Stromversorgung Kohleausstieg soll bis 2038 vollendet sein

Ronald Pofalla, Co-Vorsitzender der Kohlekommission, hat in vertraulichen Gesprächen einen Kompromiss für das Ende des Kohlestroms ausgehandelt.

Braunkohlekraftwerk Jänschwalde in der Lausitz
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Braunkohlekraftwerk Jänschwalde in der Lausitz

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Der Kampf um die Braunkohle findet dieser Tage ganz buchstäblich statt: Im Hambacher Forst zwischen Aachen und Köln liefern sich Polizei und Umweltaktivisten heftige Auseinandersetzungen, die spätestens diesen Donnerstag eskalierten, als die Staatsmacht mit der Räumung von Baumhäusern begonnen hat.

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Ein anderer, viel wichtigerer Kampf gegen die klimaschädliche Kohle findet im Bundeswirtschaftsministerium statt. Dort tagt seit diesem Sommer die "Kommission Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung" und hat die Aufgabe, den Ausstieg aus der Kohle vorzubereiten. 31 Mitglieder aus Umweltverbänden, Industrievertretern, Gewerkschaften und betroffenen Bürgern liefern sich hitzige Debatten. Bislang herrscht hinter den Kulissen ziemliches Durcheinander.

Doch jetzt zeichnet sich eine Einigung beim Ausstieg aus der Kohleverstromung ab. Demnach sollen die letzten Kohlekraftwerke im Zeitraum der Jahre 2035 bis 2038 geschlossen werden. Wie der SPIEGEL in der aktuellen Ausgabe berichtet, hat Ronald Pofalla, einer der vier Vorsitzenden der Kommission, nach einer Reihe von Gesprächen mit den Mitgliedern der Kommission eine Kompromisslinie erarbeitet und diese im Bundesumweltministerium sowie im Kanzleramt vorgestellt. (Lesen Sie hier die ganze Geschichte bei SPIEGEL+.)

Geplant ist, in einem Sofortprogramm Kraftwerke mit einer Leistung von insgesamt fünf bis sieben Gigawatt bis zum Jahr 2020 vom Netz zu nehmen und gegebenenfalls als Reserve zu behalten. Spätestens 2027 soll geprüft werden, ob der Ausstiegspfad eingehalten werden kann. Dies soll in einem Gesetz verbindlich festgehalten werden.

Auch die Maßnahmen, mit denen der Strukturwandel in den betroffenen Braunkohleregionen bewältigt werden soll, würden nach SPIEGEL-Informationen in einem Bundesgesetz festgeschrieben. Dazu zählen neben Ausbau von Breitbandnetzen und der Eisenbahnstrecke von Görlitz nach Berlin auch die Ansiedlung von Bundesbehörden. In das Gesetz sollen allerdings keine konkreten Ämter aufgenommen werden, sondern eine Zahl von Bundesbeamten, die in dem vom Strukturwandel am stärksten betroffenen Gebiet in der Lausitz arbeiten sollen.

Dieses Thema stammt aus dem neuen SPIEGEL-Magazin - am Kiosk erhältlich ab Samstagmorgen und immer freitags bei SPIEGEL+ sowie in der digitalen Heft-Ausgabe.

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insgesamt 251 Beiträge
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Seite 1
schamot 15.09.2018
1. Pofalla hat ausgehandelt
Nein hat er nicht. RWE hat ihm gesagt, bis dahin sind die Kohlmeiler so marode, daß sie nicht mehr betrieben werden können. Und die Umwelt? Die braucht sofort einen Stopp und nicht erst in 20 Jahren. Alle haben das kappiert auf der Welt...nur CDU und SPD und Trump nicht
akase93 15.09.2018
2. es ist ein Skandal....
dass faktisch fünf vor zwölf und Toresschluss der RWE noch möglich wird , den Hambacher Forst zu roden und ein großes Stück Natur und Wald zu vernichten. Auch ein Stück Wald , das so wichtig und notwendig zur Milderung der auch durch Kohleabbau und -verstromung verursachten Luft- und Umweltverschmutzung wäre.
ykerniz? 15.09.2018
3. Welche Heldentat
Bereits im Jahr 2030 wird der Strom nahezu vollständig aus regenerativen Energien stammen – die bisherige Entwicklung auch weiterhin unterstellt. Nur Deutschland wird dann noch konventionellen Strom produzieren und diesen sogar aus Kohle. Es ist unglaublich, wie stark schlechter Lobbyismus und unwissende Politiker zusammenwirken.
Ökofred 15.09.2018
4. Sie haben schon recht... aber..
Zitat von schamotNein hat er nicht. RWE hat ihm gesagt, bis dahin sind die Kohlmeiler so marode, daß sie nicht mehr betrieben werden können. Und die Umwelt? Die braucht sofort einen Stopp und nicht erst in 20 Jahren. Alle haben das kappiert auf der Welt...nur CDU und SPD und Trump nicht
Alles sofort abschalten wird nicht gehen, aber die "5 - 7GW" haben die GRÜNEN zur letzten Bundestagswahl gefordert und wurden damit als "völlig unrealistisch" abgewatscht. Eigendlich ein Schritt in die richtige Richtung - aber unerträglich, dass das jetzt als tolles Zukunftskonzept der Regierung verkauft werden soll.
reistel 15.09.2018
5. Fauler Kompromiss
Wer glaubt das noch. Hier wird wieder im Sinne der Unternehmen entschieden und nicht für uns Bürger. Warum reagiert man aktuell gegen die Akrivisten so agressiv? Sicherlich deshalb weil man wohl schon gewusst hat, welcher faule Kompromiss kommen wird. Anders ist die harte Gangart nicht zu erklären.
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