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Konjunktur-Pessimismus: Goldman Sachs schürt Angst vor Domino-Rezession

Erst Amerika, dann Japan – und später die ganze Welt? Nach Einschätzung des Geldhauses Goldman Sachs drohen die beiden größten Volkswirtschaften in eine Rezession zu rutschen. Die Krise könnte dann rasch übergreifen. Die Uno warnt bereits, die Gefahr eines globalen Abschwungs sei gewachsen.

New York/Tokio – Jetzt auch Japan? Die immer noch wichtigste Wirtschaftsmacht Asiens könnte nach Berechnungen der Goldman-Sachs-Ökonomen in die Rezession stürzen und damit den USA folgen. Die Wahrscheinlichkeit einer Rezession in Nippon liege bei 50 Prozent, heißt es von Goldman in Tokio. Droht dann ein Domino-Effekt?

Börsentafel in Tokio: Finstere Prognosen
REUTERS

Börsentafel in Tokio: Finstere Prognosen

An den globalen Finanzmärkten geht schon seit Wochen die Furcht vor einer Rezession in den USA um. Volkswirte sprechen in der Regel dann von einer Rezession, wenn die Wirtschaftsleistung in zwei aufeinander folgenden Quartalen abnimmt.

Erst gestern hatte Goldman Sachs erklärt, in den USA sei 2008 eine Rezession zu erwarten - unter anderem wegen der Krise am Immobilienmarkt. Im zweiten und dritten Quartal werde die Wirtschaftsleistung auf das Jahr hochgerechnet um jeweils ein Prozent schrumpfen. Im Gesamtjahr werde das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) lediglich bei 0,8 Prozent liegen.

Auch der frühere US-Finanzminister Larry Summers hält eine Rezession in den USA für immer wahrscheinlicher. "Ich gehe stark davon aus, dass sich die US- und die Weltwirtschaft an einem Wendepunkt befinden und ein höheres Risiko als je zuvor in diesem Jahrhundert haben, in eine Rezession zu rutschen", sagte Summers heute in Oslo.

Dass sich die US-Wirtschaft abschwäche und in eine Rezession falle, sei der wahrscheinlichste Fall. "Der US-Verbraucher ist nicht in der Lage, die Wirtschaft nach vorne zu bringen", sagte Summers. Er war unter US-Präsident Bill Clinton von 1999 bis 2001 im Amt.

Die Vereinten Nationen sehen bereits die Gefahr einer weltweiten Rezession. Es gebe klare und bereits gegenwärtige Anzeichen, dass das Wachstum der Weltwirtschaft nahezu zum Erliegen komme, heißt es im Jahresbericht der Uno zur globalen Wirtschaftsentwicklung. Ein Grund für die Entwicklung sei - neben dem Abschwung am US-Häusermarkt und der Kreditmarkt-Krise - auch der schwache Dollar.

Wachstumsprognose der Uno für 2008 *
Basis-Szenario Pessimistisches Szenario
USA 2,0 -0,1
entwickelte Länder 2,2 0,5
Entwicklungsländer 6,5 4,2
Schwellenländer 7,1 5,0
Welt 3,4 1,6
* Veränderung des Bruttoinlandsprodukts in Prozent, Quelle: Uno

Zwar könne die Weltwirtschaft 2008 um etwa 3,4 Prozent wachsen. Spiele man jedoch ein pessimistischeres Szenario durch, sei aber nur ein Zuwachs von 1,6 Prozent zu erwarten. Noch sei nicht sicher, dass es zu einer Rezession komme, die Chancen stünden etwa 50 zu 50. Vor zwei Monaten war die Uno noch optimistischer.

Wachstumsprognose der OECD *
USA Japan Eurozone gesamte OECD
erstes Quartal 2008 1,1 1,5 1,8 1,9
zweites Quartal 2008 1,5 1,6 1,9 2,0
drittes Quartal 2008 1,8 1,7 2,0 2,2
viertes Quartal 2008 1,9 1,8 2,0 2,3
erstes Quartal 2009 2,2 1,8 2,0 2,5
zweites Quartal 2009 2,5 1,9 2,0 2,6
drittes Quartal 2009 2,7 1,9 2,0 2,7
viertes Quartal 2009 2,8 1,9 2,0 2,7
* Veränderung des Bruttoinlandsprodukts in Prozent, Stand: Dez. 2007
Quelle: OECD

itz/Reuters

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