Knappe Ressourcen: BP-Studie meldet sinkende Ölförderung

Der weltweite Ölverbrauch ist im vergangenen Jahr drastisch gestiegen. Laut einer BP-Studie wächst die Nachfrage vor allem in Schwellenländern. Gleichzeitig geht die Ölproduktion zurück. Trotzdem gibt sich der Konzern optimistisch: Die Reserven sollen noch 41 Jahre reichen.

Berlin - An den internationalen Energiemärkten häufen sich die schlechten Nachrichten. Laut einer Studie des Energiekonzerns BP ist der weltweite Ölverbrauch im vergangenen Jahr um 1,1 Prozent gestiegen. Gleichzeitig sank die Produktion um 0,2 Prozent.

Ölförderung (in den USA): Deutschland ist Weltmeister im Energiesparen
AFP

Ölförderung (in den USA): Deutschland ist Weltmeister im Energiesparen

In absoluten Mengen bedeutet dies einen Rückgang der Förderung um 130.000 Barrel pro Tag. Der Verbrauch hat dagegen um eine Million Barrel am Tag zugelegt. Ein Barrel entspricht 159 Litern.

Die Zahlen gehen aus dem Weltenergiebericht hervor, den der Mineralölkonzern BP an diesem Mittwoch in Berlin vorgelegt hat. Demnach hat nicht nur der Ölverbrauch zugenommen. Noch stärker stieg die Nachfrage nach Kohle und Erdgas.

Allerdings gibt es große regionale Differenzen. Beim Ölverbrauch verzeichnet die Studie die stärkste Zunahme im Nahen Osten, in Süd- und Mittelamerika sowie in Afrika. In der Asien-Pazifik-Region stieg der Ölverbrauch ebenfalls deutlich, mit hohen Wachstumsraten vor allem in den Schwellenländern.

In den 30 Industrieländern der OECD sank der Verbrauch dagegen um 0,9 Prozent. In Deutschland ging der Ölverbrauch 2007 sogar um neun Prozent zurück. Die Deutschen sind damit Weltmeister im Energiesparen. Der deutsche Anteil am gesamten Ölverbrauch lag 2007 bei 2,8 Prozent. Nordamerika kam dagegen auf 28,7 Prozent.

Die von BP vorgelegten Zahlen dürften an den Rohstoffmärkten für Diskussionsstoff sorgen. Ein knappes Angebot bei steigender Nachfrage dürfte die Preise weiter nach oben treiben. Derzeit pendelt der Ölpreis zwischen 130 und 140 Dollar pro Fass. Deutsche Top-Manager halten bereits einen Anstieg auf 180 Dollar für möglich.

BP versucht dennoch, die Märkte zu beruhigen. Der Studie zufolge sind die nachgewiesenen Ölreserven 2007 im Wesentlichen unverändert geblieben. Die bekannten 1,24 Billionen Barrel müssten demnach ausreichen, um das gegenwärtige Produktionsniveau rund 41 Jahre aufrechtzuerhalten. Die Vorkommen fossiler Brennstoffe reichten weiterhin aus, um eine wachsende Produktion zu unterstützen.

Um den Energieverbrauch in Deutschland weiter zu drosseln, hat die Bundesregierung an diesem Mittwoch neue Klimaschutzmaßnahmen auf den Weg gebracht. Das Bundeskabinett verabschiedete den zweiten Teil des sogenannten Klimaschutzpakets. Es sieht unter anderem höhere Energieeffizienzstandards für Gebäude, eine höhere Lkw-Maut und einen Ausbau des Stromleitungsnetzes vor. Mit den verschiedenen Maßnahmen will Deutschland dem Ziel näher kommen, klimaschädliche Treibhausgase bis 2020 um 40 Prozent gegenüber 1990 zu senken.

