Konjunkturflaute Industrie-Aufträge brechen massiv ein

Die deutsche Industrie leidet unter der Auftragsflaute. Die Bestellungen gingen so deutlich zurück wie noch nie seit der Wiedervereinigung. Das Wirtschaftsministerium erwartet keine schnelle Verbesserung der Lage.


Berlin - Preis- und saisonbereinigt seien die Bestellungen in der Industrie im September im Vergleich zum Vormonat um acht Prozent gefallen, teilte das Wirtschaftsministerium am Donnerstag in Berlin mit. Damit fiel der Einbruch stärker als erwartet aus. Volkswirte hatten mit nur einem Rückgang um zwei Prozent gerechnet. "Das ist der größte Rückgang seit Einführung der Statistik 1991", sagte eine Ministeriumssprecherin.

Stahllager: "Stark eingetrübte Aussichten"
DPA

Stahllager: "Stark eingetrübte Aussichten"

Damit setzt sich der Abschwung in Deutschland fort. Die Aussichten für die Industrieproduktion bleiben laut Wirtschaftsministerium in den kommenden Monaten "stark eingetrübt". "Insgesamt setzt sich der seit Dezember 2007 zu verzeichnende Rückgang der Auftragseingänge verstärkt fort." Besonders betroffen war die Nachfrage aus dem Ausland. Sie sank um 11,4 Prozent, während die Inlandsnachfrage um 4,3 Prozent fiel. In den einzelnen Industriesektoren brachen die Aufträge vor allem bei den Investitionsgütern ein. Sie sanken um elf Prozent.

Am Mittwoch hatte die Bundesregierung ein Konjunkturprogramm auf den Weg gebracht, um die Folgen der Konjunkturflaute zu mildern. In den nächsten zwei Jahren sollen Bund, Länder und Kommunen rund zwölf Milliarden Euro in die Hand nehmen, um den Abschwung abzufedern. Die Regierung hofft, Investitionen von bis zu 50 Milliarden Euro anzustoßen und Jobs vor allem in der Autoindustrie zu sichern. Experten hatten das Programm gegenüber SPIEGEL ONLINE allerdings als nicht ausreichend kritisiert.

Die skeptischen Geschäftsprognosen zahlreicher Unternehmen haben auch am deutschen Aktienmarkt die Kurse gedrückt. Bis Donnerstagmittag verlor der Leitindex Dax über vier Prozent. "Das Gros der Unternehmen spürt langsam die konjunkturellen Auswirkungen der Finanzkrise. Von der Finanzkrise sind wir nahtlos zu einer Krise in der Realwirtschaft übergegangen", sagte ein Händler. Das mache sich in den Aktienkursen bemerkbar.

Die asiatische Leitbörse in Tokio wurde ebenfalls von schlechten Zahlen beeinflusst und gab kräftig nach. Zuvor war auch an der Wall Street die Freude über den klaren Wahlsieg Barack Obamas rasch verflogen. Die US-Aktienindizes hatten tief im Minus geschlossen.

suc/dpa-AFX/Reuters



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