Kernkraft Russland plant Bau von 26 Atomreaktoren

Trotz Wirtschaftskrise will Russland neue Atomkraftwerke bauen: Wladimir Putin kündigte an, den Anteil von Atomstrom zu verdoppeln. Im Streit um Nordkoreas Raketentest sprach sich die russische Regierung unterdessen gegen weitere Sanktionen aus.


Moskau - Der russische Regierungschef Wladimir Putin hat den Bau von 26 Atomreaktoren bis zum Jahr 2030 angekündigt. Damit solle der Anteil von Atomstrom in Russland von derzeit 16 Prozent auf etwa ein Drittel wachsen, sagte Putin nach Angaben der russischen Agentur Interfax.

Putin mit Direktor des Atomkraftwerks in Udumlya: 50 Milliarden Rubel für Rosatom
AP

Putin mit Direktor des Atomkraftwerks in Udumlya: 50 Milliarden Rubel für Rosatom

In mehreren europäischen Ländern liege der Anteil von Atomstrom bereits bei über 25 Prozent, sagte Putin. Er kündigte zudem an, dass der staatliche Rosatom-Konzern mit 50 Milliarden Rubel (umgerechnet 1,13 Milliarden Euro) gestützt werden soll.

Anfang März hatten sich Rosatom und Siemens auf ein Gemeinschaftsunternehmen geeinigt, das Projekte auf der Basis einer russischen Druckwasser-Technologie realisieren soll. Die beiden Konzerne wollen zusammen ein Drittel des Weltmarktes für Kernkraftwerke erobern.

Erstes mögliches Gemeinschaftsprojekt könnte der Bau eines AKWs im Gebiet um die Stadt Kaliningrad, dem früheren Königsberg, sein. Laut Putin wird die Regierung "in den nächsten Monaten" Projekte zur Förderung der Atomenergiewirtschaft und der nuklearen Rüstungssparte im Detail erörtern. Russland werde aber trotz der Finanzkrise früher formulierte Pläne nicht aufgeben, betonte er.

Gegen weitere Sanktionen für Nordkorea

Im Streit über Nordkoreas Atomprogramm hat sich Russland gegen weitere Sanktionen für das kommunistische Land ausgesprochen. "Wir sollten nicht über die Verschärfung der Sanktionen sprechen", sagte der russische Vizeaußenminister Alexej Borodawkin. Die "wichtigste Aufgabe" sei vielmehr, eine Wiederaufnahme der Sechs-Nationen-Gespräche mit Nordkorea zu erreichen. Bei der am Montag einstimmig verabschiedeten Erklärung des Uno-Sicherheitsrats habe Russland Wert darauf gelegt, dass diese den Dialog mit Nordkorea erleichtere.

Als Reaktion auf die Erklärung des Uno-Sicherheitsrats hatte Nordkorea verkündet, "nie wieder" an den Sechs-Nationen-Gesprächen über sein Atomprogramm teilzunehmen. Nach einer Übereinkunft der Sechser-Gruppe vom Februar 2007 hatte Pjöngjang stufenweise damit begonnen, die Atomanlage in Yongbyon vom Netz zu nehmen. Allerdings gab es immer wieder Rückschläge. Anfang des Monats schließlich testete Nordkorea im Widerspruch zu einer Uno-Resolution aus dem Jahr 2006 eine Langstreckenrakete.

cte/Reuters/dpa

© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.