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Koalitionspoker: Kündigungsschutz wird gelockert, Lohnnebenkosten sollen sinken

Die schwarz-roten Unterhändler bohren jetzt die dicken Bretter: Die Lohnnebenkosten sollen um zwei Prozentpunkte sinken. Zugleich wird der Kündigungsschutz aufgeweicht. Er gilt für neue Mitarbeiter erst nach zwei Jahren. Die SPD setzte sich dagegen in Sachen Atomkraft durch.

Berlin - Am Vormittag gab Ronald Pofalla das Thema für die nächsten Gespräche vor: Der Beitrag für die Arbeitslosenversicherung solle um zwei Prozentpunkte sinken, sagte der stellvertretende Fraktionsvorsizende der Union auf N-tv. Eine Verringerung der Beiträge um einen Prozentpunkt solle aus den Mitteln der Bundesagentur für Arbeit finanziert werden. Eine Senkung um einen weiteren Prozentpunkt könnte über eine Erhöhung der Mehrwertsteuer finanziert werden, die aber weiter umstritten ist.

In der Frage des Kündigungsschutzes ist die Einigung schon da. Die Arbeitsmarktexperten von Union und SPD einigten sich laut Pofalla darauf, eine zweijährige Probe- oder Wartezeit einzuführen. Bei Neueinstellungen greift der volle Kündigungsschutz damit erst nach 24 Monaten.

Dafür sollen die Befristungsmöglichkeiten eingeschränkt werden, wofür sich die SPD eingesetzt hatte. Der SPD-Arbeitsmarktexperte Klaus Brandner zeigte sich mit dem Ergebnis insgesamt zufrieden. "Ich bin davon überzeugt, dass der Wille einfach da ist, eine große Koalition zu bilden." Zugleich räumte er ein: "Wir haben beim Kündigungsschutz Federn gelassen."

SPD setzt sich bei Atom-Frage durch

Bei den Gesprächen hat damit jeder der Partner ein paar Zugeständnisse durchdrücken können, um seine eigene Klientel zufrieden zu stellen. Die SPD konnte als Ausgleich für den Kompromiss beim Kündigungsschutz eine Verlängerung der Laufzeiten für Atomkraftwerke verhindern, wie die "Süddeutsche Zeitung" schreibt. In der Frage der umstrittenen Laufzeiten heiße es nun, beide Seiten hätten das geltende Gesetz "zur Kenntnis genommen". Nach dem Atomkonsens der rot-grünen Regierung mit den Energiekonzernen müssen die Atommeiler rechnerisch nach 32 Jahren Laufzeit abgeschaltet werden.

In der Koalitions-Arbeitsgruppe Arbeitsmarkt einigten sich die Experten darauf, bei der Hartz-IV-Reform statt nur 1,8 Milliarden, 4 Milliarden Euro zu sparen.

Einem Bericht der "Passauer Neuen Presse" zufolge planen SPD und Union auch bei der Altersversorgung der Bundesregierung finanzielle Einschnitte. Man habe sich bei den Verhandlungen über eine Große Koalition darauf geeinigt, dass Minister und Parlamentarische Staatssekretäre zukünftig nicht bereits mit 60, sondern erst mit 65 Jahren Pension beziehen könnten. Das hätten Koalitionskreise geäußert.

Steinbrück: Keine Einigung bei Mehrwertsteuer

Darüber hinaus sei man sich grundsätzlich einig, dass Pensionsansprüche der Regierungsmitglieder nicht bereits nach zwei Jahren, sondern erst nach einer vollen Legislaturperiode von vier Jahren erworben werden können.

Beide Seiten streben am Freitag eine Einigung in allen Sachfragen an. An diesem Mittwoch ist keine große Verhandlungsrunde geplant. Pofalla wollte mit dem designierten Arbeitsminister Franz Müntefering die Details des Kompromisses in der Arbeitsgruppe besprechen.

Die Einigung über die Mehrwertsteuer kommt nach Worten Steinbrücks erst in der Schlussrunde. Dann sei klar, "was wir auf der Ausgabenseite wirklich erbringen können". Die Union hält eine Anhebung von 16 auf 19 Prozent für wahrscheinlich.

