Konjunktur Industrie erwartet "grottenschlechte" Auftragslage

Aufschwung ade: Der deutschen Industrie droht nach Ansicht von Experten im Winter ein Mangel an Aufträgen. Dem Ifo-Institut zufolge beurteilen Firmen ihre Lage so schlecht wie seit zwei Jahren nicht mehr. Jetzt sollen Jobs abgebaut werden, Analysten korrigieren ihre Prognosen nach unten.


Hamburg - Der Leiter der Konjunkturabteilung des Münchner Ifo-Instituts, Kai Carstensen, sagte der "Bild"-Zeitung: "Die Erwartungen der Unternehmen für die nächsten sechs Monate sind grottenschlecht." Der Auftragsbestand sei derzeit noch gut, aber es fehle an neuen Aufträgen. "Im Winter ist der Aufschwung definitiv vorbei. Viele Firmen werden nach und nach Kapazitäten abbauen und auch Personal entlassen", erklärte Carstensen.

Elektroarbeiter: Sechs Prozent mehr Stellen abbauen als neue schaffen
AP

Elektroarbeiter: Sechs Prozent mehr Stellen abbauen als neue schaffen

Auch der Präsident des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall, Martin Kannegiesser, zeigte sich besorgt. "Die weltweite Konjunkturabkühlung trifft die Metall- und Elektroindustrie zunehmend stärker. In vielen Firmen reichen die Aufträge nur noch bis Jahresende", sagte der Verbandschef dem Blatt.

Die Unternehmen beurteilten ihre Auftragslage so schlecht wie seit zwei Jahren nicht. Wie in jeder Abschwungsphase fächere sich das Feld weit auf. Wie die Zeitung weiter schreibt, erreicht der seit gut zwei Jahren andauernde Jobaufbau in der Metall- und Elektroindustrie offensichtlich sein Ende.

In den nächsten sechs Monaten wollten per Saldo sechs Prozent mehr Firmen Stellen abbauen als neue schaffen. Das gehe aus Zahlen vom Gesamtmetall und dem Ifo-Institut hervor.

Nach einer Serie schwacher Konjunkturdaten revidieren auch Analysten auf breiter Front ihre Wachstumsprognosen für den Euro-Raum und für Deutschland kräftig nach unten. Die großen deutschen Konzerne müssten in diesem Jahr sogar mit schrumpfenden Gewinnen rechnen, berichtet das "Handelsblatt" unter Berufung auf eine Umfrage bei den Analysten von zehn führenden deutschen und internationalen Banken und Forschungsinstituten. Hoffnungen, Europa könne sich von der Konjunkturkrise in den USA abkoppeln, hätten sich zerschlagen.

Europa fällt dem Blatt zufolge auf breiter Front noch hinter die USA zurück. Nach den aktuellen Prognosen wäre sowohl das Wirtschafts- als auch das Gewinnwachstum der Unternehmen im Euro-Raum 2008 niedriger als in den USA, wo die Finanzkrise und der Wirtschaftsabschwung ihren Ausgang genommen haben. Für nächstes Jahr erwarten die befragten Experten nur noch ein Wachstum von 0,9 Prozent im Euro-Raum - nach 1,5 Prozent in diesem und 2,7 Prozent im vorigen Jahr. Die Europäische Zentralbank hatte noch im Juni ein Wirtschaftswachstum von 1,5 Prozent im nächsten Jahr vorausgesagt.

Kürzlich erst ergab eine Umfrage, dass auch die Verbraucher in Deutschland die Konjunktur pessimistisch beurteilen. Wegen der durch die Energie- und Lebensmittelpreise getriebenen hohen Inflation sank die Konsumlust der Deutschen laut Nürnberger Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) auf ein Fünfjahrestief.

kaz/dpa/ddp



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