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Konjunkturanalyse: Deutschland taumelt aus der Krise

Von und Timo Kotowski

Plus beim Export und den Industrieaufträgen - trotzdem mehr Insolvenzen und Furcht vor Job-Kahlschlag. Selten waren Konjunkturdaten so widersprüchlich. Ökonomen analysieren auf SPIEGEL ONLINE den Zustand der deutschen Wirtschaft: Ist das Schlimmste überstanden, welche Rückschläge kommen noch?

Hamburg - Gute Nachrichten aus der deutschen Wirtschaft kommen in diesen Tagen in Serie. Die Talfahrt sei gestoppt, eine Trendwende zu verzeichnen, ein Hoffnungsschimmer zu erkennen, das Ende der Rezession gar in Sicht - das ist der Tenor. Optimistisch wie lange nicht mehr werden derzeit die ersten positiven Konjunkturdaten verkündet, zuletzt die Meldung, dass die Exporte im Juni so stark gestiegen sind wie seit drei Jahren nicht mehr.

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Hamburger Hafen: Gute Nachrichten vom Export - aber was bedeuten sie?

Tatsächlich mehren sich die Anzeichen für eine Erholung der deutschen Wirtschaft. Am Donnerstag hatte die Industrie einen deutlichen Anstieg ihrer Aufträge gemeldet. Nach den vielen Absturzmeldungen der vergangenen Monate machte daraufhin der Bundeswirtschaftsminister schon Hoffnung auf ein Ende der Rezession: Er erwarte für den Rest des Jahres gesundes Wachstum, sagte Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU). "Vor allem das anhaltende Plus bei den Bestellungen spricht dafür, dass die deutschen Unternehmen auch in der zweiten Jahreshälfte ihre Produktion weiter steigern können." Und das Ende des Abschwungs sei nicht bloß Zukunftsmusik, schon im zweiten Quartal habe die deutsche Wirtschaft "ihr Niveau behauptet".

Und doch gibt es auch Meldungen, die nicht recht zum Jubel passen wollen. So meldete das Statistische Bundesamt am Freitag, dass die Rezession die Zahl der Firmenpleiten sprunghaft hat steigen lassen. Im Mai wurden von den Amtsgerichten 2663 Unternehmensinsolvenzen gemeldet - 14,9 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Und das wird so weitergehen: "Die große Insolvenzwelle beginnt gerade", sagte Siegfried Beck, Chef des Insolvenzverwalter-Verbands. Eine Erholung sei noch nicht in Sicht.

Und auch auf dem Arbeitsmarkt deutet derzeit wenig auf Erholung hin - im Gegenteil. Laut Bundesagentur für Arbeit steht das Schlimmste noch bevor. Mehr Entlassungen drohen im Herbst, weil viele Betriebe auch nach dem Ende der Kurzarbeit immer noch zu wenige Aufträge haben. Das beunruhigt die Beschäftigten. Und den Einzelhandel, der einen trüben Herbst erwartet.

Angesichts all dieser Daten versteht kaum noch jemand, wie es wirklich um die deutsche Wirtschaft steht. Auch Wirtschaftsfachleute sind uneinig.

SPIEGEL ONLINE hat Konjunkturexperten befragt, wann der Aufschwung wirklich kommt, wie kräftig er ausfallen könnte und was dem Arbeitsmarkt in den kommenden Monaten droht:

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1.
Galaxia, 06.08.2009
Zitat von sysopNeue Anzeichen für eine Erholung der deutschen Wirtschaft: Die Industrie konnte im Juni deutlich zulegen - ihre Auftragseingänge stiegen um 4,5 Prozent, weit stärker als von Volkswirten erwartet. Bei all den Meldungen zur Konjunktur - blicken Sie noch durch?
Im Artikel heisst es ja "Gefragt waren demnach vor allem Maschinen und Fahrzeuge." Und bei Fahrzeugen konkret ist hier sicherlich dies auf die Umwelt-Abwrackprämie zurückzuführen. Daher man muss relativieren und durch diese "Prämie" wurde nur etwas aufgeschoben. Sinn solcher Meldungen ist wohl der Gedanke, das einige meinen man kann etwas schön reden. Die Verpackung macht auch was her, nur ändert das nichts daran wenn der Inhalt faul ist. Deutschland kann nur einen nachhaltigen Aufschwung schaffen, wenn es seine Energietechnologie umstellt.
2.
Bettelmönch, 06.08.2009
Zitat von sysopNeue Anzeichen für eine Erholung der deutschen Wirtschaft: Die Industrie konnte im Juni deutlich zulegen - ihre Auftragseingänge stiegen um 4,5 Prozent, weit stärker als von Volkswirten erwartet. Bei all den Meldungen zur Konjunktur - blicken Sie noch durch?
Nein, aber das zeigt, daß die Konjunktur komplexer ist als viele Expertenmeinungen suggerieren.
3.
BTW, 06.08.2009
Zitat von sysopNeue Anzeichen für eine Erholung der deutschen Wirtschaft: Die Industrie konnte im Juni deutlich zulegen - ihre Auftragseingänge stiegen um 4,5 Prozent, weit stärker als von Volkswirten erwartet. Bei all den Meldungen zur Konjunktur - blicken Sie noch durch?
Drastisch mehr Auftraege ? Ist ja voll krass. "Im Jahresvergleich ... lag das Minus im Juni bei 25,3 Prozent nach minus 29,4 Prozent im Vormonat"
4.
mbberlin, 06.08.2009
Zitat von sysopNeue Anzeichen für eine Erholung der deutschen Wirtschaft: Die Industrie konnte im Juni deutlich zulegen - ihre Auftragseingänge stiegen um 4,5 Prozent, weit stärker als von Volkswirten erwartet. Bei all den Meldungen zur Konjunktur - blicken Sie noch durch?
Blickt ihr beim Spiegel nocht durch?
5.
Wolfghar 06.08.2009
Zitat von sysopNeue Anzeichen für eine Erholung der deutschen Wirtschaft: Die Industrie konnte im Juni deutlich zulegen - ihre Auftragseingänge stiegen um 4,5 Prozent, weit stärker als von Volkswirten erwartet. Bei all den Meldungen zur Konjunktur - blicken Sie noch durch?
Ich blicke sicher nicht durch, aber ich misstraue auch allen Volkswirten mit Parteibuch und den INSM Gefühlsermittlungsinstituten bei ihrer politischen Stimmungsmache. Was bedeuten 4,5% mehr Aufträge bei einem Einbruch von bis zu 70% teilweise? Ein Aufschwung? Was für eine demagogische Desinformation! Mit Wahrheit und Ehrlichkeit wollen diese Leute sicher nichts zu tun haben. Aber wenn es jetzt wieder neue Aufträge gibt kann man ja endlich die Löhne weiter senken um die Stellen zu halten.
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