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Kinowelt-Insolvenz: Die Bank gibt es, die Bank nimmt es

Die niederländische ABN Amro Bank gehörte einst zum Emissionskonsortium, das Kinowelt an die Börse brachte. Jetzt drehen die Holländer dem Medienunternehmen den Geldhahn zu - dadurch wird eine Insolvenz praktisch unvermeidlich.

Kinowelt-Film "The Cell": Insolvenz scheint unvermeidlich
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München - Das niederländische Bankhaus ABN Amro habe dem seit einigen Monaten ums Überleben kämpfenden Münchener Medienunternehmen Kredite über 140 Millionen Mark zum 28. November gekündigt, teilte Kinowelt am Montag mit.

Kinowelt-Vorstandschef Michael Kölmel sagte in München, nur eine Rücknahme der Kündigung könne das Unternehmen noch retten. Die Entscheidung der Bank sei wirtschaftlich unsinnig, weil die Gläubiger bei einer Insolvenz weit weniger Geld bekämen. Am Neuen Markt brach die Kinowelt-Aktie Chart zeigen um 31 Prozent auf 0,62 Euro ein. Analysten sagten, die Insolvenz sei abzusehen gewesen.

Wenn sich in den laufenden Verhandlungen mit ABN Amro bis Mittwoch keine Einigung ergebe, müsse in spätestens 21 Tagen ein Insolvenzverfahren eingeleitet werden, sagte ein Sprecher des Filmrechtehändlers und Kinobetreibers. Auch Kölmel sieht keine Chance, die Verbindlichkeiten kurzfristig auf eine andere Bank umzuschulden. Vielmehr bestehe die Gefahr, dass nun weitere Banken dem Beispiel von ABN Amro folgten. Bisher habe die aber keine getan. "Kinowelt ist nicht in der Lage, diesen Betrag bis 28. November aufzubringen", teilte die Firma mit. Kinowelt verhandelt seit längeren mit den Banken über einen teilweisen Verzicht auf deren Forderungen.

ABN Amro ist eines von 24 Instituten, bei denen Kinowelt nach eigenen Angaben mit rund 800 Millionen Mark verschuldet ist. Bei einer Insolvenz müssten auch Michael Kölmel und sein Bruder Rainer ein Gesellschafterdarlehen über rund 50 Millionen Mark abschreiben. ABN Amro lehnte einen Kommentar ab. "Wir sprechen nie über Angelegenheiten unserer privaten Kunden", sagte ein Sprecher in Amsterdam. Andere Gläubigerbanken wie die BHF-Bank und die HypoVereinsbank Chart zeigen wollen noch abwarten: "Im Moment ist alles offen", hieß es.

Der Kinowelt-Chef kritisierte das Vorgehen von ABN Amro. Die Bank könne in der Insolvenz mit weit weniger Rückflüssen rechnen als bei einer Sanierung. "Der Zerschlagungswert ist gering, wenn wir die Filmrechte nicht zusammenhalten können." Diese fielen wegen des üblichen Eigentumsvorbehalts zurück an die Verkäufer. Kölmel sieht die Chance, das Unternehmen trotz der Insolvenz zu erhalten und zu sanieren. "Selbst wenn es zur Insolvenz kommen sollte, macht es keinen Sinn, Kinowelt zu zerschlagen", betonte der Gründer und Vorstandschef.

Die Kündigung sei völlig überraschend am Freitagnachmittag gekommen, sagte Kölmel. Noch vor zwei Wochen habe man sich drei Tage lang mit allen Gläubigerbanken getroffen, um einen neuen Sanierungsplan vorzulegen. Danach sollte der zum 30. Juni mit 150 Millionen Mark negative Mittelzufluss (Cashflow) vom dritten Quartal an positiv sein und nicht erst wie ursprünglich geplant 2003. "Wir waren Zug um Zug dabei, eine Lösung zu erreichen", sagte der Vorstandschef.

"Das war von unserer Seite abzusehen", sagte ein Analyst von HSBC Trinkaus & Burkhardt. Die Bank habe den Wert zuletzt nicht mehr beobachtet. Eine Überraschung sei die drohende Insolvenz nicht gewesen, hieß es auch bei Kleinaktionärsschützern. Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) sagte aber, sie beobachte die Situation sehr genau und prüfe mögliche Schritte. "Da ist viel versprochen und nichts gehalten worden." Die Schuld liege auch bei den Kreditinstituten. "Auch Banken haben eine Verantwortung für die Aktionäre." Und das gerade, wenn sie wie die ABM Amro zu dem Emissionsbanken gehörten.

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