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Kommentar: BenQ macht für Siemens den Drecksjob

Von Andreas Nölting

Ein Jahr nach der Übernahme der Siemens-Mobilfunkgerätesparte durch BenQ steht die Fertigung in Deutschland vor dem Aus. Was sich wie ein Fall BenQ anhört, ist in Wahrheit ein Fall Siemens. Die Asiaten lösen nur eine Aufgabe, vor der sich Siemens-Chef Klaus Kleinfeld drücken wollte.

Hamburg - Schon seit Wochen gab es Gerüchte, nun also ist klar: BenQ Deutschland steht vor dem Aus. Die taiwanesische Muttergesellschaft, die selber rote Zahlen schreibt, will an ihre marode und unterausgelastete Tochter keine Zahlungen mehr leisten. BenQ-Chairman Kuen-Yao Lee sieht sein gesamtes Unternehmen durch die Verluste der Handysparte bedroht und stellt brutal den Liquiditätshahn ab. Taiwanesische Manager fackeln eben nicht lange.

Gerade an dem Tag, an dem vom Arbeitsmarkt in Deutschland positive Signale kommen, erreicht uns nun die nächste Hiobsbotschaft. 3000 Arbeitsplätze in München und in Nordrhein-Westfalen sind bedroht und werden wohl wegfallen. BenQ hatte den deutschen Standorten eine Existenzgarantie von einem Jahr gegeben. Die Garantie läuft Ende dieses Jahres aus.

Doch was sich zunächst wie ein Fall BenQ anhört, ist in Wahrheit auch ein Fall Siemens. Denn der Vorstandsvorsitzende Klaus Kleinfeld, 48, hat vor gerade einmal einem Jahr seine Not leidende Handysparte an den taiwanesischen Elektronikkonzern verschenkt und als Mitgift noch einmal 250 Millionen Euro draufgelegt. Was in der Öffentlichkeit zunächst nicht richtig verstanden worden ist ("Warum gibt Siemens denen noch so viel Geld mit?"), erweist sich nun als ein unternehmerisch kluger, wenn auch moralisch anstößiger Schachzug.

Kleinfeld und seinem Vorgänger von Pierer war wohl schon damals klar, dass auch die Asiaten ihre teuren deutschen Standorte nicht werden retten können. Und das hat womöglich auch Verhandlungspartner Kuen-Yao Lee geahnt. Die Millionen Mitgift erscheinen nun wie eine Art "Abwrackprämie" mit der BenQ die Liquidationskosten in Deutschland begleichen kann.

Kleinfeld, dessen Vorstandsgehalt um 30 Prozent erhöht werden soll, hätte diesen Job nicht erledigen können. Die Politik und die Medien hätten aufgeschrien, wie ein globaler Dax-Konzern, der Milliardengewinne schreibt, so kaltherzig mit seinen Arbeitnehmern umgeht.

Den Drecksjob hat jetzt Kuen-Yao Lee erledigt. Doch der sitzt im fernen Taipeh. Ihn wird das Mediengewitter, das nun losgeht, wohl kaum aus der Fassung bringen.

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