Hamburg - Das Regime kann die Aufstände in Syrien trotz der brutalen Unterdrückung durch die Sicherheitskräfte nicht beenden, und auch in wirtschaftlicher Hinsicht scheint die Regierung in Damaskus immer stärker unter Druck zu geraten. Laut einem Bericht der "Financial Times" bekommen Shell und Total kein Geld mehr von Syrien - obwohl sie weiterhin Öl in dem Land fördern. Der Schritt könnte ein Beleg dafür sein, dass die Sanktionen gegen das Regime von Baschar al-Assad greifen.
Die seit März andauernden Unruhen haben ohnehin beträchtliche Auswirkungen auf die wichtigsten Wirtschaftszweige des Landes: Der Tourismus ist nahezu zum Erliegen gekommen, bereits im September waren die Einnahmen laut dem "Handelsblatt" in der Branche, die ein Siebtel der Wirtschaftsleistung des Landes erbringt, um 90 Prozent eingebrochen.
Noch härter trifft das Regime aber das Ölembargo, das die EU Anfang September verhängt hatte. Obwohl Syrien nicht zu den großen Lieferanten der Welt zählt, trägt der Verkauf von Erdöl und Ölprodukten zu mehr als der Hälfte zu den Staatseinnahmen bei - und nicht weniger als 96 Prozent der Ölexporte gingen vor den Sanktionen nach Europa. Zurzeit fördert das Land so gut wie nur noch für den Eigenbedarf, die produzierte Menge fiel laut "Financial Times" um gut ein Drittel auf 240.000 Barrel täglich.
"Nach meinem Gefühl hat die Regierung kein Geld mehr"
Shell und Total stellten die Förderung laut dem Bericht auch nach dem Embargo nicht ein und bekamen bis vor wenigen Wochen dafür noch Geld von der Regierung. Dann seien die Zahlungen Insidern zufolge immer spärlicher geflossen, bis sie sie schließlich ganz eingestellt wurden.
"Nach meinem Gefühl hat die Regierung kein Geld mehr", sagte ein Brancheninsider laut dem Bericht. Zu Beginn der Aufstände versuchte das Regime zudem, den Lebensstandard der Bevölkerung durch den Griff in die Staatskasse zu heben und so die Unruhen einzudämmen. Um 20 bis 25 Prozent erhöhte die Regierung Schätzungen zufolge die Ausgaben. Zusätzlich musste sie etwa zwei Milliarden Dollar für Stützungskäufe aufwenden, um den Wertverfall der syrischen Lira zu stoppen.
Wichtige ausländische Investitionen sind als Reaktion auf das brutale Vorgehen des Regimes gestoppt worden. Katar etwa stellte bereits ein 900-Millionen-Dollar-Projekt für den Bau zweier Kraftwerke ein. Die Arabische Liga setzte dem Regime ein Ultimatum bis zum Ende der kommenden Woche, um die Gewalt gegen die Bevölkerung zu beenden.
Dennoch eskaliert der Konflikt in Syrien. Laut Angaben des Uno-Flüchtlingshilfswerks UNHCR sind bisher mindestens 3500 Menschen bei den Aufständen ums Leben gekommen. Die Sicherheitskräfte gehen brutal gegen Demonstranten und desertierte Soldaten vor. In der Rebellenhochburg Homs verübten sie laut der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch massive Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Da das Land abgeschottet ist, können die Angaben nicht überprüft werden.
fdi
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