Kommentar zum Wärmedämmungsbeschluss Asozialer Wohnungsbau

Heute wird die Bundesregierung ein neues Milliardenprogramm zur Wärmedämmung beschließen - und damit einen teuren Irrweg beschreiten. Das Styropor an den Hauswänden lohnt sich für die Hersteller, aber weder für Mieter noch für die Umwelt.

Abgebrannte Fassadendämmung: Gut vor allem für den Hersteller
Güven Purtul

Abgebrannte Fassadendämmung: Gut vor allem für den Hersteller

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Wärmedämmung lohnt sich - für Gerüstbauer, Stuckateure und die Dämmstoffindustrie. Fast 750 Millionen Quadratmeter Styropor kleben bereits an deutschen Fassaden, das entspricht ungefähr der Fläche Hamburgs. Nach dem Willen der Bundesregierung sollen in den nächsten Jahren noch viele Millionen Quadratmeter hinzukommen. Auf Initiative von Bundesumweltministerin Barbara Hendricks wird das Kabinett am heutigen Mittwoch eine weiteres Milliardenprogramm zur Förderung der Wärmedämmung beschließen.

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Heft 49/2014
Energiewende: Wie Mieter und Hausbesitzer um Milliarden betrogen werden

Für Hausbesitzer lohnt sich die Wärmedämmung in der Regel leider nicht. Der Sanierungsaufwand ist zu groß, die Heizkostenersparnis, jedenfalls bei der Fassadendämmung, zu gering, als dass sich die Sache bezahlt machte. Handelt es sich um ein Mietshaus, lassen sich die Kosten immerhin auf die Bewohner umlegen - und dann sind die Mieter die Dummen. Nach Erfahrungen des Deutschen Mieterbunds führt vor allem die teure Dämmung dazu, dass die Modernisierungsaufschläge drei- bis viermal höher sind als die Einsparungen bei Heizung und Warmwasser. Wer kann sich das leisten? Geringverdiener, Hartz IV-Empfänger und Rentner können es häufig nicht. Und so vertreiben die staatlichen Dämmvorgaben die Schwachen aus ihren Vierteln. So geht asozialer Wohnungsbau.

Für die Umwelt lohnt sich Wärmedämmen leider auch nicht. Damit die aus Erdöl hergestellten Styroporplatten im Brandfall nicht zur Fackel werden, werden sie in den meisten Fällen mit HBCD behandelt. Das ist ein Stoff, den die Vereinten Nationen auf ihre Liste verbotener Chemikalien gesetzt haben, weil er im Verdacht steht, Säuglinge über die Muttermilch zu schädigen, die Fruchtbarkeit zu beeinträchtigen und Wasserorganismen zu töten. Mehrere tausend Tonnen HBCD stecken bereits in deutschen Fassaden. Aber erst Mitte 2015 soll das Gift durch andere Brandschutzmittel ersetzt werden - so sich nicht jene acht großen Dämmstoffhersteller durchsetzen, die HBCD sogar bis mindestens 2019 verwenden wollen.

Womit wir schließlich doch noch bei einer Gruppe wären, für die sich Wärmedämmen lohnt, nämlich die Wärmedämmungslobby in der Politik. Gleich drei Bundestagsabgeordnete von CDU und SPD arbeiten nebenher als Beiräte für den Dämmstoffhersteller Rockwool. Die halbstaatliche Deutsche Energie-Agentur veröffentlichte eine "Sanierungsstudie", unterstützt vom Styroporhersteller BASF.

Die Dämmplatte, das Superartefakt der deutschen Energiewende, ist ein Irrweg. Die staatlich verordnete Wärmedämmung ist unwirtschaftlich, unsozial und umweltschädlich. Sie gefährdet die Bereitschaft der Bürger, beim Klimaschutz mitzumachen. Und das ist wahrscheinlich die größte Gefahr der neuen deutschen Plattenkultur: Sie zerstört die Akzeptanz der ebenso wichtigen wie richtigen Energiewende, anstatt sie zu befördern.

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Wärmedämmung - Heilsbringer oder Irrweg?

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
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Charlie_xxx 03.12.2014
1. Polemik?
Viele der genannten "Fakten" verzerren das Bild, weil andere wichtige Fakten fehlen. Heizenergie ist einer der größten CO2- Verursacher. Ob dann die beste Lösung in der Heizanlage liegt oder Fenster oder Dämmung, muss im Einzelfall geprüft werden. Styropor macht Probleme, aber deshalb die Dämmung zu verteufeln, ist nun echt keine Lösung. Nur zur Information- Rockwool macht kein Styropor, sie sind Konkurrenz zu BASF.
mikaiser 03.12.2014
2. Danke für die klaren Worte
Wenn die Regierung derartig deutlich schädlichen Quatsch beschließt, muss wenigstens die "vierte Gewalt" funktionieren. Sie haben die Gefahren der Verordnung - einschließlich Bürgerfrustration - deutlich gemacht.
BeatDaddy 03.12.2014
3. Nicht
nur der Wohnungsbau mutiert hinüber in den asozialen Bereich sondern unser ganzes Land. Vielen Dank an Merkel und ihre Lobbyisten. Aber bis zur nächsten Wahl ist alles wieder vergessen und die 40% demenzkranken Wähler werden denen widerum die Macht in die Hände geben. Es läuft doch alles so gut...und wer finanzielle Probleme hat, ist sowieso selbst daran schuld...;)
peter0pf9 03.12.2014
4. und 19% an Mutter Staat
bitte vergessen Sie nicht die geschaffenen Arbeitsplätze und die Einnahmen des Staates, die werden ja nun auch ausschließlich im Interesse unserer Bürger eingesetzt! - würde Mutti sagen
lemmy01 03.12.2014
5. Da kommt noch einiges hinzu...
Ein vernünftiger Standpunk! Und dabei sind noch nicht einmal alle Probleme angesprochen. Z.B.: Wie wird dieser Sondermüll einmal später entsorgt? Oder die ganze Schimmelproblematik. Ja, ja, die Fachleute sagen, die gibt's gar nicht. Nur: Jeden Morgen, wenn ich aus dem Fenster zum gegenüberliegenden und wärmegedämmten Gebäude schaue, frage ich mich als erstes, ob es dort gebrannt hat. Zum Glück ist das schwarze über den Fenstern aber nur Schimmel. Klar, da haben die Handwerker gepfuscht. Deshalb hat man diesen Sommer das Ganze aufgerissen und nachgebessert. Es beginnt sich aber schon wieder zu verfärben...
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