wal/AP/Reuters/dpa/ddp

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Welt ohne Öl - was heißt das für Deutschland?
insgesamt 3200 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Keine Panik
Hercules Rockefeller 23.05.2008
Als Expertenexperte der Bundesregierung ehrenhalber sage ich Ihnen, nix davon, was im Artikel steht wird so eintreten. Was die Möchtegernexperten nämlich völlig ausser Acht lassen ist, dass es durchaus nicht beim Status Quo bleiben muss und die ein oder andere bahnbrechende Efindung im Energiegewinnungsbereich anfallen könnte. Die Solartechbranche ist doch nur eine Bastelgruppe für Ökogören, keine relevante Energietechnik. Da werden noch andere Dinge hinzukommen. Auch das Auto wird sich noch auf Jahrzehnte jeder leisten können, és wird nur weniger gefahren. Ganz aufgegeben werden muss da garnix, alleine weil bei sehr vielen der Arbeitgeber zuschießen wird-andernfalls fahren die Arbeitskräfte eben bei der Konkurrenz auf den Hof. Alle können nicht in der Stadt wohnen. Mieten werden steigen, aber nicht explodieren. Der Markt macht den Preis. Und da die Leute nicht mehr verdienen, kann man sich dann als Vermieter aussuchen, ob man die Immobilie leer haben will oder wenigstens so vermietet, das man nahe Null bei den Kosten wieder rauskommt. Immobilien taugen schon heute nicht mehr als Anlage, das wird sich nicht mehr ändern und hat mit der Energieproblematik so garnix zu tun. Wärmepumpenpreise werden auch nicht explodieren. Glauben die Experten wirklich, ein ganzes Volk würde lieber erfrieren, als einfach ein Patent zu brechen? Selber machen geht immer und das wird auch passieren. Bis zu einem gewissen Grad kann man den Preis hochdrehen, danach wird man selber höher gehängt! Und so weiter... Im Gegenteil, es wird schön werden. Regionale Wirtschaft wird aufblühen, Verkehr wird zurückgehen und damit die Ruhe und Entspannung, es wird mehr miteinander geben und das Wetter wird endlich auch wärmer in Deutschland. Wir gewinnen auf der ganzen Linie!
2.
apira 23.05.2008
Zitat von sysopDer Ölpreis steigt und steigt, und trotz wachsender Nachfrage kommen die Konzerne bei der Förderung nicht hinterher. Geht das fossile Zeitalter zu Ende? Und wenn ja: Was heißt das für Deutschland?
Es ist toll. Ökonomen und pragmatische Umweltpolitiker erzählen das seit 20 Jahren, aber auf einmal ists für alle ne große Überraschung. Wurden Befürworter einer Ökosteuer einst verlacht, dringt die Erkenntnis heute in den letzten Winkel vor, dass ein vernünftiges Modell einer solchen Abgabe die Zukunft sichert, während ich die großen Verschwender untergehen sehe. Klar, über kurz oder lang wird der Markt sich auf die veränderte Situation einstellen, und sich anpassen. Gewinnen werden aber diejenigen, die heute die Rahmenbedingungen des Marktes vorausschauend setzen. Entsprechend halte ich Ideen, gerade jetzt mit einer staatlichen Senkung der Energiepreise zu reagieren für den ganz falschen Ansatz. In diesen sauren Apfel werden wir beissen müssen, wenn unsere Gesellschaft verhältnismäßig weich landen will.
3. Steigende Ölnachfrage aus Schwellenländern
Eiermann 23.05.2008
Zwischen beidem muß kein Gegensatz bestehen. Die Unterschiede der Schwellenländer zu den etablierten Industrieländern sind natürlich insgesamt nach wie vor gewaltig. Was daran liegt, dass der beschleunigte Aufstieg dieser Länder gerade erst ein, zwei Jahrzehnte währt. Sie heißen schließlich nicht umsonst Schwellenländer. Was China angeht, habe ich neulich glaube ich sogar in einer Fernsehsendung von einem Rückgang oder gar Umkehr dieses Auswanderungsdrangs von Studenten gehört. Also dass chinesische Studenten, die im Ausland studieren, bereits viel weniger als früher im Ausland bleiben wollen, sondern viel bereitwilliger wieder nach China zurückkehren. Die nach wie vor bestehenden großen Unterschiede zwischen Schwellen- und Indusstrieländern