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Karstadt-Mutterkonzern: Arcandor stellt Insolvenzantrag

Arcandor gibt auf: Der Handelskonzern hat Antrag auf Insolvenz gestellt. Betroffen sind die Tochterfirmen Karstadt, Quelle, Primondo, aber nicht Thomas Cook. Schon kurz zuvor hatte SPIEGEL ONLINE berichtet, dass das Management seinen Antrag auf staatliche Notkredite nicht nachbessern will.

Essen/Berlin - Die Finanzkrise hat erstmals einen deutschen Großkonzern in die Insolvenz getrieben. "Die Arcandor AG Chart zeigen hat heute beim Amtsgericht Essen den Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens wegen drohender Zahlungsunfähigkeit eingereicht", teilte der Konzern am Dienstag mit.

Arcandor-Zentrale in Essen: Aktie zeitweilig vom Handel ausgesetzt Zur Großansicht
dpa

Arcandor-Zentrale in Essen: Aktie zeitweilig vom Handel ausgesetzt

Betroffen von der Insolvenz seien die Kaufhaustochter Karstadt, die Versandhandelstochter Primondo und der Katalogversender Quelle. Für alle drei sei Gläubigerschutz beantragt worden. Nicht betroffen von der Insolvenz seien die in Großbritannien ansässige Touristiktochter Thomas Cook, die Spezialversender der Primondo-Gruppe sowie der Homeshopping-Sender HSE24.

Weder für die Kunden noch für die Belegschaft habe die Insolvenz unmittelbare Folgen, hieß es. Garantien, Anzahlungen oder Rückgaberechte würden nicht angetastet. Gehaltszahlungen seien bis August gesichert. Der Geschäftsbetrieb solle vorerst in vollem Umfang aufrecht erhalten werden.

Betroffen von den Insolvenzanträgen seien insgesamt 43.000 Beschäftigte. Der Kampf um Standorte und Arbeitsplätze würde unvermindert fortgeführt. Die Großaktionäre würden sich zu Arcandor bekennen.

Der Antrag auf Gläubigerschutz war am Mittag beschlossen worden. Arcandor-Chef Karl-Gerhard Eick hatte dem Kanzleramt mitgeteilt, man wolle den Antrag für einen staatlichen Notkredit nicht nachbessern. Er werde die Frist für eine Nachbesserung des eigenen Rettungskonzepts verstreichen lassen. SPIEGEL ONLINE erfuhr dies aus Regierungskreisen und meldete den Vorgang um 12.03 Uhr. Die Arcandor-Aktie geriet danach stark unter Druck. Der Kurs rutschte zeitweilig um 30 Prozent ab, später wurde der Handel des Papiers ausgesetzt.

Gespräche zwischen Metro und Arcandor werden fortgeführt

Ungeachtet der Insolvenz gehen die Verhandlungen zwischen der Metro Chart zeigen und Arcandor um eine Übernahme des Karstadt-Warenhausgeschäfts weiter. Die Metro teilte am frühen Nachmittag mit, man habe "großes Interesse, schnell mit Karstadt zu einer Lösung zu kommen". Man wolle etwa 60 der 90 Karstadt-Standorte erhalten.

Bundeskanzlerin Angela Merkel bezeichnete den Insolvenzantrag als Chance für die Mitarbeiter. Das Unternehmen könne nun den Beschäftigten etwa im Zusammengehen mit Metro neue Möglichkeiten eröffnen, sagte die CDU-Chefin. Die Politik werde dies, soweit sie es könne, begleiten. Der Antrag auf Insolvenz sei unumgänglich gewesen, da der in Aussicht gestellte Beitrag der Eigentümer für eine staatliche Rettungsbeihilfe nicht ausreichend gewesen sei.

Die Bundesregierung hatte den ersten Antrag des Handelskonzerns auf eine Rettungsbürgschaft von 437 Millionen Euro am Montagabend abgelehnt. Am Montagvormittag hatte sie bereits eine Staatsbürgschaft über 650 Millionen Euro aus dem Deutschlandfonds verweigert.

Daraufhin setzten die Politiker Arcandor eine letzte Frist: Bis Mittwoch müsse der Konzern seine Großaktionäre - die Milliardärin Madeleine Schickedanz und die Privatbank Sal. Oppenheim - davon überzeugen, zur Rettung des Konzerns mehr beizutragen. Die Eigner hatten eine Kapitalerhöhung von 150 Millionen Euro zum Ende des Jahres in Aussicht gestellt, die sie aber nur zum Teil selbst tragen wollten. Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) hatte immer wieder bekräftigt, dieser Betrag müsse "als tatsächliches Eigenkapital kommen und eben nicht über den Umweg einer Kapitalerhöhung".

Konkretere Forderungen stellte die Regierung bei den Verhandlungen am Montag aber nicht. Eine Summe, um wie viel die Eigentümer ihr Angebot aufstocken sollten, sei nicht genannt worden, sagte ein Insider SPIEGEL ONLINE.

Arcandor hatte dennoch am Montag bis spät in die Nacht intensiv mit den Eigentümern verhandelt, den Anteilseignern aber offenbar keine ausreichenden Zugeständnisse abtrotzen können.

Nach SPIEGEL-ONLINE-Informationen scheiterten die Verhandlungen nicht nur an den Gläubigern: Wie aus Unternehmenskreisen verlautet, genügte der Bundesregierung auch das Angebot der Gläubigerbanken nicht, auslaufende Kreditlinien um sechs Monate zu verlängern. Ein solches Vorgehen hätte systemische Probleme lediglich in die Zukunft verschoben, hieß es.

Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Eick

Da half es auch nicht, dass die Vermieter der Karstadt-Warenhäuser in den Gesprächen zur Rettung Mieterleichterungen über 100 Millionen Euro angeboten haben sollen. Diese zuletzt ins Gespräch gebrachten Entlastungen wären über einen Zeitraum von zwei Jahren möglich gewesen, sagten zwei Personen aus dem Umfeld der Immobilieneigentümer der Nachrichtenagentur Reuters.

Am Dienstagmittag stand dann fest: Eine Rettung für Arcandor ist nicht in Sicht - das Unternehmen musste Insolvenz anmelden.

Für Arcandor-Chef Eick könnte das lange Hickhack allerdings noch folgen haben. Wie eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Essen am Dienstag mitteilte, ist bereits in der vergangenen Woche die Anzeige eines Privatmannes eingegangen, der dem Arcandor-Chef Insolvenzverschleppung vorwirft. Zur Begründung der Anzeige seien der Behörde Presseberichte zugesandt worden, hieß es. Die Staatsanwaltschaft habe aufgrund der Anzeige die Ermittlungen aufgenommen.

Am Montag war bereits bekannt geworden, dass die Behörde Ermittlungen gegen den früheren Arcandor-Chef Thomas Middelhoff wegen des Verdachts der Untreue prüft. Middelhoff soll Anteile an Immobilienfonds halten, die von den ungewöhnlich hohen Mieten profitieren, die Karstadt für seine Filialen zahlt. Middelhoff weist die Vorwürfe zurück.

sev/mik/ssu/AP/dpa/Reuters

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Forum - Arcandor - ist Insolvenz die beste Lösung?
insgesamt 718 Beiträge
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1. Spiegel-Online hat DIE Macht
yupii 09.06.2009
Das sich Spiegel-online damit brüstet, dass sie, durch das Vermelden der Entscheidung des Vorstands, den Antrag auf einen staatlichen Notkredit nicht zu verbessern, den Kurs um 30 % fallen sinken lassen haben finde ich überheblich und beängstigend. Wer sich so mit seiner vermeintlichen macht rühmt und auch noch so leichtfertig damit umgeht, der kann einen ja nur Angst machen. Sich mit Dingen zurühmen , die nichts Gutes sind ist man eigentlich eher von der Bild-Zeitung gewohnt
2. Faire Lösung
bringtheheat, 09.06.2009
Die Insolvenz ist wohl die fairste Lösung für alle. All die Absolventen von Studium und Ausbildung bekommen momentan keine Chance zu zeigen was sie können. Arcandor hatte seine Chance, hat sie aber nicht genutzt. Nun sind andere an der Reihe. Neben den offensichtlichen Fehlern des Big-Business-Middelhoff, die Immobilien zu verkaufen tragen aber auch die Verkäufer in den Häusern eine gehörige Mitschuld. Ich kann zwar nicht beurteilen inwiefern der Verkauf der Immobilien damals alternativlos war, aber ich kann beurteilen, das ein Unternehmen ohne Werte immer am Abgrund steht, da man speziell bei den regelmäßigen Kreditverhandlungen im Handel nichts einbringen kann und keine Sicherheiten vorlegen kann. Man geht dort einkaufen, wo man sich wohl fühlt. Auf den Cent achtet man bei der Größenordnung nicht. Bei dumm und dreist in Gruppen rumstehenden Verkäuferinnen fühlt man sich nunmal nicht wohl. In kleineren Filialen trampeln einem die Verkäuferinnen überspitzt formuliert direkt auf die Füße sobald man den Laden betritt. Die schleppende Sanierung der Häuser tut ein übriges. In meiner Stadt (330tsd Einw.) fühlt man sich bei Karstadt eher wie auf nem türkischem Basar. Interessanterweise hat Arcandor durch den Verkauf der Immobilien Vertrauen bei den Kreditgebern verloren. Der Götze einer möglichst hohen Eigenkapitalrentabilität die ja gerade durch wenig Eigenkapital erreicht wird, also möglichst wenig Risiko einzugehen ist in diesem Fall wohl auch gescheitert. Die Entscheider vergessen heutzutage oftmals, das es Käufer und Verkäufer, Schuldner und Gläubiger usw. gibt. Das ganze nennt sich wohl modernes Unternehmertum...lol Ich möchte hier mal die These aufstellen, das die Insolvenz lange Zeit absehbar war und man daher alle Vermögenswerte schon vor längerer Zeit von Arcandor abgetrennt hat. Wer steigt mit ein?...:-D
3.
idealist100 09.06.2009
Zitat von sysopArcandor gibt auf: Der Handelskonzern hat Antrag auf Insolvenz gestellt. Betroffen sind die Tochterfirmen Karstadt, Quelle, Primondo, aber nicht Thomas Cook. Ist diese Insolvenz-Lösung die beste für den Konzern und seine Angestellten?
Wenn 50 % der Jobs erhalten werden zu marktüblichen Gehältern, kein Lohndumping wie bei Karstadt/Quelle, dann war es ein Erfolg. Vielleicht werden es ja auch mehr. Ich hoffe nur das kein müder Eurone für die Eigner Schicki-miki, Openeimer, Esch, middelh, Eick etc. übrigbleibt.
4. Klar
elwu, 09.06.2009
ist eine Insolvenz die beste Lösung, wäre es auch bei Opel gewesen... Zum Artikel: "Die Finanzkrise hat erstmals einen deutschen Großkonzern in die Insolvenz getrieben." Ah ja? Arcandor war schon seit Jahren siech! Auch ohne die Finanzkrise. Wenn doch wenigstens die Journalisgten aufhören würden, die Finanzkrise für jede Pleite als Begründung zu nennen. Statt richtigerweise das Versagen und/oder die Gier von Managern und Politikern.
5.
D0nJuAn 09.06.2009
Ein dank an die Regierung das sie es nicht zum kompletten Dammbruch hat kommen lassen.
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