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Klassenverweis: Deutsche-Bank-Chef rügt die Branche

Kurz vor seinem Abtritt als Sprecher der Deutschen Bank teilt Rolf Breuer noch einmal kräftig aus. Deutschlands Bankensektor sei in einem schlechten Zustand, die Musik spiele in Spanien und Großbritannien.

Rolf Breuer: Deutschland liegt auf den hinteren Plätzen
DDP

Rolf Breuer: Deutschland liegt auf den hinteren Plätzen

Hamburg - Breuer, der auch Präsident des Bundesverbandes der deutschen Banken ist, sagte der "Financial Times", in Deutschland "passiere gar nichts". Die großen Banken seien paralysiert, denn sie hätten zu hohe Kosten und eine zu niedrige Profitabilität. "Der Marktwert ist zu niedrig", so der Top-Banker. Der Sektor sei zudem überfüllt und werde von den öffentlichen Instituten dominiert. Das mache Deutschland für ausländische Investoren unattraktiv. Bei der zu erwartenden Konsolidierung in Europa würden voraussichtlich britische und spanische Banken den Ton angeben.

Die Deutsche Bank Chart zeigen werde sich in den nächsten eineinhalb Jahren auf die Steigerung ihrer Profitabilität und die Festigung ihrer Organisation konzentrieren. "Wir planen in den nächsten 18 Monaten keine Expansion, weder durch große Investitionen noch durch Übernahmen oder Fusionen", so Breuer gegenüber der "FT"

"Uns fehlt die Akquisitionswährung"

Breuer hält die Deutsche Bank nicht für übernahmegefährdet. "Theoretisch ginge das, da eine Reihe von Wettbewerbern über ein Vielfaches unserer Marktkapitalisierung verfügen. Wenn es aber darum geht, durch die Akquisition eine vor den Aktionären zu rechtfertigende Eigenkapitalrendite zu erzielen, wird es angesichts des zu zahlenden Preises und der entsprechenden Prämie schwierig." Deshalb sei das Programm zur Erhöhung der Rentabilität weniger eine Schutzmaßnahme. "Wir machen uns weniger Sorgen über eine Übernahme, als über die Einschränkung unserer strategischen Flexibilität. Kurz gesagt, uns fehlt die Akquisitionswährung."

Breuer betonte, dass die Deutsche Bank 24 ihre rechtliche Selbstständigkeit behalten und sich an ihrer Strategie nichts ändern werde. Allerdings werde sich das Marketing auf die Marke Deutsche Bank fokussieren und nicht mehr auf Deutsche Bank 24. "Unsere Kunden fühlen sich als Kunden der Deutschen Bank und dem werden wir Rechnung tragen", sagte Breuer.

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