Konflikt mit Gasprom: Weißrussland droht mit Pipeline-Boykott für Westeuropa

Der Streit um die Preiserhöhungen für Gaslieferungen zwischen dem russischen Gasprom-Konzern und Weißrussland eskaliert. Weißrussland drohte jetzt indirekt damit, seine Pipelines für Gaslieferungen nach Deutschland zu sperren.

Minsk - "Wir sind voneinander abhängig. Wenn wir keinen Liefervertrag bekommen, wird Gasprom keinen Durchleitungsvertrag haben", sagte der weißrussische Vize-Ministerpräsident Wladimir Semaschko gestern Abend. Semaschko wies darauf hin, dass 22 Prozent der russischen Gaslieferungen nach Europa über weißrussisches Territorium führten. Vor allem Deutschland und Polen wären vom Versiegen des Gasstroms durch weißrussische Pipelines betroffen. "Ich denke, Gasprom sollte ein Signal geben und nach Minsk kommen. Jetzt sind sie an der Reihe", erklärte er nach seiner Rückkehr von den gescheiterten Verhandlungen mit dem weltgrößten Gasproduzenten.

Gasprom-Verteileranlage: Gasprom soll ein Zeichen setzen
REUTERS

Gasprom-Verteileranlage: Gasprom soll ein Zeichen setzen

Gasprom verlangt von 2007 an rund vier Mal so hohe Gaspreise wie bisher und fordert von Weißrussland, teilweise die Kontrolle über seine Pipelines an den staatlich kontrollierten Konzern abzugeben. Der bisherige Liefervertrag für Gas läuft zum Jahresende aus.

Nach eigener Darstellung hat Gasprom seine Forderung auf 110 Dollar je 1000 Kubikmeter von den zunächst vorgeschlagenen 200 Dollar gesenkt. Derzeit zahlt das Land 46,7 Dollar - genauso viel wie Verbraucher in Russland. Gasprom berechnet Moldawien im kommenden Jahr 170 Dollar und Georgien 235 Dollar. In Europa verkauft Gasprom zu mehr als 250 Dollar.

Gasprom geht offensichtlich gut vorbereitet in die Auseinandersetzung. In Deutschland und Österreich hat der Konzern nach eigenen Angaben zusätzliche Gasvorräte angelegt, um mögliche Lieferengpässe zu überbrücken. "Es gibt keinen Grund zur Sorge bei den europäischen Verbrauchern", sagte ein Gasprom-Sprecher im russischen Fernsehen. Deutschland ist der größte Gasprom-Kunde in Europa und wird vor allem über Leitungen durch Weißrussland und die Ukraine versorgt.

Russland hatte Weißrussland bereits vor zwei Jahren vorübergehend den Gashahn zugedreht. Dies hatte auch die russischen Gasexporte nach Deutschland kurzzeitig beeinträchtigt. Gasprom beschuldigte Weißrussland, Gas aus den Pipelines für seine eigenen Zwecke abgezweigt zu haben. Im Januar hatte Russland - mitten im Winter - auch Gasexporte an die Ukraine vorübergehend gestoppt. Das zuvor auf Westkurs umgeschwenkte Land hatte dies als Versuch politischer Einflussnahme verurteilt.

Vor rund einem Jahr war es zu einem Rückgang russischer Gaslieferungen nach Europa gekommen, als die Verhandlungen von Gasprom mit der Ukraine ins Stocken gerieten. Rund 80 Prozent der russischen Gaslieferungen führen über das Gebiet der Ukraine.

mik/Reuters/AP

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