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insgesamt 776 Beiträge
DJ Doena 09.11.2005
Sie versprechen 2% Senkung der Lohnnebenkosten. Hab ichs überlesen oder wo steht, wo die 2% abfallen sollen? Lohnsteuer? ALV? RV? KV? Soli?
Sie versprechen 2% Senkung der Lohnnebenkosten. Hab ichs überlesen oder wo steht, wo die 2% abfallen sollen? Lohnsteuer? ALV? RV? KV? Soli?
DJ Doena 09.11.2005
PS: Ach hier stehts: http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,383977,00.html ALV solls also werden ... und das bei gesteigerten H4-Ausgaben -> wer's glaubt, wird selig. Dumm nur, dass ich Atheist bin.
PS: Ach hier stehts: http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,383977,00.html ALV solls also werden ... und das bei gesteigerten H4-Ausgaben -> wer's glaubt, wird selig. Dumm nur, dass ich Atheist bin.
pps 09.11.2005
Warum und wie sollte es? 50jährige Probezeit, das isses doch! Auf dem Grabstein wird eingemeiselt: JETZT ist er/sie fest angestellt! Ach ja, bei Spezialisten geht der Schuß für den AG nach hinten los. Schwupps Kündigung [...]
Zitat von sysopGelockerter Kündigungsschutz, niedrigere Lohnnebenkosten: Die Koalition geht ans Eingemachte. Sind die geplanten Arbeitsmarktreformen richtig, nützen sie der Industrie und dem Mittelstand gleichermaßen? Werden damit endlich Arbeitsplätze und stärkeres Wachstum geschaffen?
Warum und wie sollte es? 50jährige Probezeit, das isses doch! Auf dem Grabstein wird eingemeiselt: JETZT ist er/sie fest angestellt! Ach ja, bei Spezialisten geht der Schuß für den AG nach hinten los. Schwupps Kündigung vom AN, und die Firma ist kaputt. Aber DA gibt's dann wieder Ausnahmeregelungen und 'ne Regelung von der Regelung. Tollhaus Berlin. In Bonn wäre das nicht passiert.
Arne Lund 09.11.2005
Kündigungsschutz? Sowas kenne ich schon gar nicht mehr...wer kam oder kommt noch gleich in den Genuß dieses Privilegs? Politiker? Beamte? Einige versprengte Arbeitnehmer aus der Metallindustrie? Schnell weg damit! :)
Kündigungsschutz? Sowas kenne ich schon gar nicht mehr...wer kam oder kommt noch gleich in den Genuß dieses Privilegs? Politiker? Beamte? Einige versprengte Arbeitnehmer aus der Metallindustrie? Schnell weg damit! :)
Thorben-Hendrik 09.11.2005
Nach meiner betrieblichen Praxis kann ich dazu nur feststellen: Bin ich nach Ablauf der heute maximal zulässigen Probezeit immer noch nicht sicher ob ich einen Mitarbeiter in ein festes Arbeitsverhältnis übernehmen soll, dann [...]
Nach meiner betrieblichen Praxis kann ich dazu nur feststellen: Bin ich nach Ablauf der heute maximal zulässigen Probezeit immer noch nicht sicher ob ich einen Mitarbeiter in ein festes Arbeitsverhältnis übernehmen soll, dann weiss ich es nie. Meiner Ansicht nach handelt es sich bei der Verlängerung der Probezeit letztlich nur um eine teilweise Abschaffung des Kündigungsschutzes ohne irgendeine Kompensation für die Arbeitnehmerseite. Wenn Änderung, dann bitte den Kündigungsschutz komplett abschaffen und durch eine gesetzliche Abfindungsregelung ersetzen, Beispiele dazu gibt es bei europäischen Nachbarn. So erhalten die Arbeitgeber die geforderte Flexibilität und die Arbeitnehmerseite wenigstens eine teilweise Kompensation. Bei der Gelegenheit könnte man auch gleich noch einen gesetzlichen Mindestlohn einführen, ist auch lange überfällig.
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  • Mittwoch, 09.11.2005 – 10:36 Uhr
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