Knappe Energie Bush will in Naturschutzgebieten nach Öl bohren

Jetzt werden die letzten Reserven angezapft: Weil Energie immer teurer wird, will Präsident Bush vor der US-Küste nach Öl bohren. Bisher war das aus Naturschutzgründen verboten. Führende Demokraten gehen einen anderen Weg - sie wollen das Opec-Kartell verklagen.


Washington - Die hohen Spritpreise empören Millionen Amerikaner. Präsident George W. Bush zieht deshalb einen besonderen Plan aus der Schublade: Er will neue Ölfelder vor der amerikanischen Küste erschließen lassen.

Pipeline in Alaska: "Serengeti Nordamerikas"
REUTERS

Pipeline in Alaska: "Serengeti Nordamerikas"

Ähnliche Vorhaben hat die Bush-Regierung schon früher geäußert, aktuell gilt jedoch ein Bohr-Moratorium vor der Küste: Aus Umweltschutzgründen haben die USA bisher darauf verzichtet, die vermuteten Vorkommen anzuzapfen.

Doch nun will Bush den Kongress am heutigen Mittwoch offiziell auffordern, das bestehende Bohr-Moratorium zu beenden, sagte seine Sprecherin Dana Perino. Dabei will Bush auch seine Forderung bekräftigen, mit der Ölförderung in einem Naturschutzgebiet in Alaska zu beginnen.

Umweltschützer laufen seit Jahren Sturm gegen dieses Vorhaben. Das Naturschutzgebiet Arctic National Wildlife Refuge (ANWR) liegt in einer Küstenebene und ist Lebensraum für Millionen Zugvögel, Karibus und andere Tiere. Fachleute bezeichnen das Gebiet als "Serengeti Nordamerikas".

Mit der Erschließung neuer Ölfelder hofft Bush offenbar, das Angebot zu erhöhen, was die Benzinpreise tendenziell drücken dürfte. Die geplante Aktion ist offenbar eine Antwort auf schlechte Meinungsumfragen. Weniger als ein Viertel der US-Bürger sind der Ansicht, dass Präsident Bush seine Arbeit gut mache. Dies sind die schlechtesten Werte in Bushs beiden Amtszeiten, teilte das Meinungsforschungsinstitut Harris mit.

Bei einer Befragung von 1001 US-Bürgern von Anfang Juni gaben nur 24 Prozent ihrem Präsidenten gute Noten. Zugleich gaben 80 Prozent der Befragten an, dass sich ihr Land auf dem falschen Weg befinde. Im April waren 75 Prozent der Befragten dieser Ansicht gewesen. Laut der Agentur erhielt nur US-Präsident Jimmy Carter schlechtere Umfragewerte als der Amtsinhaber, mit 22 Prozent im Juli 1980.

"Offenkundig sind die Wirtschaft und die Rekordpreise für Benzin ein großer Teil des Problems", teilte Harris mit. Auf die Frage, welches für sie das drängendste Problem sei, nannten 38 Prozent der Befragten die Wirtschaft, 25 Prozent den Krieg und 20 Prozent die Benzinpreise. Noch schlechtere Noten als Bush erhielt sein Stellvertreter Dick Cheney. Ihm bescheinigten nur 18 Prozent der Befragten gute Arbeit.

Neben Bush befürwortet auch der republikanische Präsidentschaftskandidat John McCain neue Bohrungen vor der Küste. Er forderte die Regierung auf, das seit 27 Jahren geltende Moratorium aufzuheben. Der demokratische Konkurrent Barack Obama hingegen warf McCain politische Stimmungsmache vor. Ein Ende des Bohrverbots werde am hohen Ölpreis nichts ändern, dafür aber der Natur schaden.

Ob Bush tatsächlich vor der Küste nach Öl bohren kann, ist denn auch fraglich. Im Kongress widersetzen sich die oppositionellen Demokraten den Plänen. Das Verbot gilt für über 80 Prozent der Gewässer in der äußeren Kontinentalplatte und bezieht sich auf die West- und die Ostküste der USA.

Die Demokraten gehen stattdessen einen anderen Weg: Eine Gruppe von Senatoren forderte die US-Regierung auf, eine formelle Beschwerde gegen das Ölkartell der Opec bei der Welthandelsorganisation WTO einzureichen. Die Opec (Organisation Erdöl exportierender Staaten) verstoße gegen den freien Welthandel, weil sie als Kartell die globalen Ölvorräte knapp halte, erklärten die elf Senatoren. Zehn der Beschwerdeführer gehören der Demokratischen Partei an, einer ist ein Unabhängiger.

Die acht Opec-Mitglieder, die auch der WTO angehörten, müssten zur Rechenschaft gezogen werden, erklärte der Anführer der Gruppe, Senator Frank Lautenberg, in einem Brief an die US-Handelsbeauftragte Susan Schwab. Deren Sprecherin Gretchen Hamel erklärte, man habe bereits über einen derartigen Schritt nachgedacht, halte ihn aber für nicht effektiv.

