicht so falsch waren, den Infohype unter die Kontrolle von Zivilingenieuren zu stellen. Media und Gameboy defintiv ist krank
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