Koffer-Sensation Italien rätselt über angeblichen Milliarden-Fund

134 Milliarden Dollar in einem Koffer: Der italienische Zoll hat angebliche US-Staatsanleihen mit gigantischem Wert gefunden. Jetzt rätseln die Behörden: Sind die Papiere echt? Falls ja, winkt ein gewaltiger Geldsegen. Doch die Affäre wirft Fragen auf.

Von Francesco Welti, Chiasso


Chiasso - An der Schweizer Grenze spüren Zollbeamte immer wieder Schmuggler auf - doch dieser Fang ist einmalig: In einem Koffer wollten zwei vermutlich aus Japan stammende Männer angebliche US-Staatsanleihen im Nennwert von 134 Milliarden Dollar aus Italien ausführen. Die Guardia di Finanza hat die beiden festgesetzt. Doch jetzt geht das Rätselraten erst los.

Cosimo D'Arrigo, Chef der Guardia di Finanza: Die Behörden prüfen noch
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Cosimo D'Arrigo, Chef der Guardia di Finanza: Die Behörden prüfen noch

Welches Ziel hatten die Asiaten? Woher stammen die Papiere? Und vor allem: Sind sie echt?

Fest steht: Die Zöllner an der italienisch-schweizerischen Grenze stellen immer wieder gewaltige Vermögenswerte sicher. Meist fischen sie italienische Geldkuriere aus dem Verkehr: Profis benutzen speziell präparierte Autos, um Banknoten vermeintlich sicher zu verstauen und zwischen den Ländern zu verschieben. Ein Millionenbetrag an Schwarzgeld ist nichts besonderes, neuerdings stoßen die Beamten vermehrt auch auf Goldbarren.

Schmuggelskandal oder Fälschung?

Doch der aktuelle Fund ist einmalig - allein wegen seiner Dimension. Die beiden festgesetzten Männer waren am 3. Juni aus Italien mit der Bahn in die Schweiz unterwegs. Als sie aus dem Zug stiegen, entdeckten die Finanzpolizisten bei einer Kontrolle im internationalen Bahnhof von Chiasso die Papiere in einem Koffer - unter einem doppelten Boden. Die beiden rund 50 Jahre alten Männer hatten die Unterlagen nicht beim Zoll deklariert.

Nach Angaben der Finanzpolizei handelt es sich bei den Papieren um 249 US-Staatsobligationen mit einem Nennwert von je 500 Millionen Dollar sowie zehn sogenannte Kennedy-Bonds zu je einer Milliarde Dollar.

Offen ist, was für ein Coup den italienischen Zöllnern gelungen ist: Entweder deckten sie den größten Schmuggelskandal der Geschichte auf - oder eine außergewöhnlich umfangreiche Fälschung. Der italienische Zoll prüft nach eigenen Angaben immer noch, ob die Papiere echt sind - obwohl die Festnahme der Männer bereits neun Tage zurückliegt.

Für die Echtheit der Papiere könnte sprechen, dass den authentisch wirkenden Unterlagen gemäß Finanzpolizei das "Original einer umfangreichen Bankdokumentation" beilag. Der Online-Dienst International Business News meldet hingegen, dass zumindest einige der Dokumente wohl gefälscht seien. Kennedy-Bonds mit einem Nennwert von einer Milliarde Dollar habe es in dieser Form nie gegeben, heißt es dort.

Ähnliche Fälle wecken Zweifel

Vergleichbare Funde der Finanzpolizei stellten sich in der Vergangenheit regelmäßig als Fälschungen heraus. So verhandelt das Gericht in Como derzeit den Fall eines "Mister Miliardo": Der 58-jährige Unternehmer aus Neapel mit Wohnsitz in Vaduz versuchte vor zwei Jahren, in einem unauffälligen VW-Passat nach Italien einzureisen. Mit dabei hatte er US-Staatsanleihen im Nennwert von einer Milliarde Dollar, die er einer Großbank in Bologna andrehen wollte. Die Wertpapiere waren ebenso gefälscht wie die US-Bonds für 120 Millionen Dollar, die ein 68-jähriger Römer vor Jahresfrist im Zug nach Mailand bei sich hatte. Der Fall liegt ebenfalls beim Gericht in Como.

Nur einen Tag vor dem Rekordfund bei den beiden Japanern flogen am Autobahnzoll Como-Brogeda überdies zwei Italiener auf, bei denen die Finanzpolizei gemäß Agenturberichten luxemburgische Obligationen im Wert von 2,163 Millionen Euro sicherstellte. Die beiden Männer hatten die 16 Obligationen in ihrer Jackentasche verstaut. Diese Papiere haben sich mittlerweile allerdings als echt herausgestellt.

Dass sie die Obligationen illegal einführen wollten, kostet die Männer nun 40 Prozent der Summe, knapp 900.000 Euro. Denn Beträge über 10.000 Euro müssen beim Zoll angegeben werden. Könnte der italienische Staat den entsprechenden Anteil an den angeblichen 134 Milliarden Dollar einbehalten, wäre dies ein willkommenes Geschenk für die Haushaltskasse.

Rätselhafte Japaner

Die Erfahrung zeigt allerdings, dass gerade bei Wertpapieren mit besonders vielen Nullen Zweifel angebracht sind. Betrüger versuchen sie beispielsweise als Garantien einzusetzen, die hinterlegt werden, um von Banken oder Financiers einen Bruchteil des angeblichen Wertes in bar zu bekommen.

Ein Novum ist es, dass an der italienisch-schweizerischen Grenze Schmuggler aus Japan auffliegen. Ob sich die zwei Männer aus eigenem Antrieb, für Dritte in Italien oder gar für Mittelsmänner aus Asien auf die Mission begeben haben, ist bisher nicht bekannt.

Ebenso wenig, was die eigentliche Destination ihrer Reise in Richtung Norden war. Laut einem italienischen Pressebericht ermittelt nun der amerikanische Secret Service.



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