Kaufhäuser Karstadt will 77 Filialen abstoßen

Zur Rettung der kriselnden KarstadtQuelle AG fordert Aufsichtsratschef Thomas Middelhoff, 51, "einen echten Solidarpakt von Mitarbeitern wie Führungskräften, Gesellschaftern und Banken". Nach SPIEGEL-Informationen plant der Vorstand unter Christoph Achenbach, 77 der zurzeit 180 Warenhäuser abzustoßen – dreimal so viel wie bislang gemutmaßt.


Karstadt-Filiale:  "Es geht ums Überleben"
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Karstadt-Filiale: "Es geht ums Überleben"

Hamburg - Die nahe Zukunft von Europas größtem Kaufhaus- und Versandhandelskonzern werde "von tiefen Schnitten und weit reichenden Schritten geprägt sein", sagt Middelhoff. In allen drei Kernbereichen des Essener Konzerns - Versand- und stationärer Handel sowie Dienstleistungen - sei die Lage "sehr ernst". Alles, was nicht Stammgeschäft sei, stehe nun "zur Disposition".

"Es geht ums Überleben", sagte Middelhoff. Auch der Versandhandel von Neckermann und Quelle müsse sich auf einen "schmerzhaften Personalabbau" einstellen. Im ersten Halbjahr 2004 hatte KarstadtQuelle einen Verlust von 300 Millionen Euro verbucht. Nicht kommentieren wollte Middelhoff Details der geplanten Sanierungsmaßnahmen, über die der Aufsichtsrat am Montag berät.

Nach SPIEGEL-Informationen plant der Vorstand unter Christoph Achenbach, 77 der zurzeit 180 Warenhäuser abzustoßen - dreimal so viel wie bislang gemutmaßt. Zudem soll es enorme Wertberichtigungen geben, die mit einer kräftigen Kapitalerhöhung aufgefangen werden sollen, weil dem Unternehmen sonst die Pleite drohe, erfuhr der SPIEGEL aus Aufsichtsratskreisen. Unter anderem soll auch die Textilhaus-Kette SinnLeffers abgestoßen werden.



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