Konjunktur Deutsche Wirtschaft wächst überraschend stark

Trotz der Finanzkrise ist die deutsche Wirtschaft im ersten Quartal 2008 so kräftig gewachsen wie seit fast zwölf Jahren nicht mehr. Das Bruttoinlandsprodukt legte von Januar bis März um 1,5 Prozent zu. Experten hatten mit einem wesentlich niedrigerem Wert gerechnet.


Wiesbaden/Berlin - Es ist das stärkste Wachstum seit Frühjahr 1996 - und es hat alle Experten überrascht. "Die deutsche Wirtschaft hat sich am Anfang des Jahres 2008 auch bei zunehmenden Belastungsfaktoren als sehr robust erwiesen", teilte das Statistische Bundesamt mit. Damit habe sich der konjunkturelle Aufschwung des vergangenen Jahres unvermindert fortgesetzt.

Containerschiffe im Hafen von Hamburg: "Sensationelle Zahl"
AP

Containerschiffe im Hafen von Hamburg: "Sensationelle Zahl"

Das BIP lag preis-, saison- und kalenderbereinigt um 1,5 Prozent höher als im vierten Quartal 2007; im Vergleich zum ersten Quartal des Vorjahres betrug der Anstieg 1,8 Prozent.

Angekurbelt wurde die Wirtschaft vor allem von steigenden Investitionen der Unternehmen. Auch der private Konsum legte zu. Vom Außenbeitrag kamen dagegen keine positiven Wachstumsimpulse. Details wollen die Statistiker in zwei Wochen bekanntgeben.

Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Analysten hatten lediglich mit einem Plus von 0,7 Prozent gerechnet. Die Überraschung war denn auch entsprechend groß. "Wir waren zwar optimistischer als der Konsens, aber mit einem so großen Anstieg habe ich nicht gerechnet", sagte Konjunkturanalyst Andreas Rees von Unicredit. Vor allem der Bau habe das Wachstum angetrieben - neben dem Wetter habe das Ende von steuerlichen Abschreibungsmöglichkeiten zum Jahresende 2007 einen Schub gegeben. Das erste Quartal sei aber sicherlich ein Ausreißer.

Ulrike Kastens von Sal. Oppenheim bezeichnete die Zahlen gar als Sensation. "Positiv war sicherlich die Bauwirtschaft, das kann man auch an der Industrieproduktion sehen", sagte sie. "Positiv ist auch, dass der Konsum nach dem schwachen Auftakt ebenfalls ein bisschen zum Wachstum beigetragen hat." Aber so schön das auch sei, sei es doch nur ein temporärer Effekt. "Man muss damit rechnen, dass es eine Eintagsfliege war. Wir werden im zweiten Quartal eine Korrektur dieses positiven Ergebnisses sehen."

Weit optimistischer sieht Matthias Rubisch von der Commerzbank die Entwicklung. "Das ist eine sensationelle Zahl. Die Prognosen für das Gesamtjahr werden nach diesem starken Start nach oben revidiert werden müssen. Eine Zwei vor dem Komma ist in jedem Fall in Reichweite. Möglicherweise ist es bei den Dienstleistern doch deutlich besser gelaufen als erwartet. Die Investitionen sind ebenfalls kräftig gestiegen. Auch der private Verbrauch hat sich offenbar erholt."

Für das gesamte Jahr 2008 sagen Experten eine Konjunkturabkühlung voraus. Die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute rechnen mit einem Wachstum von 1,8 Prozent. 2007 waren es noch 2,5 und 2006 sogar 2,9 Prozent.

Als wichtigster Grund für die erwartete Abschwächung gilt die internationale Finanzkrise, die das Wachstum bei wichtigen Handelspartnern wie den USA und damit auch die Nachfrage nach deutschen Exportprodukten dämpft.

Bundeswirtschaftsminister Michael Glos wertete die überraschenden Daten als Beleg für die gestiegene Widerstandskraft der deutschen Wirtschaft. "Auch wenn die Zahlen durch den milden Winter stark geprägt sind, zeigen sie, dass der Aufschwung in Deutschland auch den schwierigen Bedingungen der Weltkonjunktur trotzt", sagte Glos. Die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft sei derart gestiegen, dass sie nicht mehr "jeder Windhauch" erschüttere.

mik/Reuters/ddp/dpa



© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.