Kapitalkrise: Ideenschwund im Silicon Valley
Unternehmen vertagen die Tech-Revolution, Risikoinvestoren werden konservativ: Die Rezession fördert innovationsfeindliche Strukturen im Silicon Valley. Experten fürchten nun eine anhaltende Ideenkrise - und einen globalen Bedeutungsverlust des Kreativ-Königreichs.
San Francisco - Vor gut einem Jahr war das Solartech-Start-up Ausra bereit für den großen Durchbruch. Hunderte Millionen Dollar Investorengeld wollte das Unternehmen sammeln, einen Park an Solarkraftwerken bauen - und an die Börse gehen.
Dann kam die Rezession und Ausras Visionen zerplatzten. Der Börsengang ist vom Tisch. Das Start-up-Unternehmen verkauft derzeit Einzelteile an Kraftwerke, anstatt selbst welche zu bauen - und gut ein Zehntel der 108 Angestellten wurden gefeuert.
Luftaufnahme des Silicon Valley: Rares Risikokapital
Das Engagement sogenannter Venture Capitalists (siehe Infobox) beschränkt sich zurzeit vor allem auf Start-ups, die möglichst wenig Geld verbrennen und möglichst schnell schwarze Zahlen schreiben. Ambitionierte, langfristig angelegte Geschäftsideen bekommen dieser Tage kaum noch Kapital - dabei haben vor allem solche Projekte das Potential, neue Märkte entstehen zu lassen.
"Im Silicon Valley schrumpfen die Visionen", moniert Judy Estrin, selbst Gründerin von sieben Start-ups und Verfasserin eines Buchs über die Mutlosigkeit der Investoren in Amerikas Ideenschmiede.* "Gefördert wird oft nur noch die Verbesserung bestehender Technologien. Das Risiko, bedeutende neue Projekte zu finanzieren, gehen immer weniger Investoren ein." Dieser Mentalitätswandel habe sich schon länger abgezeichnet - und mit dem Ausbruch der Weltwirtschaftskrise im Herbst 2008 noch verschärft.
Steve Hamm, Silicon-Valley-Reporter der "Business Week", hält es sogar für möglich, dass der aktuelle Mentalitätswandel Amerikas Kreativzentrum nachhaltig beschädigt. "Sollten Unternehmer und Venture Capitalists nicht bald wieder ambitionierte Projekte in Angriff nehmen, wird die Bedeutung des Silicon Valleys und der Tech-Industrie schrumpfen", schreibt er.
Mark Cannice, Wirtschaftsprofessor an der Universität San Francisco, hält dieses Szenario für übertrieben. Zwar bringt er regelmäßig einen Index heraus, der die Zuversicht der Risikokapitalgeber im Silicon Valley misst. Das Barometer ist seit Anfang 2009 bereits zum fünften Mal in Folge auf einen neuen Tiefstwert gestürzt. An einen Bedeutungsschwund will Cannice dennoch nicht glauben.
"Das Silicon Valley ist einer der größten Akkumulatoren von Risikokapital", sagt er. Gründer fänden hier spezielle Universitätskurse, günstige Bankkredite und Kapitalgeber mit genug Branchenexpertise, um die aktuelle Krise zu meistern. "Ein solches Ökosystem zieht Kreative aus aller Welt an. Es wird seine Innovativkraft nicht verlieren."
- 1. Teil: Ideenschwund im Silicon Valley
- 2. Teil: Ausgetrocknete Kapitalmärkte begünstigen konservative Anlegestrategien
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- Mittwoch, 25.03.2009 – 15:48 Uhr
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