Klimaschutz Milliardär Branson wird Super-Umweltschützer

Der exzentrische Selfmade-Milliardär Richard Branson hat seine karitative Ader entdeckt. Sämtliche Gewinne aus Beteiligungen an Transportunternehmen will er für den Klimaschutz spenden. Die Summe: drei Milliarden Dollar.


New York - Richard Branson liebt das Bizarre: Gern tanzt er mit halb nackten Frauen auf Flugzeugflügeln. Er plant, Kurzausflüge ins All anzubieten - zum Preis von 200.000 Dollar - und baut dafür schon eifrig spezielle Flughäfen. Und vergangenes Jahr ließ er mit seiner Airline Virgin den "ultimativen Jetrosexuellen" suchen. Die seltsame Wortschöpfung war als Anspielung auf das Modewort "metrosexuell" gedacht, das exzentrische und sehr modebewusste Heterosexuelle beschreibt. Ein "Jetrosexueller" nerve niemals seinen Sitznachbarn, belege die Bordtoilette niemals länger als fünf Minuten und fliege quasi täglich, erklärte der Milliardär damals.

Jetzt scheint der Mann mit der Vorliebe für schräge Ideen sein umweltpolitisches Gewissen entdeckt zu haben - oder vielleicht auch schlicht die Marketingwirkung von Charity. Er wolle drei Milliarden Dollar in den Kampf gegen die globale Erderwärmung investieren, teilte der britische Selfmade-Milliardär jedenfalls heute mit. Das Geld umfasse die gesamten Einnahmen, die sein Konzern Virgin Group in den kommenden zehn Jahren aus den Beteiligungen im Transportgeschäft einnehme, sagte Branson auf einer Pressekonferenz in New York.

Der Unternehmer hält über Virgin Group Anteile an einer Reihe von Flug-und Bahngesellschaften weltweit. Dazu gehört auch Virgin Atlantic Airways. Branson hält 51 Prozent der Gesellschaft, 49 Prozent gehört der Singapore Airlines. "Unsere Generation hat eine wunderschöne Welt von ihren Eltern geerbt. Wir dürfen nicht die Generation werden, die verantwortlich für irreversible Schäden daran ist." Das Geld solle in die Anstrengungen fließen, Quellen erneuerbarer Energie zu finden.

Branson verkündete die Spendenidee am zweiten Tag der Clinton Global Initiative. Die von Ex-US-Präsident Bill Clinton ins Leben gerufene jährliche Konferenz bringt Politiker, Wirtschaft und Nonprofit-Organisationen zusammen und soll ein Ansporn sein, Armut, globale Erwärmung und religiöse sowie ethnische Konflikte zu lösen. Ein Treffen mit Clintons einstigem Vize-Präsident Al Gore habe ihn auf letztlich auf die Spendenidee gebracht, erklärte Branson auf diesem Treffen nun.

Al Gore setzt sich schon seit längerem für den Klimaschutz ein. Ein bisschen eifert Branson sicher auch Vorbildern wie Warren Buffet oder Bill Gates nach. Microsoft-Gründer Gates hat über seine Stiftung Bill and Melinda Gates Foundation bis heute 7,5 Milliarden Dollar etwa für Gesundheitsprojekte in Entwicklungsländern gespendet. Buffett, reich geworden durch Wertpapiergeschäfte, will Aktien seines Unternehmens Berkshire Hathaway im Wert von 40 Milliarden Dollar für gute Zwecke einsetzen - allein 30 Milliarden davon gehen an die Gates-Stiftung.

ase/reuters



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