Prozessauftakt gegen Fitschen & Co. Deutschlands Top-Banker treffen sich auf der Anklagebank

Breuer, Ackermann, Fitschen: In München stehen ab dieser Woche die Deutsche-Bank-Chefs der vergangenen 18 Jahre vor Gericht. Sie sollen im Rechtsstreit mit dem inzwischen verstorbenen Medienunternehmer Leo Kirch betrogen haben. Ein Überblick.

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Wäre da nicht der Gerichtssaal, man könnte von einem Klassentreffen sprechen. Einem Klassentreffen der Top-Manager, die das Schicksal der Deutschen Bank und damit auch der deutschen Wirtschaft in den vergangenen zwei Jahrzehnten geprägt haben.

Von diesem Dienstag an steht in München der amtierende Co-Chef der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen, vor Gericht. Mit ihm sind seine beiden Vorgänger Josef Ackermann und Rolf Breuer angeklagt sowie die beiden ehemaligen Vorstände Clemens Börsig und Tessen von Heydebreck. Eine illustre Runde. (Erfahren Sie mehr über die Angeklagten in unserer Bilderstrecke).

Die Staatsanwaltschaft wirft den fünf Angeklagten versuchten Prozessbetrug in einem besonders schweren Fall vor. Sie sollen im Zivilverfahren mit dem Medienunternehmer Leo Kirch falsche Angaben gemacht haben, um die Bank vor Schadensersatzforderungen zu bewahren.

Alles wegen eines Interviews

Kirch ist längst tot. Doch sein Geist verfolgt die Deutsche Bank noch immer. Und das alles wegen eines Fernseh-Interviews aus dem Jahr 2002, in dem der damalige Vorstandschef Breuer Kirchs Kreditwürdigkeit angezweifelt hatte.

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Breuer, Ackermann, Fitschen: Die Angeklagten im Kirch-Prozess
Kirch ging wenige Monate später tatsächlich pleite - und überzog Breuer und die Deutsche Bank fortan mit Klagen. Bis an das Ende seines Lebens. Posthum bekam Kirch vor Gericht Recht. Seine Erben erstritten schließlich einen Vergleich über fast eine Milliarde Euro.

Doch damit ist der Fall noch längst nicht abgeschlossen. Im Kirch-Prozess sollen die fünf Top-Banker laut Staatsanwaltschaft gelogen haben. Ob der Vorwurf stimmt oder nicht, muss nun das Gericht entscheiden.

Es geht dabei vor allem um die Frage, ob die Spitzen der Deutschen Bank Kirchs Medienimperium Anfang 2002 absichtlich in die Pleite trieben, um ein Beratungsmandat für die anschließende Zerschlagung zu bekommen. Die Manager hatten dies vor Gericht stets bestritten und bestreiten es noch heute.

Laut Staatsanwaltschaft waren ihre Aussagen aber nicht nur abgesprochen, sondern auch falsch. Den Managern drohen bis zu zehn Jahre Haft.

Wie konnte es so weit kommen? Und worum geht es in dem Streit zwischen Bank, Kirch und Gericht eigentlich genau? Lesen Sie die Geschichte des spektakulären Wirtschaftsprozesses in der Zeitleiste.

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