Am Mittwoch ist der Ölpreis leicht zurückgegangen. Ein Barrel (159 Liter) Leichtöl kostete im elektronischen Handel in Singapur 133,43 Dollar - 58 Cent weniger als am Vortag. Am Montag hatte der Ölpreis mit knapp 140 Dollar einen neuen Rekord aufgestellt. Grund für den leichten Preisrückgang seit Montag dürften Erwartungen sein, dass Saudi-Arabien als weltgrößter Produzent die Ölförderung steigert.

Analysten schauen nun gespannt der Krisenkonferenz am 22. Juni entgegen, zu der Saudi-Arabien eingeladen hat und an der Förderer, Abnehmer und Ölkonzerne teilnehmen sollen. Sollte es nicht gelingen, dann die Preisblase zum Platzen zu bringen, könnte der Ölpreis auf die Marke von 150 Dollar zusteuern.

wal/AP/AFP/Reuters



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Hercules Rockefeller, 23.05.2008
1. Keine Panik
Als Expertenexperte der Bundesregierung ehrenhalber sage ich Ihnen, nix davon, was im Artikel steht wird so eintreten. Was die Möchtegernexperten nämlich völlig ausser Acht lassen ist, dass es durchaus nicht beim Status Quo bleiben muss und die ein oder andere bahnbrechende Efindung im Energiegewinnungsbereich anfallen könnte. Die Solartechbranche ist doch nur eine Bastelgruppe für Ökogören, keine relevante Energietechnik. Da werden noch andere Dinge hinzukommen. Auch das Auto wird sich noch auf Jahrzehnte jeder leisten können, és wird nur weniger gefahren. Ganz aufgegeben werden muss da garnix, alleine weil bei sehr vielen der Arbeitgeber zuschießen wird-andernfalls fahren die Arbeitskräfte eben bei der Konkurrenz auf den Hof. Alle können nicht in der Stadt wohnen. Mieten werden steigen, aber nicht explodieren. Der Markt macht den Preis. Und da die Leute nicht mehr verdienen, kann man sich dann als Vermieter aussuchen, ob man die Immobilie leer haben will oder wenigstens so vermietet, das man nahe Null bei den Kosten wieder rauskommt. Immobilien taugen schon heute nicht mehr als Anlage, das wird sich nicht mehr ändern und hat mit der Energieproblematik so garnix zu tun. Wärmepumpenpreise werden auch nicht explodieren. Glauben die Experten wirklich, ein ganzes Volk würde lieber erfrieren, als einfach ein Patent zu brechen? Selber machen geht immer und das wird auch passieren. Bis zu einem gewissen Grad kann man den Preis hochdrehen, danach wird man selber höher gehängt! Und so weiter... Im Gegenteil, es wird schön werden. Regionale Wirtschaft wird aufblühen, Verkehr wird zurückgehen und damit die Ruhe und Entspannung, es wird mehr miteinander geben und das Wetter wird endlich auch wärmer in Deutschland. Wir gewinnen auf der ganzen Linie!
apira 23.05.2008
2.
Zitat von sysopDer Ölpreis steigt und steigt, und trotz wachsender Nachfrage kommen die Konzerne bei der Förderung nicht hinterher. Geht das fossile Zeitalter zu Ende? Und wenn ja: Was heißt das für Deutschland?
Es ist toll. Ökonomen und pragmatische Umweltpolitiker erzählen das seit 20 Jahren, aber auf einmal ists für alle ne große Überraschung. Wurden Befürworter einer Ökosteuer einst verlacht, dringt die Erkenntnis heute in den letzten Winkel vor, dass ein vernünftiges Modell einer solchen Abgabe die Zukunft sichert, während ich die großen Verschwender untergehen sehe. Klar, über kurz oder lang wird der Markt sich auf die veränderte Situation einstellen, und sich anpassen. Gewinnen werden aber diejenigen, die heute die Rahmenbedingungen des Marktes vorausschauend setzen. Entsprechend halte ich Ideen, gerade jetzt mit einer staatlichen Senkung der Energiepreise zu reagieren für den ganz falschen Ansatz. In diesen sauren Apfel werden wir beissen müssen, wenn unsere Gesellschaft verhältnismäßig weich landen will.
Eiermann 23.05.2008
3. Steigende Ölnachfrage aus Schwellenländern
