Deutsche-Bank-Prozess Ackermann und Fitschen beteuern ihre Unschuld

Auftritt Jürgen Fitschen und Joe Ackermann: Im Münchner Kirch-Prozess verteidigen sich der Deutsche-Bank-Chef und sein Vorgänger gegen die Betrugsvorwürfe der Staatsanwaltschaft. Der Mann jedoch, der vieles aufklären könnte, schweigt.

Josef Ackermann: Ehemaliger Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank
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Josef Ackermann: Ehemaliger Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank

Aus München berichtet


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Mit Deutschland war Josef Ackermann selbst in seinen zehn Jahren als Deutsche-Bank-Chef nie richtig warm geworden. Nun also sein erster großer Auftritt in der Bundesrepublik seit fast zwei Jahren - ausgerechnet vor Gericht.

Die Münchner Staatsanwaltschaft hat Ackermann, seinen Vorgänger Rolf Breuer und seinen Nachfolger Jürgen Fitschen sowie zwei weitere ehemalige Topmanager wegen versuchten Prozessbetrugs angeklagt. Sie sollen in einem Schadensersatzverfahren, das der inzwischen verstorbene Medienunternehmer Leo Kirch angestrengt hatte, falsch ausgesagt haben - um so die Deutsche Bank zu schützen.

Knackpunkt sind dabei die Geschehnisse Anfang des Jahres 2002. Der damalige Bankchef Breuer hatte damals in einem Fernsehinterview an Kirchs Kreditwürdigkeit gezweifelt. Laut Staatsanwaltschaft wollte er dem Medienkonzern schaden, um so ein Beratungsmandat für die Zerschlagung der Unternehmensgruppe zu erhalten. Entscheidend ist auch ein Gespräch, das Breuer wenige Tage nach dem Interview mit Kirch geführt hat und über dessen Inhalt es unterschiedliche Interpretationen gibt.

Josef Ackermann war damals Chef des Investmentbankings der Bank, jener Sparte also, in die solche Beratungsmandate fallen. Zudem war er Breuers designierter Nachfolger. Mit anderen Worten: Ackermann muss die Wahrheit kennen.

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Breuer, Ackermann, Fitschen: Die Angeklagten im Kirch-Prozess
Und die trägt er dann auch vor, zumindest seine Sicht der Wahrheit. Er steht, leicht zum Vorsitzenden Richter Peter Noll gewandt, und liest vom Blatt ab. Dennoch klingt seine sonore Stimme so selbstbewusst wie früher. Er habe im Schadensersatzverfahren mit Kirch und auch danach stets nach "bestem Wissen und Gewissen" ausgesagt, "so wie ich mich damals erinnert habe". Die Ereignisse lägen freilich schon lange zurück, daher seien die Erinnerungen nur bruchstückhaft gewesen.

Fest stehe jedenfalls, dass er kein Mandat der Kirch-Gruppe gewollt habe. Der Vorstand habe auch nicht beschlossen, dass Breuer Kirch kontaktieren sollte, "es war eher eine Empfehlung". Der Bankchef sollte mit Kirch reden, um mögliche Interessenkonflikte abzuklären, für den Fall, dass die Bank von einem Kirch-Konkurrenten ein Beratungsmandat erhielte.

"Ich habe zu keinem Zeitpunkt gelogen oder betrogen"

Ähnlich, aber nicht genauso, sieht das Jürgen Fitschen. Als aktueller Co-Chef der Bank steht er ohnehin mächtig unter Druck. Immer wieder ist sein Institut in Skandale verstrickt, auf der Hauptversammlung am kommenden Donnerstag erwartet Fitschen und seinen Co-Chef Anshu Jain heftige Kritik der Aktionäre. Was man als Chef in einer solchen Lage am Wenigsten gebrauchen kann, ist ein Strafverfahren wegen versuchten Betrugs.

Nun muss es also sein. Fitschen steht in der letzten der drei Angeklagten-Reihen und spricht ruhig. Er verteidigt sich gegen den Vorwurf, im Zivilverfahren widersprüchliche Angaben gemacht zu haben. "Ich habe zu keinem Zeitpunkt gelogen oder betrogen", beteuert Fitschen. Er habe bei seiner Aussage 2011 eine verblassende Erinnerung an die Vorfälle neun Jahre zuvor gehabt. Sein Eindruck sei aber gewesen, dass Breuer auf Kirch zugehen sollte, um "zu fragen, wo er steht", also ob er "Beratung von der Deutschen Bank wünsche oder was genau?"

Hier weicht Fitschens Aussage leicht von den Angaben seiner Mitangeklagten ab. An einen direkten Auftrag an Breuer, auf Kirch zuzugehen und mit ihm auch über eine mögliche Beratung zu sprechen, wollen sich die anderen nicht erinnern. "Ich habe die sichere Erinnerung, dass kein Mitglied des Vorstands ein Interesse an einem Mandat von Herrn Dr. Kirch hatte", sagt etwa der frühere Aufsichtsratschef Clemens Börsig, der sich am Montag ebenfalls zu Wort meldete.

Für die Staatsanwaltschaft war diese kleine Diskrepanz ein wichtiger Grund, auch Fitschen anzuklagen. Er hätte die aus ihrer Sicht falschen Vorträge seiner Kollegen korrigieren müssen, behaupten die Ermittler. Fitschen sieht das anders: Weil er sich selbst nur bruchstückhaft erinnere, habe er auf keinen Fall behaupten wollen, dass die anderen die Unwahrheit gesagt hätten. Dem lässt sich nur schwer widersprechen.

Der Streit um solche Details zeigt, wie schwer es für die Staatsanwälte werden dürfte, Fitschen, Ackermann und deren Ex-Kollegen am Ende nachzuweisen, Kirch absichtlich geschadet zu haben. Dass Breuers Interview eine Dummheit war, darin dürften sich mittlerweile fast alle einig sein. "So spricht man nicht über einen Kunden", sagt am Montag der ebenfalls angeklagte Ex-Vorstand Tessen von Heydebreck. Aber auch sein Eindruck sei nicht gewesen, dass der Vorstand einen Beratungsauftrag von Kirch haben wollte. Oder wie Ackermann es formuliert: "Ich habe es noch nie erlebt, dass man einen Kunden, von dem man ein Mandat haben will, schlecht redet."

Breuer selbst schweigt übrigens. Sein Anwalt erklärt nach der Verhandlung, er wisse noch nicht, ob sein Mandant aussagen werde. Vielleicht hat Breuer aus seinen Fehlern gelernt und sagt dieses Mal lieber gar nichts.

Worum es im Fall Kirch geht

Zusammenfassung: Trotz einiger Widersprüche lieferten die Aussagen von Josef Ackermann und Jürgen Fitschen beim Münchner Prozess gegen Top-Manager der Deutschen Bank keine Munition für die zentrale These der Staatsanwaltschaft: dass die Banker eine angebliche Verschwörung gegen den Medienunternehmer Leo Kirch vertuschen wollten.

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