Kirchensteuer-Abschaffung Chefprotestant schockt seine Glaubensbrüder

Kirchentagspräsident Eckhard Nagel hat eine Debatte zur Abschaffung der Kirchensteuer losgetreten. Der Bayreuther Ordinarius hatte gefordert, die großen Religionsgemeinschaften müssten langfristig ohne staatliche Hilfe auskommen. Andere Kirchenvertreter reagierten mit Entsetzen auf die Äußerungen.


Klingelbeutel: Zurück zur selbst erhobenen Kirchensteuer
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Klingelbeutel: Zurück zur selbst erhobenen Kirchensteuer

Hannover - Nagel hatte gesagt: "Ich persönlich glaube, dass wir uns auf lange Sicht von der Kirchensteuer trennen sollten." Vielmehr sollten freiwillige Beiträge und Spenden zur Finanzierung angestrebt werden. Nach kritischen Reaktionen ruderte der Kirchentagspräsident zurück: Er halte eine Ergänzung zur Kirchensteuer für notwendig wie etwa neue Stiftungsmodelle oder ein Kirchgeld, das es in einigen Bundesländern bereits gibt.

Die Kirchensteuer ist in Deutschland an die Lohn- und Einkommenssteuer gekoppelt und wird von den Finanzämtern festgesetzt. Die Einnahmen nehmen stetig ab - unter anderem wegen der Steuerreform, der Arbeitslosigkeit und des demographischen Wandels.

Der Finanzexperte der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Oberkirchenrat Thomas Begrich, erklärte hingegen: "Die Kirchensteuer wird gebraucht." Die Einnahmen ermöglichten der Kirche die Übernahme einer Fülle von Aufgaben. Bei einer Abschaffung hätte er "Sorge, dass in ganzen Regionen ein lebendiges Gemeindeleben ebenso wie übergemeindliche Aufgaben Schaden nehmen würden".

"Das Modell der Kirchensteuer hat sich aus unserer Sicht bewährt. Ohne sie wäre ein Teil gerade des sozialen Engagements der Kirchen nicht möglich", sagte auch eine Sprecherin der Deutschen Bischofskonferenz in Bonn.

Die katholische Kirchenvolksbewegung "Wir sind Kirche" hält Nagels Vorstoß für "überlegenswert". "Es ist gut, dass Herr Nagel dieses Tabu gebrochen hat", sagte Sprecher Christian Weisner in Hannover. "Er hat ja eigentlich nur offen ausgesprochen, dass angesichts von Steuerreformen auch die Kirchensteuer nicht unbedingt auf Dauer gesichert ist." Die Kirchen müssten viel deutlicher machen, wofür sie die Kirchensteuer eigentlich verwenden. An solchen Entscheidungen sollten vor allem in der katholischen Kirche die Laien stärker beteiligt werden.



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