Zwischen beidem muß kein Gegensatz bestehen. Die Unterschiede der Schwellenländer zu den etablierten Industrieländern sind natürlich insgesamt nach wie vor gewaltig. Was daran liegt, dass der beschleunigte Aufstieg dieser Länder gerade erst ein, zwei Jahrzehnte währt. Sie heißen schließlich nicht umsonst Schwellenländer. Was China angeht, habe ich neulich glaube ich sogar in einer Fernsehsendung von einem Rückgang oder gar Umkehr dieses Auswanderungsdrangs von Studenten gehört. Also dass chinesische Studenten, die im Ausland studieren, bereits viel weniger als früher im Ausland bleiben wollen, sondern viel bereitwilliger wieder nach China zurückkehren. Die nach wie vor bestehenden großen Unterschiede zwischen Schwellen- und Indusstrieländern ändern nichts daran, dass mit der Globalisierung neue große ökonomische Player auf den Weltmarkt getreten sind, die mit China, Indien und weiteren asiatischen Ländern bereits ganze Industrien aus den bisherigen Industrieländern abziehen und als zusätzliche ökonomische Akteure und Konsumenten entsprechend mehr Energie, darunter Öl verbrauchen. Ein zur Neige gehender Rohstoff führt zum Ausschluß von immer mehr Konsum und Konsumenten dieses Rohstoffs über steigende Preise. Um so mehr, wenn keine gleichwertigen Alternativen bereitstehen. Die millionenfach steigende Nachfrage aus den Schwellenländern stößt hier schlicht an physische Grenzen eines nur begrenzt vorhandenen Rohstoffs. Weil das Öl von immer mehr Produzenten und Konsumenten nachgefragt wird, wird diese Nachfrage logisch einer immer größer werdenden Zahl dieser Nachfrager über steigende Preise verwehrt. Naheliegend auch, dass das die Konsumenten mit geringeren Einkommen in eben jenen Schwellenländern zuerst trifft. Die Globaliserung mit Hunderten Millionen neuen Produzenten und Konsumenten stößt hier auf den Flaschenhals einer nur begrenzt vorhandenen und förderbaren Energieflüssigkeit und deshalb steigen die Preise entsprechend. Es kommt halt nur raus aus der Pulle, was drin ist und durch kommt. Was soll sich denn bei der stetig steigenden Nachfrage nach einem zu Ende gehenden Rohstoff zum Besseren ändern? Das finde ich lustig, wenn ich Öl- und Wirtschaftsexperten nur von Gefahren für die Konjunktur reden höre, sollte der Ölpreis länger als ein halbes Jahr so hoch bleibt wie jetzt. Ich fürchte, in einem halben Jahr ist er angesichts dieser Konstellationen noch viel höher als jetzt. Beunruhigend finde ich zumindest, dass diese reale Möglichkeit von den Experten noch kaum ins Auge gefasst wird.
Triakel 23.05.2008
4.
Ja, die Verfügbarkeit von Öl auf dem Weltmarkt wird jedes Jahr deutlich zurückgehen, mit steigenden Rückgangsraten. Währenddessen gilt für ein paar Förderländer noch business as usual, denn die haben noch für wenige Jahrzehnte genug Öl zum Verschwenden. Wir als eines der vielen Habenichts-Länder werden vermutlich 2030 kaum noch Öl importieren können. Etwas zeitversetzt wird dann auch der Import von Erdgas einbrechen, beginnend mit dem Ende der nächsten Dekade. In der Folge wird auch die Kohle sich stark verteuern. Folgen: geschlossene Theater, die die Heizkosten nicht mehr bezahlen können, kalte Wohnungen von Menschen bis in den Normalverdiener-Bereich hinein, drastisch zurückgehende Mobilität, Zusammenbruch vieler industrieller Wertschöpfungsketten, die besonders stark auf Öl basieren, drastischer Rückgang des Tourismus mit Insolvenz vieler Tourismus-Einrichtungen, erheblicher Rückgang des Steueraufkommens, was praktisch einem Staatsbankrott gleichkommt. Das wiederum bewirkt einen Niedergang der staatlich finanzierten Infrastruktur, der sozialen Transferleistungen (z.B. Renten) usw. Nun ja, ich möchte keinen Roman schreiben. Die detail-Auswirkungen soll sich jeder selbst ausmalen. Aber vielleicht naht von irgendwoher die Rettung und irgendjemand stellt uns in 10 Jahren eine kompltte Solar-Infrastruktur hin, die wir eigentlich in den letzten 40 Jahren hätten errichten müssen. Inklusive der Lösung des Speicherungsproblems für Solarstrom. Dann sind wir fein raus...
slugs, 23.05.2008
5.
Zitat von sysopDer Ölpreis steigt und steigt, und trotz wachsender Nachfrage kommen die Konzerne bei der Förderung nicht hinterher. Geht das fossile Zeitalter zu Ende? Und wenn ja: Was heißt das für Deutschland?
Ist doch toll. Not macht erfinderisch. Das hat für uns Menschen schon immer gegolten. Also soll die Panikmache ruhig weiter ausgebaut werden, dann werden wir auch schneller innovativ :)
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