KirchMedia-Käufer Da waren's nur noch drei

Kurz vor Beginn der entscheidenden Runde trennen die Verkäufer der insolventen KirchMedia die seriösen von den unseriösen Geboten. Unter den Käufer-Kandidaten, die keine Chance mehr haben, soll auch der US-Milliardär Haim Saban sein.


KirchMedia-Zentrale vor dem Ausverkauf: Ins Endspiel kommen offenbar zwei Konsortien und ein Medienkonzern
DPA

KirchMedia-Zentrale vor dem Ausverkauf: Ins Endspiel kommen offenbar zwei Konsortien und ein Medienkonzern

München - Nur drei Interessenten sollten Einblick in die Bücher des bankrotten Kernunternehmens der alten KirchGruppe bekommen, wenn am Mittwoch die Entscheidung fällt. Und bestenfalls drei der sieben abgegebenen Offerten, so berichtet die "Financial Times Deutschland", gelten derzeit als ernsthaft. Insofern müssen Insolvenzverwalter und Interimsmanagement sich wohl keine großen Gedanken über die Auswahl machen.

Nach Prüfung der Angebote, so der Zeitungsbericht, sei klar, dass die zeitweise hoch gehandelten Einzelgebote des US-Milliardärs Haim Saban sowie des börsennotierten französischen Senders Television Francaise TF1 nicht weiter verfolgt werden. Die "FTD" beruft sich in ihrem Bericht auf "Branchenkreise" als Quelle. Dem Saniererteam von KirchMedia sei klar geworden, dass das mit 2,6 Milliarden Euro höchste, aber nicht bindende und von zahlreichen Bedingungen abhängige Gebot Sabans nur als Basis für ein strategisches Investment gedacht sei. Saban wolle sich nicht langfristig engagieren und strebe offenbar einen Zusammenschluss mit einem anderen Konsortium an.

Wirklich solide erscheine die Offerte der Commerzbank, die mit dem Hollywood-Studio Columbia zusammenarbeitet. Zum Angebot des Konsortiums der Verlage Springer, Bauer, SPIEGEL und der HypoVereinsbank gebe es bezüglich des genauen Teilnehmerkreises und des Inhaltes noch viele Fragen. Das dritte solide Angebot dürfte vom US-Medienkonzern Viacom stammen, der unter anderem die Sender MTV und CBS sowie das Hollywood-Studio Paramount betreibt.

Der Fernsehsender TF1 hat demgegenüber am Montag erneut Interesse an bestimmten Vermögensteilen der insolventen KirchMedia bekundet. Details würden allerdings nicht bekannt gegeben, sagte eine Sprecherin am Montag in Paris. Auch ein Medienbericht wurde nicht kommentiert, demnach TF1 das zweithöchste von insgesamt sieben Gebot für KirchMedia abgegeben haben soll.

TF1 hatte bereits am 10. Juli ein nicht bindendes Kaufangebot abgegeben. Ein entsprechender Brief sei an die mit dem KirchMedia-Verkauf beauftragte UBS Warburg abgeschickt worden. Zu den Spekulationen um eine mögliche Kaufsumme von rund zwei Milliarden Euro hatte der französische Fernsehsender gesagt, diese Zahl könne nur als Anhaltspunkt dienen.

Unterdessen hat das Berliner Landgericht nach einem Bericht der "FTD" eine Eilverfügung im Streit zwischen Leo Kirch und dem Axel Springer Verlag wieder ausgesetzt.

In der nun gekippten Verfügung hatte das Amtsgericht Charlottenburg vergangene Woche entschieden, dass Kirch zu einer außerordentlichen Hauptversammlung bei Springer laden könne. Laut Landgericht hatte die erste Instanz allerdings die Rechte des Springer Verlags auf rechtliches Gehör verletzt, schreibt die Zeitung. Nun werde bis Ende dieser Woche neu entschieden.

Als Großaktionär bei Springer hatte Kirch Anfang Juli die Einberufung einer Hauptversammlung beantragt. Nach Ansicht Kirchs hat Springer durch Forderungen von 767 Millionen Euro an ihn nicht nur seinem Unternehmen, sondern auch dem Verlag und dessen Aktionären geschadet. Springer hatte dies wiederholt zurückgewiesen.



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