Konjunktur-Risiko China und Jordanien lösen sich vom Dollar

Dollarschwäche und Rekordkurs des Euro zeigen Wirkung: Jordanien reduziert seine Dollar-Reserven, auch China will stärker auf andere Währungen bauen. US-Politiker sind entsetzt. Doch auch in Deutschland sorgt man sich - das Wirtschaftswachstum ist in Gefahr.


Frankfurt am Main - Es ist nur ein Gerücht - aber in Tagen wie diesen sind US-Vertreter sicher auch darüber schon dankbar. Saudi-Arabien soll kurzfristig große Mengen Dollar auf dem Weltmarkt gekauft haben. Sollte das stimmen, wäre das ein wichtiges Zeichen des Vertrauens. Der Zentralbankgouverneur des Landes, Hamad al-Sajjari, wollte dazu heute allerdings nciht Stellung nehmen. Er halte die US-Währung allerdings für unterbewertet, erklärte er nur nach einem Treffen der Notenbankchefs des Golf-Kooperationsrates mit EZB-Präsident Jean-Claude Trichet und anderen hochrangigen Geldpolitikern der Euro-Zone nichts sagen.

Ansonsten übte er sich in Beschwichtigungsformeln: Man wolle ungeachtet der Dollarschwäche Öllieferungen weiter in der US-Währung abrechnen. Es gebe entgegen anderslautender Gerüchte keine Pläne, dies zu ändern. Seine Worte dürften US-Notenbanker allerdings nur schwach getröstet haben. Der Dollar verliert rasant an Wert - der Eurokurs knackte heute die 1,55- Dollar-Rekordmarke, am Abend war die EU-Währung 1,5514 Dollar wert. Und immer mehr Länder wollen sich augenscheinlich nicht mehr so stark wie bisher auf die US-Währung verlassen. Jordanien kündigten an, seine Dollar-Reserven zu reduzieren. Chinas Handelsminister sprach sich dafür aus, die Reserven in verschiedenen Währungen zu halten.

Händler nannten als Grund für den neuerlichen Sprung der Einheitswährung robuste Konjunkturdaten in der EU. Die Industrieproduktion in der Euro-Zone hatte im Januar überraschend stark angezogen. "Die Daten passen in das Bild, das die Europäische Zentralbank derzeit verkauft - dass die Konjunktur gar nicht so schlecht läuft", sagte Analyst Rainer Sartoris von HSBC Trinkaus.

Die 200-Milliarden-Dollar-Spritzedurch die US-Notenbank hat der amerikanischen Währung nicht lange geholfen. Dennoch hob der Chef der Europäischen Zentralbank, Jean-Claude Trichet, die Bedeutung der angekündigten Geldspritzen führender Zentralbanken für die Stabilität der internationalen Finanzsysteme hervorgehoben. Trichet warnte angesichts des neuen Rekordstandes vor heftigen Schwankungen an den Devisenmärkten. Er sei beunruhigt über die exzessiven Bewegungen der Währungen, sagte er heute.

Exporteure: "Gegenwind wird stärker"

Die deutschen Exporteure befürchten vor dem Hintergrund steigender Euro-Kurse einen langsamen, relativen Verfall ihrer Weltgeltung. Der Bundesverband des Groß- und Außenhandels (BGA) sagt zwar voraus, dass der Gesamtwert ausgeführter Güter 2008 erstmals die Marke von einer Billion Euro übersteigen wird. Auch wird der Export trotz des Euro-Hochs wohl weiter wachsen – um prognostizierte fünf Prozent auf 1017,5 Milliarden Euro. Damit würde sich das Wachstum der Ausfuhren aber spürbar verlangsamen – denn 2007 legten die Exporte noch um 8,5 Prozent zu.

Zudem hat der BGA seine eigene Prognose nach unten korrigiert - bislang rechnete er 2008 mit einem Export-Plus von bis zu sechs Prozent. Deutschland fällt damit relativ zu anderen zurück – der Welthandel wird insgesamt der Prognose zufolge um knapp sieben Prozent zulegen. "Der Gegenwind für den Außenhandel wird stärker", sagte BGA-Präsident Anton Börner dazu. "2008 wird ein allenfalls durchschnittliches Jahr." Dabei zeichne sich ein "Kopf-an-Kopf-Rennen" mit China um den Titel des Exportweltmeisters ab.

Der BGA schließt nicht aus, dass der Euro in den kommenden sechs Monaten bis auf 1,60 Dollar steigt. Erst am Jahresende werde sich der Eurokurs wieder unter 1,50 Dollar einpendeln, aber über der Marke von 1,40 Dollar verharren. Der starke Euro macht deutsche Produkte in anderen Währungsräumen teurer, worunter in erster Linie die Automobil-, Luft- und Raumfahrtindustrie leide, sagte Börner.

Auch das Institut der deutschen Wirtschaft rechnet wegen der Rekordstände beim Euro mit negativen Folgen auf die deutsche Wirtschaft. "Bisher hat die deutsche Exportwirtschaft den hohen Euro wegen des boomenden Welthandels nicht stark zu spüren bekommen. Doch dieser Effekt lässt nun nach", sagte IW-Konjunkturchef Michael Grömling der "Berliner Zeitung".

Der Volkswirt fügte an: "Wertet der Euro weiter auf, wird das die Gewinne deutscher Firmen im Ausland unter Druck bringen und die Exportperformance verschlechtern."

sil/ase/itz/Reuters/dpa-AFX/AP/AFP



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