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Konjunkturflaute: Zentralbank warnt vor langem Abschwung

Einbrüche in der Industrie, maues Wachstum - die Signale aus der Wirtschaft sind ernüchternd. Nach Angabe der Europäischen Zentralbank gibt es kaum Anzeichen für eine schnelle Erholung der europäischen Konjunktur. Weitere Leitzinssenkungen werden immer wahrscheinlicher.

Frankfurt am Main/Madrid - Die Europäische Zentralbank (EZB) rechnet nicht mit einer schnellen Erholung der Wirtschaft: Eine Befragung von Experten für das erste Quartal hat deutlich geringere Wachstums- und Inflationserwartungen für 2009 und 2010 ergeben.

EZB in Frankfurt: Niedriges Wachstum in den kommenden Quartalen
REUTERS

EZB in Frankfurt: Niedriges Wachstum in den kommenden Quartalen

Die Konjunktur im Euroraum wird demnach im weiteren Jahresverlauf 2009 schwach bleiben. Vor allem wegen der Finanzkrise werde das Wachstum in den kommenden Quartalen niedrig ausfallen, heißt es im Monatsbericht der EZB für Februar. Auch wenn jüngste Umfragen auf eine leichte Stabilisierung hindeuteten, sei der Konjunkturausblick nach wie vor von hoher Unsicherheit geprägt.

Der Inflationsdruck hat sich laut EZB weiter abgeschwächt. Mittelfristig sei mit Inflationsraten zu rechnen, die im Einklang mit Preisstabilität stünden. Die EZB sieht ein stabiles Preisniveau bei der Teuerung von knapp zwei Prozent. Im Januar lag die Inflationsrate im Euroraum mit 1,1 Prozent aber deutlich unter diesem Wert. Für den Jahresverlauf 2009 geht die Notenbank von starken Schwankungen aus.

Spanien rutscht in die Rezession

Tatsächlich kämpfen immer mehr Staaten im Euroraum mit dem Abschwung. So ist Spanien erstmals seit zehn Jahren in die Rezession gerutscht. Die Wirtschaftsleistung sei im Herbst 2008 zum Vorquartal um ein Prozent geschrumpft, teilte das nationale Statistikamt auf Basis einer Schätzung am Donnerstag mit. Damit ist Spanien nach gängiger Definition in der Rezession, da die Wirtschaft bereits im Sommer um 0,3 Prozent geschrumpft war.

Wirtschaftsminister Pedro Solbes machte bereits vor Wochen deutlich, dass er eine Rezession wegen der Folgen der schweren Immobilien- und Finanzkrise für unausweichlich hält. Spaniens Wirtschaft hatte über Jahre von einem Bauboom profitiert, der nach dem Platzen einer Immobilienblase abbrach. Noch 2007 hatte das Land ein Wachstum von 3,7 Prozent erreicht.

Einbrüche in der Industrie

Die EU-Kommission stellt wegen der Wirtschaftskrise bereits beispiellose Einbrüche in allen Industriesektoren in Europa fest. Ausmaß und Geschwindigkeit der Krise seien völlig neu, zitiert die "Financial Times Deutschland" EU-Industriekommissar Günter Verheugen.

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Eine dem Blatt vorliegende interne Analyse beschreibe anhand von Beispielen aus dem verarbeitenden und dem Baugewerbe ungekannte Produktions- und Absatzeinbrüche. Der seit 1985 von der EU-Generaldirektion Wirtschaft und Finanzen erstellte Geschäftsklimaindex sei auf das niedrigste Niveau seit seiner Einführung gefallen.

Schon am Mittwoch hatte das Münchner Ifo-Institut mitgeteilt, dass der Stimmungsindikator für den Euroraum im ersten Quartal 2009 zum sechsten Mal in Folge zurückging. Der Wert war von 50,8 Punkten im Vorquartal auf 45,8 Punkte abgesackt. Dabei handelt es sich um einen historischen Tiefststand.

EZB erwägt Zinssenkungen

Die EZB plant offenbar weitere Zinssenkungen, um die Folgen des Abschwungs abzumildern. "Wir haben unseren Spielraum mit Blick auf die Zinspolitik noch nicht aufgebraucht", sagte EZB-Direktoriumsmitglied Gertrude Tumpel-Gugerell am Donnerstag dem österreichischen Radio ORF.

Anfang Februar hatte die Notenbank den Leitzins unverändert bei zwei Prozent belassen. Die EZB hatte aber bereits angedeutet, dass es zu einer Zinssenkung im März kommen könnte.

EZB-Ratsmitglied Erkki Liikanen hat vor einer Verschärfung der Finanzkrise gewarnt. "Ich würde nicht sagen, dass das Schlimmste bereits überstanden ist, obwohl sich eine Verbesserung in manchen Teilen des Finanzmarktes zeigt", sagte Liikanen der finnischen Wirtschaftszeitung "Taloussanomat". "Die Wirtschaftskrise scheint sich auszubreiten und länger zu dauern", erklärte Liikanen, der zugleich Chef der finnischen Zentralbank ist. Das Wirtschaftswachstum verlangsame sich überall, während der Welthandel schrumpfe.

