Konjunktur Wirtschaftsforscher prognostizieren Boom-Ende

2,2 Prozent, 2,3 oder gar 2,5: Mehrere Wirtschaftsinstitute haben ihre Wachstumsprognosen für das laufende Jahr zum Teil deutlich nach oben korrigiert. Allerdings hält der Aufschwung nicht lange: Für 2009 erwarten die Forscher das Ende des Booms.


Hamburg - Die deutsche Wirtschaft wächst - und das stärker als erwartet: Am deutlichsten hat das Hamburgische WeltWirtschaftsInstitut (HWWI) seine Wachstumsprognose erhöht. Für das Jahr 2008 prognostizieren die Forscher nun ein Wachstum von 2,2 Prozent, teilte das HWWI am Montag in Hamburg mit. Damit wurde die bisherige Prognose von 1,3 Prozent deutlich erhöht.

Containerschiff in Hamburg: Deutsche Wirtschaft wächst - aber nicht mehr lange
DDP

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Eine Einschätzung, die das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) teilt. Es korrigierte seine Wachstumsprognose für 2008 ebenfalls deutlich nach oben: Wegen des starken Auftaktquartals werde sie von 1,7 auf 2,5 Prozent angehoben, teilte das IW mit. Damit würde das Bruttoinlandsprodukt (BIP) genauso stark zulegen wie 2007.

Und auch der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) hat seine Prognose für das Wachstum des deutschen Bruttoinlandsproduktes (BIP) in diesem Jahr angehoben. Nach bislang 2,0 Prozent werden jetzt 2,3 Prozent in Aussicht gestellt.

Die günstigeren Aussichten für das laufende Jahr begründen die Forscher vor allem mit dem starken Wachstum im ersten Quartal, obwohl sich die Rahmenbedingungen weiter verschlechtert hätten. Auch sei die günstige Entwicklung zu Jahresbeginn durch Sondereffekte beeinflusst worden. Andererseits zeige sich die deutsche Wirtschaft bislang recht robust gegenüber dämpfenden Einflüssen wie der internationalen Finanzkrise, der Euro-Stärke und der Energieverteuerung. Allerdings werde sich die Konjunktur diesen dämpfenden Effekten nicht auf Dauer entziehen können.

So groß der Optimismus für das laufende Jahr, so nüchtern die Erwartung für 2009: Für das kommende Jahr rechnet das HHWI nun mit einer Rate von 1,1 Prozent, nach bislang 1,3 Prozent. "Immer mehr Indikatoren deuten auf eine Abschwächung im weiteren Jahresverlauf hin", schreiben die Ökonomen. Sollten sich die Probleme nicht weiter zuspitzen, sei um die Jahreswende mit einer Wiederbelebung der Konjunktur und im Laufe des kommenden Jahres mit einer Anknüpfung an den Aufschwungstrend zu rechnen. Die Beschäftigung werde zunächst kaum zunehmen. Die Inflationsrate werde selbst bei Beruhigung der Ölpreise in diesem Jahr annähernd drei Prozent betragen und auch 2009 kaum unter die Zwei-Prozent-Marke fallen. Auch das IW bleibt zurückhaltend: Für 2009 halten die Forscher an ihrer Prognose von 1,3 Prozent fest.

"In den nächsten zwölf Monaten verliert der Aufschwung deutlich an Fahrt", sagte der DIHK. "2009 wird es wohl angesichts dieser Tempoverringerung nur noch für eine 'schwache eins' vor dem Komma reichen", erklärte DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben. Der DIHK erwartet zudem eine Zunahme der privaten Konsumausgaben um 1,0 Prozent nach einem Rückgang um 0,4 Prozent im vergangenen Jahr. Für die Exporte veranschlagt die Kammerorganisation eine Zunahme um 7,0 nach 7,8 Prozent und für die Importe um 7,5 nach 4,8 Prozent.

sam/dpa-AFX/Reuters/ddp



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