Konjunktur Krisen-Stakkato beunruhigt Bundesbank-Chef

Axel Weber ist in Sorge. Trotz aller Rettungsaktionen gebe es in der Finanzkrise ständig neue Probleme, Verluste und Opfer, klagt der Bundesbank-Chef - das Problem sei immer noch nicht eingedämmt. Seine Hoffnung: Ab Herbst geht es aufwärts, und der Arbeitsmarkt bleibt womöglich verschont.


Berlin - Deutliche Worte vom Chef der Deutschen Bundesbank: "Es macht mir Sorge, dass es noch nicht gelungen ist, die Krise an den Finanzmärkten einzudämmen", sagte Axel Weber der "Bild"-Zeitung. "Es gibt derzeit immer neue Verwerfungen, mehr betroffene Segmente und neue Verluste, die zu weiterem Abschreibungsbedarf führen."

Axel Weber: "Die schlimmste Krise seit dem Zweiten Weltkrieg"
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Axel Weber: "Die schlimmste Krise seit dem Zweiten Weltkrieg"

Weber sprach von der schlimmsten Wirtschaftskrise seit dem Zweiten Weltkrieg. In den vergangenen Jahrzehnten habe es derart heftige Einbrüche und Probleme an den Märkten nicht gegeben: "Ich kann mich nicht daran erinnern, dass die Wirtschaft weltweit fast gleichzeitig derart stark eingebrochen ist."

Große Sorgen auch beim EU-Ratsvorsitz

Auch Tschechien, das derzeit den EU-Ratsvorsitz hat, sieht Anlass zur Sorge, ob die Bankenrettung gescheitert ist. Ungeachtet der milliardenschweren staatlichen Rettungspakete für die Banken habe sich die Situation in vielen Ländern seit vergangenem Oktober verschlimmert, anderslautende Statistiken entsprächen nicht der Realität, steht laut "Financial Times Deutschland" in einem vertraulichen Brief der Regierung. Geld sei für Firmen gar nicht oder aber nur zu abnorm hohen Preisen zu bekommen, heiße es in dem Schreiben, das Tschechien für das EU-Finanzministertreffen in der vergangenen Woche verfasst habe. Das Papier basiert auf Angaben, die die Regierungen über die Umsetzung ihrer nationalen Bankenrettungspakete an die EU-Kommission übermittelt hatten.

Weber hält Wende ab Herbst für möglich

Allerdings gebe der Arbeitsmarkt Anlass zur Hoffnung, sagte der Bundesbank-Chef: "Ich rechne nicht damit, dass die Arbeitslosenzahlen 2009 dramatisch ansteigen." Alle Vergleiche mit der Weltwirtschaftskrise der dreißiger Jahre seien übertrieben. Die gegenwärtige Krise werde nicht zu neuer Massenarbeitslosigkeit führen. Die Unternehmen seien gut gerüstet für schwere Zeiten.

Auf ein Ende der Rezession setzt Weber noch in diesem Herbst: Die Rettungspakete der Regierung zur Stabilisierung der Finanzinstitute und der Konjunktur könnten das Wachstum kräftigen und die Folgen der globalen Finanzkrise abmildern. "Es braucht Zeit, bis alle Maßnahmen wirken", sagte Weber. "Ich rechne damit, dass die Wirtschaft schon im Herbst wieder leicht wachsen kann und sich die Konjunktur 2010 weiter erholt."

Außerdem seien die gefallenen Wechselkurse hilfreich für die Exportnation Deutschland, und die Inflationsrate sei im Zuge der Krise drastisch gesunken. Das entlaste die Verbraucher. "Jetzt ist es denkbar, dass die Inflationsrate dieses Jahr sogar kurzzeitig negativ werden könnte", sagte Weber.

Für die weitere Entwicklung prognostizierte Weber zwei Möglichkeiten. Entweder gebe es einen scharfen, aber relativ kurzen Einbruch - oder einen Abschwung mit einer langen Erholungsphase. Deutschland habe alle Fähigkeiten, die Krise gut und schnell zu überwinden.

cvk/ddp/Reuters/dpa-AFX



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