Knappes Öl Energieagentur warnt vor Mega-Wirtschaftskrise 2013

Der Welt droht in vier Jahren ein massiver Öl-Engpass. "Wir könnten auf eine neue Krise zusteuern, deren Ausmaß die gegenwärtige übertreffen könnte", warnt die Internationale Energieagentur. Grund ist ausgerechnet der aktuell niedrige Ölpreis - die Konzerne investieren zu wenig in Förderprojekte.


Paris - Die Internationale Energieagentur (IEA) in Paris warnt vor einer neuen Weltwirtschaftkrise, die wegen mangelnder Ölvorräte gegen 2013 auftreten könnte. "Wir könnten auf eine neue Krise zusteuern, deren Ausmaß die gegenwärtige übertreffen könnte", sagte IEA-Direktor Nobuo Tanaka der "Süddeutschen Zeitung".

Ölförderung (in Niedersachsen): Experten warnen vor einem Preis von bis zu 200 Dollar pro Barrel
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Ölförderung (in Niedersachsen): Experten warnen vor einem Preis von bis zu 200 Dollar pro Barrel

Grund sei, dass große Ölkonzerne wegen der aktuell niedrigen Ölpreise ihre Investitionen in neue Förderprojekte stoppten. Das könnte sich rächen, wenn die globale Finanzkrise nachlässt und die Konjunktur wieder an Fahrt gewinnt. "Wenn die Nachfrage (nach Öl) wieder anzieht, könnte es zu einem Versorgungsengpass kommen. Wir prophezeien sogar, dass dieser Engpass 2013 eintreten könnte", sagte Tanaka.

Auch andere Experten sagen voraus, dass weltweit die Wirtschaft und damit die Öl-Nachfrage 2010 wieder anspringen. Bei einem Engpass würde der Ölpreis jedoch explodieren, was die Inflation befeuert - und damit das Weltwirtschaftswachstum erneut gefährdet.

Tanaka erwartet, dass die Lage sich bis 2013 zuspitzt, weil weltweit die Ölförderkapazitäten sinken und die Reservevorräte bis dahin stark schrumpfen. Bei einem erwarteten Engpass könnte der Ölpreis laut Experten den bisherigen Höchststand vom Sommer 2008 noch übertreffen und bis zu 200 Dollar pro Barrel erreichen. "Deswegen mahnen wir die Ölgesellschaften zu investieren", fügte Tanaka hinzu.

Im vergangenen Sommer war der Ölpreis auf mehr als 140 Dollar pro Fass gestiegen. Derzeit pendelt er um die 40 Dollar.

Tanaka rief die Industriestaaten zu einer radikalen Wende in der Energiepolitik auf. Er bedauerte, dass wegen der Wirtschaftskrise auch die Investitionen in erneuerbare Energien und in Atomkraft zurückgingen. Wenn keine zusätzlichen Maßnahmen gegen den Klimawandel ergriffen würden und die CO2-Emissionen im gleichen Maße zunähmen, verursache dies einen Anstieg der Erdwärme um sechs Grad Celsius am Ende dieses Jahrhunderts. "Das wäre ein Desaster", sagte Tanaka.

wal/AFP/AP

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