Klimaschutz EU-Unterhändler einigen sich auf Reform des Emissionshandels

Bis 2030 will Europa 43 Prozent weniger Kohlendioxid ausstoßen. Die Reform des Emissionshandels soll entscheidend dazu beitragen. Unterhändler haben nun eine vorläufige Einigung erzielt.

Braunkohlekraftwerk Jänschwalde
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Braunkohlekraftwerk Jänschwalde


Nach monatelangen Verhandlungen haben sich EU-Vertreter auf eine Reform des europäischen Emissionshandels ab 2020 geeinigt. Die Unterhändler des EU-Parlaments und der Mitgliedsländer haben sich auf einen Kompromiss verständigt, der das System der Verschmutzungsrechte und den Umweltschutz stärke sowie Innovationen und Modernisierungen im Energiesektor unterstütze. Das teilte die estnische EU-Ratspräsidentschaft mit.

Die Einigung muss noch von den EU-Staaten und vom Parlament bestätigt werden. Der Emissionshandel ist das zentrale Klimaschutzinstrument der EU. Er wurde 2005 in Europa eingeführt. Fabriken und Kraftwerke brauchen für jede Tonne Klimagase, die sie in die Atmosphäre blasen, ein Zertifikat.

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Die zulässige Gesamtmenge sinkt jedes Jahr. Wer durch Modernisierung klimafreundlicher wird und Verschmutzungsrechte übrig hat, kann diese verkaufen. Wer zu viel Treibhausgase ausstößt, muss Zertifikate zukaufen.

Geplant sind deutlich schärfere Klimaziele für Fabriken und Kraftwerke. Die Menge, die sie an Treibhausgasen emittieren dürfen, soll zwischen 2021 und 2030 jährlich um 2,2 Prozent sinken und damit stärker als bisher. Gleichzeitig werden Verschmutzungsrechte vom Markt genommen, um das Angebot zu verknappen.

Dies soll dazu beitragen, dass die rund 11.000 beteiligten Industrieanlagen in Europa bis 2030 mindestens 43 Prozent weniger Kohlendioxid und andere Klimagase ausstoßen als 2005, damit die EU ihre Zusagen im Pariser Weltklimapakt einhalten kann.

