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Knapper Rohstoff: Ölstaaten brauchen ihre eigenen Vorräte auf

Wird Öl bald noch viel teurer? Die wichtigsten Exporteure der Welt werden immer durstiger, Folge ihres wachsenden Wohlstandes. Schon bald müssen einige Ölnationen selbst den Rohstoff importieren - und der Westen muss anderswo nach neuen Reserven suchen.

New York - Sie exportieren Unmengen Öl in die ganze Welt und werden immer reicher: Länder wie Saudi-Arabien, Mexiko und Iran scheffeln Milliarden Dollar mit dem Rohstoff. Die Folge: Auch in den Ölstaaten fahren immer mehr Menschen Auto, bauen Häuser und Fabriken. Und treiben damit den Ölverbrauch direkt neben der Quelle rasant in die Höhe.

Gleichzeitig subventionieren viele der ölreichen Länder noch immer ihre Energiepreise, was einen verschwenderischen Lebensstil fördert.

Nun kommen Experten zu alarmierenden Prognosen: Setzt sich die Entwicklung fort, müssen einige der großen Ölexporteure bald selbst Öl importieren. Das ölreiche Indonesien hat sich bereits vom Exporteur zum Importeur gewandelt. Binnen fünf Jahren könnte Mexiko folgen, einige Jahre später Iran, der weltweit viertgrößte Ölexporteur.

Laut einer Studie der Canadian Imperial Bank of Commerce (CIBC), über die die "New York Times" berichtet, werden die iranischen Exporte bis 2010 um mehr als die Hälfte abnehmen, da Iran sein Öl zusehends selbst benötigt. Selbst Saudi-Arabien werde bis 2010 zwar deutlich mehr Öl fördern, davon aber gut 40 Prozent benötigen, um den gesteigerten Eigenbedarf zu decken. In Kuweit und Libyen dürfte sich der Ölkonsum in der nächsten Dekade verdoppeln. Bahrein, Katar und die Vereinigten Arabischen Emirate haben laut CIBC-Studie bereits heute einen höheren Pro-Kopf-Ölkonsum als die USA.

Ölexporte nehmen bereits ab

Von 2005 bis 2006 steigerte sich der Ölkonsum der fünf größten Exporteure - Saudi-Arabien, Russland, Norwegen, Iran und die Vereinigten Arabischen Emirate - um 5,9 Prozent. Die Exporte nahmen im selben Zeitraum um drei Prozent ab.

Viele Experten sind sich einig: Der globale Ölmarkt steht vor einem dramatischen Wandel. Faith Birol, Chefökonom der Pariser Energieagentur, schätzt, dass der Öldurst der Exportländer in diesem Strukturwandel bislang der zweitgrößte Faktor ist. Nur der steigende Energiehunger der Schwellenländer Indien und China beeinflusse das Verhältnis von Angebot und Nachfrage mehr, sagte er der "New York Times".

Bis Ende des Jahrzehnts könnten die weltweiten Exporte laut CIBC-Report um 2,5 Millionen Barrel (159 Liter) pro Tag zurückgehen. Das entspräche etwa drei Prozent der weltweiten Nachfrage. Da der Ölmarkt sehr unflexibel ist, können bereits kleine Schwankungen in der Versorgung drastische Preiserhöhungen auslösen. Als 2002 durch einen Arbeiterstreik in Venezuela etwa drei Prozent der globalen Ölversorgung kurzzeitig ausfielen, stieg der Ölpreis um 26 Prozent.

Die nachlassende Exportkraft der ölreichen Länder muss nach Meinung der Experten aber nicht zwangsläufig zu erneuten Preiserhöhungen führen. Eher dürften bislang unerschlossene Gebiete an Bedeutung gewinnen - vor allem solche, in denen Ölförderung bislang per Gesetz untersagt ist.

"In den nächsten zehn Jahren könnte die Ölförderung um bis zu 20 Prozent zunehmen", sagte Daniel Yergin, der Vorsitzende der Cambridge Energy Research Associates, der "New York Times". Inwieweit bislang ungenutzte Rohstoffvorräte angetastet werden, hänge dann noch stärker von der geopolitischen Lage ab.

ssu

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