ändern nichts daran, dass mit der Globalisierung neue große ökonomische Player auf den Weltmarkt getreten sind, die mit China, Indien und weiteren asiatischen Ländern bereits ganze Industrien aus den bisherigen Industrieländern abziehen und als zusätzliche ökonomische Akteure und Konsumenten entsprechend mehr Energie, darunter Öl verbrauchen. Ein zur Neige gehender Rohstoff führt zum Ausschluß von immer mehr Konsum und Konsumenten dieses Rohstoffs über steigende Preise. Um so mehr, wenn keine gleichwertigen Alternativen bereitstehen. Die millionenfach steigende Nachfrage aus den Schwellenländern stößt hier schlicht an physische Grenzen eines nur begrenzt vorhandenen Rohstoffs. Weil das Öl von immer mehr Produzenten und Konsumenten nachgefragt wird, wird diese Nachfrage logisch einer immer größer werdenden Zahl dieser Nachfrager über steigende Preise verwehrt. Naheliegend auch, dass das die Konsumenten mit geringeren Einkommen in eben jenen Schwellenländern zuerst trifft. Die Globaliserung mit Hunderten Millionen neuen Produzenten und Konsumenten stößt hier auf den Flaschenhals einer nur begrenzt vorhandenen und förderbaren Energieflüssigkeit und deshalb steigen die Preise entsprechend. Es kommt halt nur raus aus der Pulle, was drin ist und durch kommt. Was soll sich denn bei der stetig steigenden Nachfrage nach einem zu Ende gehenden Rohstoff zum Besseren ändern? Das finde ich lustig, wenn ich Öl- und Wirtschaftsexperten nur von Gefahren für die Konjunktur reden höre, sollte der Ölpreis länger als ein halbes Jahr so hoch bleibt wie jetzt. Ich fürchte, in einem halben Jahr ist er angesichts dieser Konstellationen noch viel höher als jetzt. Beunruhigend finde ich zumindest, dass diese reale Möglichkeit von den Experten noch kaum ins Auge gefasst wird.
4.
Triakel 23.05.2008
Ja, die Verfügbarkeit von Öl auf dem Weltmarkt wird jedes Jahr deutlich zurückgehen, mit steigenden Rückgangsraten. Währenddessen gilt für ein paar Förderländer noch business as usual, denn die haben noch für wenige Jahrzehnte genug Öl zum Verschwenden. Wir als eines der vielen Habenichts-Länder werden vermutlich 2030 kaum noch Öl importieren können. Etwas zeitversetzt wird dann auch der Import von Erdgas einbrechen, beginnend mit dem Ende der nächsten Dekade. In der Folge wird auch die Kohle sich stark verteuern. Folgen: geschlossene Theater, die die Heizkosten nicht mehr bezahlen können, kalte Wohnungen von Menschen bis in den Normalverdiener-Bereich hinein, drastisch zurückgehende Mobilität, Zusammenbruch vieler industrieller Wertschöpfungsketten, die besonders stark auf Öl basieren, drastischer Rückgang des Tourismus mit Insolvenz vieler Tourismus-Einrichtungen, erheblicher Rückgang des Steueraufkommens, was praktisch einem Staatsbankrott gleichkommt. Das wiederum bewirkt einen Niedergang der staatlich finanzierten Infrastruktur, der sozialen Transferleistungen (z.B. Renten) usw. Nun ja, ich möchte keinen Roman schreiben. Die detail-Auswirkungen soll sich jeder selbst ausmalen. Aber vielleicht naht von irgendwoher die Rettung und irgendjemand stellt uns in 10 Jahren eine kompltte Solar-Infrastruktur hin, die wir eigentlich in den letzten 40 Jahren hätten errichten müssen. Inklusive der Lösung des Speicherungsproblems für Solarstrom. Dann sind wir fein raus...
5.
slugs 23.05.2008
Zitat von sysopDer Ölpreis steigt und steigt, und trotz wachsender Nachfrage kommen die Konzerne bei der Förderung nicht hinterher. Geht das fossile Zeitalter zu Ende? Und wenn ja: Was heißt das für Deutschland?
Ist doch toll. Not macht erfinderisch. Das hat für uns Menschen schon immer gegolten. Also soll die Panikmache ruhig weiter ausgebaut werden, dann werden wir auch schneller innovativ :)
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wirtschaft
Twitter | RSS
alles zum Thema Ölpreis
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • -21-