Kapitalspritze: Arcandor einigt sich mit Banken

Erleichterung bei Arcandor: Der Handelsriese hat sich mit mehreren Banken auf die Verlängerung seiner Kredite verständigt - die Börse reagierte erleichtert.

Essen - Arcandor hat sich die Refinanzierung seiner Kredite gesichert. Man habe sich mit der BayernLB, der Dresdner Bank und der Royal Bank of Scotland (RBS) auf ein entsprechendes Konzept verständigt, teilte der Handels- und Touristikkonzern mit, zu dem auch die Warenhauskette Karstadt gehört.

Arcandor-Zentrale in Essen: Einigung mit den Banken erzielt
DDP

Arcandor-Zentrale in Essen: Einigung mit den Banken erzielt

An der Börse wurde die Einigung mit großer Erleichterung aufgenommen. Der Kurs der Arcandor-Aktien schoss im frühen Handel um fast 19 Prozent in die Höhe, gab später aber einen Teil der Gewinne wieder ab. Das Papier war zuletzt wegen der offenen Finanzierung eingebrochen.

Zu Details der Einigung wollte Arcandor keine Auskunft geben. Auf die Frage, ob Thomas-Cook-Aktien an Banken verpfändet worden seien, sagte ein Sprecher nur: "Thomas Cook ist nach wie vor Teil des Konzerns und wird es auch bleiben. Wir verkaufen Thomas Cook nicht." Der Konzern hatte zuletzt Nettoverbindlichkeiten in Höhe von 1,5 Milliarden Euro ausgewiesen. Bei den Verhandlungen mit den Banken ging es dem Vernehmen nach um einen kleineren dreistelligen Millionenbetrag.

Ursprünglich hatte Arcandor die Verhandlungen mit den Banken bereits in der vergangenen Woche abschließen wollen. Doch die Folgen der Finanzmarktkrise hatten die Gespräche erschwert. Finanzkreisen zufolge hing die Einigung zuletzt vor allem an der Zustimmung der RBS. Die britische Bank soll sich Presseberichten zufolge quer gestellt und weitreichende Sicherheiten von Arcandor verlangt haben, etwa den Verkauf eines Teils der lukrativen Beteiligung am Reisekonzern Thomas Cook.

Zugleich wurde die vorübergehende Deckelung der Ausfallgarantien für Warenlieferungen an die beiden Arcandor-Töchter Karstadt und Quelle aufgehoben. "Die Kreditversicherer sind mit uns wieder im Boot und das Weihnachtsgeschäft kann ganz normal weitergehen", sagte der Konzernsprecher. Vor Abschluss der Verhandlungen mit Unternehmen wie Euler Hermes gab es sogar Gerüchte, wonach bei Karstadt die Regale zum Weihnachtsgeschäft nicht gefüllt werden könnten.

Ein Ergebnis der Gespräche sind nun Zusagen der Warenkreditversicherer. Sie haben sich nach Angaben des Sprechers dazu verpflichtet, die benötigten Kreditlinien zur Verfügung zu stellen. "Die Deckelungen werden aufgehoben", hieß es. Damit sicherten die Versicherer nicht mehr nur die laufenden Lieferungen, sondern auch wieder neue Volumina.

Neben Euler Hermes haben sich Arcandor zufolge auch die Warenkreditversicherer Atradius, Coface und Zurich bereit erklärt, die notwendigen Kreditlinien zur Verfügung zu stellen. Die Aussichten auf die Jahresschlussperiode sind allerdings nicht rosig: Hohe Energiekosten, teurere Lebensmittel und die abgeschwächte wirtschaftliche Lage trüben die Kauflaune der Verbraucher.

ssu/AFP/AP/dpa/ddp/Reuters

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