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"Katrina"-Flutschäden: Versicherer wollen nicht zahlen

Nach den Verwüstungen durch Hurrikan "Katrina" stehen viele Hausbesitzer vor den Trümmern ihrer Existenz. Bislang bestand noch die Aussicht, dass die Versicherungen wenigstens den finanziellen Schaden ersetzen. Doch diese berufen sich auf eine Klausel im Vertrag.

Hausbesitzer in New Orleans: "Wir werden das nicht hinnehmen"
AFP

Hausbesitzer in New Orleans: "Wir werden das nicht hinnehmen"

New York - Wie die "New York Times" berichtet, wollen die Versicherer lediglich die Schäden ersetzen, die durch Wind und Regen entstanden sind. Die Verwüstungen, die durch die Überflutungen entstanden seien, würden dagegen von den Policen nicht erfasst.

Diese Auslegung der Verträge treibt die Hausbesitzer auf die Barrikaden. "Wir werden das nicht hinnehmen", sagt Rechtsanwalt Richard Scruggs der "New York Times". Sein Haus wurde auch durch "Katrina" zerstört. Scruggs und die anderen betroffenen Hausbesitzer berufen sich darauf, dass der Sturm die entscheidende Ursache für das Desaster war - und sehen deshalb die Versicherer voll in der Pflicht. Er werde alles unternehmen, was in seiner Macht stehe, um die Versicherungen zur Begleichung der Schäden zu bewegen, kündigte der Anwalt an.

Die Anwälte der Versicherer berufen sich dagegen auf ein seit langem praktiziertes Recht. Der Schutz gegen Überflutung werde durch ein staatliches Programm abgedeckt, sodass für weitere Versicherungen keine Notwendigkeit bestehe. Entsprechend sei diese Art von Schäden nicht abgedeckt.

Die Position der Versicherer lässt sich erklären. Nach vorläufigen Berechnungen belaufen sich die Schäden, die sie zu begleichen haben, bereits auf insgesamt 60 Milliarden Dollar - fast dreimal so viel, wie durch den Hurrican "Andrew" entstanden ist. Nach Einschätzung von Robert Hartwig, Chefökonom eines Versicherungsinformationsdienstes in New York, sind etwa 200.000 Häuser in den betroffenen Gebieten zerstört worden. Allein der Anteil der Flutschäden wird auf 15 Milliarden Dollar geschätzt.

Am Ende werden die Gerichte entscheiden müssen

Rein rechtlich ist die Sache ziemlich vertrackt. Tatsächlich sind die allermeisten Häuser nicht gegen Überflutung versichert. Es bestand bisher schlicht kein Anlass dafür, weil Wasser nie soweit vordringt, wenn es nicht ein Sturm voranpeitscht. Fred Levin, ein auf Prozesse gegen Versicherungen spezialisierter Rechtsanwalt, hält dem formalrechtlichen Argument jedoch entgegen, dass in den Policen regelmäßig der Hinweis auf den entsprechenden Haftungsausschluss fehle. "Die meisten haben von ihrem Versicherungsagenten einen umfassenden Versicherungsschutz gekauft, und der hat diesen auch zugesichert. Darauf allein kommt es an."

Am Ende jedoch wird es wohl darauf ankommen, wie die Gerichte entscheiden. Folgen sie der Argumentation Levins, so dürfte es für die Versicherer teuer werden. Andernfalls wird es darauf ankommen, ob die Zerstörungen auf den Sturm oder die Flut zurückgehen.

Würden die Richter zu dem Ergebnis kommen, dass Sturm und Flut gleichermaßen als Ursache für die Verwüstungen zu betrachten sind, würde der Konflikt vollends unlösbar: Gutachter müssten haarklein auseinanderrechnen, welche Schäden dem einen oder dem anderen Ereignis zuzurechnen sind. Jahrelange Prozesse wären die Folge, die sich die meisten der Hausbesitzer wohl kaum leisten könnten.

Dennoch sind es nach dem Bericht der "New York Times" die Versicherer, die den Gang vor den Kadi fürchten. In der Vergangenheit hätten die Gerichte im Staat Mississippi im Zweifel immer eher zu Ungunsten von Unternehmen entschieden.

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