asa/dpa/Reuters



insgesamt 3 Beiträge
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clifford_stoll 09.11.2017
1. Lässt sich verbessern
Das Instrument Emissionshandel kann zu einem sehr effizienten Ergebnis führen, weil die Menge des CO2, die emittiert werden dürfen, zentral festgelegt werden können. Die Ziele werden dadurch eingehalten. Wo am besten CO2 eingespart wird, entscheidet der effizient der Markt. Das Ganze lässt sich aber noch verbessern: 1. Die Zertifikate sollten jedes Jahr von der EU neu verkauft werden und mit dem eingenommenen Gelder Klimaschutzprojekte finanziert werden, z.B. Wiederaufforstungsprogramme und der Erhalt von Regenwäldern. 2. Sollten die Autohersteller miteinbezogen werden, sprich abhängig von den durchschnittlichen Emissionen der verkauften Flotte müssen sie CO2 Lizenzen kaufen. Die Fluggesellschaften sollten ebenfalls CO2 Lizenzen kaufen müssen. Mit dem Konzept bräuchte man auch nicht mehr zu regeln, wann welches Kohlekraftwerk abgeschaltet wird, denn das würde der Markt von alleine regeln. Und die Klimaziele würden was die Emissionen von CO2 angeht auf jeden Fall erreicht.
vitalik 09.11.2017
2.
Zitat von clifford_stollDas Instrument Emissionshandel kann zu einem sehr effizienten Ergebnis führen, weil die Menge des CO2, die emittiert werden dürfen, zentral festgelegt werden können. Die Ziele werden dadurch eingehalten. Wo am besten CO2 eingespart wird, entscheidet der effizient der Markt. Das Ganze lässt sich aber noch verbessern: 1. Die Zertifikate sollten jedes Jahr von der EU neu verkauft werden und mit dem eingenommenen Gelder Klimaschutzprojekte finanziert werden, z.B. Wiederaufforstungsprogramme und der Erhalt von Regenwäldern. 2. Sollten die Autohersteller miteinbezogen werden, sprich abhängig von den durchschnittlichen Emissionen der verkauften Flotte müssen sie CO2 Lizenzen kaufen. Die Fluggesellschaften sollten ebenfalls CO2 Lizenzen kaufen müssen. Mit dem Konzept bräuchte man auch nicht mehr zu regeln, wann welches Kohlekraftwerk abgeschaltet wird, denn das würde der Markt von alleine regeln. Und die Klimaziele würden was die Emissionen von CO2 angeht auf jeden Fall erreicht.
Haben Sie zufällig die Zahlen im Kopf? Ihr Vorschlag wäre ja nur sinnvoll, wenn alle Bereiche irgendwie gewichtet werden könnten und dadurch alle gleichmäßig am dem CO2 Handel beteiligt werden. Beispiel: Angenommen der Individual-PKW-Verkehr verursacht 90% der CO2 Emissionen. Dann würde man mit Ihrer Forderung diesen Bereich quasi verbieten. Ok, bei PKWs könnte man es noch eventuell verkraften. Aber wenn die 90% auf die Erstellung der Primärenergie entfallen würde, müsste man die Strompreise entweder so drastisch erhöhen, dass es sich niemand mehr leisten kann oder Strom nur auf Zuteilung anbieten, wenn grade die Sonne scheint oder Wind weht. An diesem Beispiel sieht man, dass es bestimmte Bereiche gibt, die prozentual gesehen viel CO2 produzieren, aber gleichzeitig eben essentiell sein können.
Hägar der Schreckliche 09.11.2017
3. Endlich kommt Bewegung in die Sache
Zitat von clifford_stollDas Instrument Emissionshandel kann zu einem sehr effizienten Ergebnis führen, weil die Menge des CO2, die emittiert werden dürfen, zentral festgelegt werden können. Die Ziele werden dadurch eingehalten. Wo am besten CO2 eingespart wird, entscheidet der effizient der Markt. Das Ganze lässt sich aber noch verbessern: 1. Die Zertifikate sollten jedes Jahr von der EU neu verkauft werden und mit dem eingenommenen Gelder Klimaschutzprojekte finanziert werden, z.B. Wiederaufforstungsprogramme und der Erhalt von Regenwäldern. 2. Sollten die Autohersteller miteinbezogen werden, sprich abhängig von den durchschnittlichen Emissionen der verkauften Flotte müssen sie CO2 Lizenzen kaufen. Die Fluggesellschaften sollten ebenfalls CO2 Lizenzen kaufen müssen. Mit dem Konzept bräuchte man auch nicht mehr zu regeln, wann welches Kohlekraftwerk abgeschaltet wird, denn das würde der Markt von alleine regeln. Und die Klimaziele würden was die Emissionen von CO2 angeht auf jeden Fall erreicht.
Prinzipiell stimme ich Ihnen zu. Wenn man möchte, dass vom PKW emittiertes CO2 tatsächlich am Handel teilnimmt, dann müsste man das CO2 Zertifikat einfach an der Tankstelle oder beim Mineralölgroßhändler mit dem Treibstoff verbinden. Die Lenkwirkung könnte ausbleiben, denn selbst bei 40 €/t CO2 wären das "nur" 10 ct. pro Liter Diesel. Es könnte gut sein, dass die Autofahrer dann halt meckern, bei der nächsten Wahl ihr Kreuz woanders machen aber dem Klima nicht geholfen wird. Die EU setzt den Hebel aber woander an nämlich bei den Herstellern der Autos. Die Strafzahlung dort für überschreiten des Flottengrenzwerts liegt bei 95 €/ Gramm Grenzwertüberschreitung auf einem Kilometer für jedes Auto. Nimmt man an, dass ein auto 300.000 km lange lebt. Entspricht dies einem CO2 Zertifikate Preis von 316 €/Tonne CO2. (Das wird wieder etwas weniger, wenn man rausrechnet, dass die Verbrauchswerte realistisch betrachtet um 40% höher sind.) Ich möchte mich hier nicht als Lobbyist für die Autobranche betätigen, aber ich denke, damit werden PKW nicht gerade bevorzugt, was den CO2 Handel anbelangt. Wichtig wäre außerdem den Bereich Prozesswärme für Firmen die noch unter der Grenze für den verpflichtenden CO2 Handel sind und Raumwärme (Heizung) mit einzubeziehen. Geht wie oben beschriebn ganz einfach über den Brennsotoff. Es wirkt halt wie eine Steuer. Welcher Politiker traut sich?
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