suc/dpa-AFX/Reuters

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Forum - Das Konjunkturprogramm – Geldverschwendung oder Rettungsaktion?
insgesamt 773 Beiträge
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1. Das Konjunkturprogramm - Geldverschwendung oder Rettungsaktion?
chirin 17.01.2009
Zitat von sysopDie Maßnahmen der Bundesregierung zur Finanz- und Wirtschaftskrise sind umstritten, ebenso wie der Kapitaleinsatz. Das neue Konjunkturprogramm: Reine Geldverschwendung oder eine notwendige Rettungsaktion?
Ganz klar, Geldverschwendung! Insbesondere das alberne Angebot der Verschrottungsprämie. Die Schrottfirma verkauft diese Fahrzeuge nach Afrika,Ägypten oder Ostblock und das natürlich für Gewinn, aber die Verseuchung des Luftraumes macht ja vor Deutschland nicht halt. Außerdem bemängel ich eine Kontrolle, ob auch Autos aus deutscher Fabrikation gekauft werden, nicht das die Chinesen noch reicher werden und Deutschland die Werke schließen muß. Das ist mal wieder von völlig geistlosen Politikern ausgeheckt worden. Wenn schon Hilfe, dann Gutscheine auf deutsche Produkte, damit deutsche Unternehmen wieder in die Puschen kommen und dadurch keine Entlassungen von in Deutschland wohnenden Arbeitnehmern erfolgen kann. Überdies, ich fahre einen tipp/topp DB - Jahrgang 1985. Der fährt und fährt und fährt. Ich müßte verrückt sein, das gute Stück gegen eine der heutigen Klamotten einzutauschen.
2.
Michael Giertz, 17.01.2009
Zitat von sysopDie Maßnahmen der Bundesregierung zur Finanz- und Wirtschaftskrise sind umstritten, ebenso wie der Kapitaleinsatz. Das neue Konjunkturprogramm: Reine Geldverschwendung oder eine notwendige Rettungsaktion?
Wie gesagt, all diese Konjunkturpakete würden weit mehr Einfluss haben und den Menschen helfen, würde man diese zur Reduzierung der Schulden der Bundesbürger verwenden, statt sie nahezu bedingungslos den Banken nachzuwerfen. Im Prinzip funktionieren Konjunkturpakete nicht, weil die Wirtschaft nunmal eine Mischung aus Chaoskonzept und Kopfsache ist: solange die Entscheider bei den Banken das Gefühl haben, es geht immernoch abwärts, kann sich daran nichts ändern. Höchstens eins: den Aufkauf der faulen Wertpapiere. Da bin ich aber völlig dagegen, mit dem Mist dürfen die Banken selber auskommen. Und wenn's dem Ackermann seinen Stuhl kostet und die Deutsche Bank pleite geht - mir soll's recht sein.
3.
Huuhbär, 17.01.2009
Zitat von sysopDie Maßnahmen der Bundesregierung zur Finanz- und Wirtschaftskrise sind umstritten, ebenso wie der Kapitaleinsatz. Das neue Konjunkturprogramm: Reine Geldverschwendung oder eine notwendige Rettungsaktion?
Ja. Dieses müssen alle in unmittelfristiger Zeit selbst auslöffeln. Was die egoistischen politische-wirtschaftliche Prominenz dazu behauptet, ist schlicht falsch. Wer ein Paket schnürt, dass 2500 Euro für ein altes Auto und 100 Euro für ein Kind verspricht. Dem kann man nur entgegen halten, dass dieses Missverhältnis tief blicken lässt. Diese Blase wird ebenfalls immer größer und platzt eines Tages. Was benötigt wird ist eine weltweite Systemumstellung in dem Finanzbereich, sonst wird den Völkern und Volkswirtschaften noch mehr Schaden zugefügt.
4.
Huuhbär, 17.01.2009
Ach ja, noch was. Die Kompromisse des Konjunkturpaketes werden weder die Binnenkonjunktur ankurbeln noch die Wirtschaftskrise abfedern. Erreicht ist lediglich momentan, dass die Regierungsparteien sich je zur Hälfte durchgesetzt haben. Ist für die jeweilige Regierung nach der Wahl einfacher den jeweiligen Hebel in ihr parteipolitisches Konzept umzulegen. Die überwiegende Mehrheit wird von dem KPII in der Realität so gut wie nicht profitieren, dafür in dem ganzen Prozess zerrieben. Für besser hielt ich es, den Menschen zu helfen, die durch die Krise unverschuldet in Not geraten werden – den Menschen wohl gemerkt -, nicht den Unternehmen, von denen nicht wenige verschulet und wissentlich in diese Schieflage gekommen sind (wie sich immer mehr abzeichnet – um es dezent auszudrücken: durch das falsch eingeschätzte Risiko). Das ganze ist doch nur noch ein Witz, aber die politische-wirtschaftliche Kaste der gesellschaftlichen Brandstiftern wird wohl wieder durchkommen und gewählt werden, während gesunde Unternehmen und Unternehmenskonzepte in der Zwischenzeit den Bach runter gehen.
5. Geldverschwendung!!
MarkusW77 17.01.2009
Weiß eigentlich irgendjemand, woher der Staat diese Milliarden jetzt nimmt? Bzw. auch die Zinszahlungen der schon vorhandenen Schulden gehen doch an die Banken, die als Gläubiger unserem Staat Geld geliehen haben. Und jetzt, wo alle Banken betroffen sind, also Geld brauchen....von wem leiht sich jetzt eigentlich der Staat das Geld??
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